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Kategorien > Drama > drama

Die verkaufte Braut

von anoriel bina

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Die verkaufte Braut

Donnerstag! Carol hasste diesen Tag und das mit gutem Grund. Sie konnte sich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann es das erste Mal gewesen war, da Sir Memory sie um Punkt fünf Uhr besuchen kam. Sie verabscheute ihn, diesen aufgeblasenen Schnösel mit den stahlgrauen Augen und dem hageren Gesicht, das wie eine Elster mit der spitzen Nase wirkte. Wie er sie ansah! Sein kalter Blick tastete sich über ihre Züge und blieb mit einem süffisanten Lächeln daran hängen, das lange, mausbraune Haar hatte er im Nacken zu einem schütteren Zopf gebunden. Sie wusste, dass er sie nicht um ihretwillen heiraten wollte, sondern wegen dem Geld ihres Vaters, dem Geld, das sie eines Tages einmal erben würde. Wenn meine Eltern mich dazu zwingen, diesen Sir Memory zu ehelichen, sterbe ich liebe, ehe ich ihm die Gelegenheit gebe, unser Geld zu rauben! Keinen Penny soll er davon zu sehen bekommen! Auf sein Lächeln hin hob sie stolz den Kopf und legte eine Maske des Hochmuts auf. Ihr Vater räusperte sich neben Sir Memory vernehmlich und sie sah auf seine kleine Gestalt. Kurz musterte sie das blasse Gesicht mit dem buschigen, grau melierten Vollbart, die kleinen Augen über der Knollnase und die schmalen Lippen, die sich einzig in Memorys Gesellschaft zu einem schmeichelnden Lächeln hoben. Was fand er nur an diesem widerlichen Kerl?! Memory rutschte ein wenig auf seinem gepolsterten Stuhl herum und blinzelte dann überheblich zu ihr herüber. „Carol, Liebs?“ Carol stutzte und wunderte sich kurz über das heuchlerische „Liebes“, ehe sie brav lächelte und nickte. „Ja, Vater?“ „Würdest du nicht gerne mit unserm verehrten Sir Memory einen Ausflug in die Stadt machen? Natürlich, stelle ich euch meine Kutsche zur Verfügung.“ Sie horchte aufmerksam auf seine süßliche Stimme und schüttelte innerlich fassungslos den Kopf. Sie ahnte, dass der Ausflug auf einen Heiratsantrag hinaus laufen sollte. Jetzt würde sie sich wohl etwas einfallen lassen, um eben das zu verhindern. „Ein Ausflug mit Sir Memory würde mir natürlich sehr zusprechen“, sie wandte sich mit einem schüchternen Lächeln an Memory, „Ihr wisst sicher, wie sehr ich Eure Gesellschaft schätzten würde. Es wäre mir eine Ehre, an Eurer Seite die Stadt zu besichtigen. Es ist ja allgemein bekannt, dass man von London niemals genug sehen kann. Man entdeckt immer wieder neue Orte, die die schönsten Aussichten bergen, nicht wahr?“ Memory nickte zustimmend, aber er schien ihr noch nicht einmal wirklich zuzuhören. „Doch zu meinem Bedauern bin ich in den nächsten Tagen verhindert. Ich habe bei meinem letzten Ritt einen fürchterlichen Sturz erlitten und nun sehe ich mich gezwungen, die nächste Zeit im Hause zu verbringen. Aber ich hoffe natürlich, dass wir diesen Ausflug sobald wie möglich nachholen können.“ Sie lächelte erst Memory, dann ihren Vater an, der sie verwundert betrachtete. „Ich wusste ja gar nicht, dass du einen Sturz hattest Liebes.“ Carol prüfte in seinem Gesicht nach Anzeichen des Misstrauens, doch anscheinend glaubte er ihr tatsächlich und so konnte sie ruhigen Gewissens nicken. „Ja, ich hatte Euch noch nicht davon unterrichtet, mein lieber Vater.“ Jetzt schaltete sich auch Memory zum ersten Mal in das Gespräch ein und als er sprach, wandten sich die Blicke ihres Vaters und ihre eigenen interessiert auf seine schneeweiße Miene: „Mein Mitgefühl für Eueren Sturz verehrte Carol, ich hoffe Ihr habt nicht allzu große Leiden davongetragen. Nun, wenn wir also schon nicht unseren kleinen Ausflug unternehmen können, so gebt mir die Erlaubnis, Euch zu besuchen. Ich verzichte ungern auf Eure angenehme Gesellschaft.“ Er schob ein falsches Lächeln hinterher und neigte leicht den Kopf. Seine Augen aber ruhten mit Beharrlichkeit auf ihrem entsetzten Gesicht. Was nun? „Ich danke Euch für Euer Mitgefühl Sir Memory, aber ich bevorzuge für meine Genesung die Ruhe mit der Einsamkeit. Ich möchte Euch nicht kränken, das liegt mir fern und trotzdem: Wenn Ihr mir mein Wohl wünscht und eine schnelle Genesung, so müsst Ihr auf meine Gesellschaft in den nächsten Tagen verzichten.“ Jetzt war es ihr Vater, der sie fassungslos anstierte. Seine Brauen zogen sich verärgert auf Grund ihrer Abweisung zusammen und hinterließen kleine Furchen in seiner Stirn. „Carol! Du beleidigst unseren Gast. Du wirst ihn nicht des Hauses verweisen! Wenn er nicht deinetwegen in den nächsten Tagen kommen wird, dann soll es wegen mir sein. Denn ich will nicht auf die Gesellschaft von Sir Memory verzichten!“ Sie schnappte empört nach Luft, schloss dann aber wieder eilig den Mund und nickte kühl. Natürlich! Und als wenn Memory sie nicht um ihre Hand bitten würde, wenn er einmal ihren Vater besuchen kommt und gleich im Hause ist! Trotz ihrer Wut rang sie sich zu einer Antwort ab: „Wie Ihr wünscht, Vater. Ihr entschuldigt mich bitte. Ich fühle mich nicht sonderlich wohl. Verzeiht mir meine eilige Entfernung Sir Memory….Vater!“ Sie nickte beiden zu und verschwand eilig aus dem Salon. Ihr Herz raste vor Aufregung. Was fällt ihnen ein! Als würde sie nicht genau spüren, wie die beiden sie heimlich hinter ihrem Rücken mit diesem Möchtegern verkuppeln! Doch das würde sie nicht zulassen, sie würde fliehen, so schnell es ging….Noch in dieser Nacht! Sie hastete die breite Treppe in der Eingangshalle hinauf, lief den weißgetünchten Flur mit den blank polierten Dielen entlang und verschwand in ihrem Zimmer. Endlich allein! Unten vernahm sie undeutliche Stimmen. Anscheinend verabschiedete sich Memory gerade und verließ das Haus. Gut so! Sie lächelte über die erstaunten Blicke der Männer in ihrer Erinnerung, als sie den Salon verlassen hatte. Sie drehte den kleinen Schlüssel gleich unter dem silbernen Knauf der Türe um, legte sich auf ihr Bett und schloss die Augen. Die Dunkelheit schien nur mit schleichender Langsamkeit zu kommen, sie näherte sich im gleichen Maße mit ihrer Nervosität. Als sie es nicht länger aushalten konnte, einfach nur dazuliegen und auf die Nacht zu warten, erhob sie sich und ging zu dem wuchtigen Eichenschrank in der Ecke, gleich neben dem Fenster, über das sich maisgelbe Samtvorhänge zogen. Sie machte sich noch nicht einmal die Mühe, einen Blick hinaus ins Freie zu werfen. Sie wusste, dass die Sonne noch immer nicht hinter den Hügeln untergegangen war, sondern stattdessen ihr orangenes Licht in den blauen Himmel sprenkelte. Nur in der Ferne würden sich rosafarbene Schlieren in den Farbenpulk von Violett bis azurblau mischen, sanft und weich würden sich die Töne zu einem mengen, bis die Dunkelheit alles in Schwarz tauchte. Wenn dieser Moment gekommen war, musste sie sich bereits auf die Flucht vorbereitet haben. Und aus diesem Grund griff sie wahllos einige Dinge aus den Schrankfächern, stopfte sie in den Lederkoffer, den sie unter ihrem Bett hervorwühlte, warf auch noch einige ihrer Utensilien hinein, bis sie glaubte, alles zu haben, um so weit zu kommen, dass ihr Vater und Memory sie niemals wieder erreichen könnten. Erst jetzt, eine geschlagene Stunde später, war

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Kommentare

Nessi schrieb am 2009-03-03 20:08:42:
Hallo anoriel bina,

also ich finde Deine Geschichte echt gut. Für mich ist das gar keine Kurzgeschichte, sondern das erste Kapitel einer "richtigen" Geschichte. Jetzt könnte sie doch ert richtig anfangen, oder? Sie flieht von Zuhause... welche Abendteuer erlebt sie ... wie schlägt sie sich alleine durch... lernt sie unterwegs durch sonst was für Umstände einen attraktiven (...) Man kennen oder soll sie von so einem eingefangen und zurückgebracht werden...? Da gibts doch so viele Möglichkeiten all la Historikel Romane. Na, wie wärs mit ner Fortsetzung :-) ?

Lg Nessi
Milena schrieb am 2008-01-30 21:02:15:
also ich finde die Geschichte langweilig. Du hast viel phantasie aber an manchen stellen beschreibst du einfach zu viel. Eine Kurzgeschichte umfasst einen Geringer Umfang, Konfliktreiche Situation,Wenig Handlung, Metaphern und Leitmotive und was ganz wichtig ist es müssen noch Fragen übrig bleiben (offenes Ende), der Leser muss zwischen den Zeilen denken. Einige Punkt hast du berücksichigt aber nicht richitg angewendet man langweilt sich einfach beim lesen.

lg milena

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