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Die verlorenenen Schätze

von Angela Schlenker

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Die verlorenen Schätze

Vor langer Zeit, als noch viele Karawanen über die Weihrauchstraße zogen, beladen mit allen Kostbarkeiten des Landes, da lebte in einer kleinen Oase ein junger Mann. Alis Eltern waren bitterarm, denn der Ertrag ihrer wenigen Dattelpalmen reichte kaum aus, um die Familie mit den vielen Kindern zu ernähren. So träumte Ali immer wieder von dem Tag, an dem sich ihm eine Gelegenheit bieten würde, mit den Karawanen zu ziehen, die so herrliche Güter in wunderbare, fremde Länder transportierten. All seiner Sehnsucht zum Trotz, aber war Ali keineswegs einfältig, er wußte durchaus um die vielen Gefahren, die einer Karawane drohten. War es auch manchmal die Natur selbst, welche ein übles Spiel mit Mensch und Tier trieb, so waren es doch meist Überfälle durch Räuberbanden, die den Untergang so manches Handelszuges besiegelten. Denn viel hatten die Händler zu berichten, die ein Nachtlager in seinem Elternhause erbaten. Immer neue Variationen über hinterhältige Angriffe wurden abends am Feuer erzählt, über blutige Abwehrschlachten, gemeuchelte Kameraden und verschwundene Schätze.
Genau dieses unabwägbare Risiko aber sollte doch eigentlich auch die eine Chance in sich bergen, die er so dringend herbeisehnte, überlegte Ali. Keine Karawane gab es mehr, die nicht ohne Geleitschutz auskam, und eben dieser Streitmacht wollte auch er angehören. Verbissen also trainierte Ali jeden Tag mit einem alten, schartigen Schwert und glaubte nach jedem Mal, möglichen Angreifern immer besser gewachsen zu sein. Kummervoll und gedemütigt mußte er jedoch erkennen, wie die altgedienten Krieger der Karawanen ihn und seine alte Waffe auslachten.
Eines Tage aber mischte das Schicksal alle Karten neu. Schon Abend war es und die Sonne vergoldete die heimeligen Lehmgebäude seiner Oase, als die friedliche Atmosphäre der Ruhe nach einem arbeitsreichen, harten Tag durch die Boten des Verbrechens unterbrochen wurde. Eine Karawane schleppte sich mit Müh und Not in die Sicherheit dieser Wasserstelle. Hatte auch deren Schutzmannschaft einen glücklichen Sieg errungen und in dem schweren Kampf nicht eines der mit kostbaren Schätzen beladenen Lasttiere an die Verbrecher verloren, so gab es doch keinen unter den Verteidigern, der nicht eine mehr oder weniger schlimme Verletzung zu beklagen hatte. Das Unglück der einen, geriet jedoch zum Glück des anderen, denn diesmal war der alte Händler froh, einen neuen, mutigen, gesunden Jüngling verpflichten zu können.
So also erfüllte sich Alis hochfliegender Traum doch noch und viele weitere erfolgreiche Touren schlossen sich an die erste an. Eines Tages geschah es aber, daß seine Karawane in einer kleinen Stadt Halt machte, die für das auserlesenste Rosenwasser des ganzen Landes berühmt war. Mit diesem edlen Handelsgut gedachte der Kaufmann seine Tiere zu beladen. Während der nun also um die in aller Welt begehrte Kostbarkeit feilschte, schlenderte Ali müßig durch die engen Gassen. Sein Weg führte ihn endlich auch zum Brunnen der Stadt. Dort, wo die Gasse sich zum Platz weitete, blieb er plötzlich wie angewurzelt im Schatten eines Hauses stehen, denn vor sich erblickte er das liebreizendste Mädchen, welches er je sah. In der Stadt der Rosen hatte jetzt der junge Ali auch die seine gefunden. Nichts anderes als dieses Mädchen zählte noch für ihn.
Auch wenn Ali immer noch arm war, so waren es die Eltern des Mädchens noch viel mehr. Sie waren deshalb froh, einen so tapferen, schönen jungen Mann für ihre Tochter gefunden zu haben, einen aber auch, der auf jegliche Mitgift verzichtete.
Die Rückreise traten die Kamele also nicht nur beladen mit den wertvollsten Gütern an, sondern sie brachten auch die „Rose von Taisz“, wie das junge Mädchen hieß, zu ihrer neuen Heimstatt in der kleinen Oase.
Nun aber wendete sich Alis Los zum Schlechten, es war, als hätte er die Güte des Geschicks voll ausgeschöpft und nichts als Leid wäre noch für ihn übrig. Denn wieder schlug eine Räuberbande zu. Mit dem Mut eines Löwen verteidigte Ali diesmal die Karawane, ging es doch heute nicht nur um seine Ehre als Soldat, sondern auch um das Glück seines Lebens. Allein, es waren der Wegelagerer zu viele, aller Heldenmut sollte ihm heute nicht helfen. Nur noch ein böses Lachen hörte er, als ein Schwertstreich ihn von hinten niederstreckte. Im allerletzten Moment, aus den Augenwinkeln sah er noch ein häßliches, narbiges Gesicht, bevor tiefe Bewußtlosigkeit ihn für lange Zeit umfing.
Als Ali endlich nach vielen Tagen die Augen wieder aufschlug, fand er sich in seinem alten Zimmer des elterlichen Häuschens wieder. Die Freude der Mutter nach so vielen Stunden der Bangigkeit währte nicht lange, galt es doch nun, dem Sohn erneut Kummer zu bereiten. Weinend berichtete sie ihm, was geschah.
Nur wenige seiner Kameraden konnten dem heimtückischen Angriff entkommen, so vieles aber hatten sie den Räubern als Beute überlassen müssen. Aber ja, wohl retteten sie sein Leben und brachten ihn nach Hause, nun aber war die auf wenige Kamele geschrumpfte Karawane schon lange weitergezogen. Die Mutter schluchzte noch einmal auf, war doch das Schlimmste noch nicht erzählt. Schon bevor sie wiederum zu sprechen anhub, griff eine eiskalte Faust an Alis Herz. Was war mit seiner Rose? Warum war sie nicht hier?
Nicht viel Zeit nach dem niederträchtigen Überfall war verstrichen und noch leckten die Verwundeten hier in der kleinen Oase ihre Wunden, da traf schon ein Bote der Verbrecher mit einer Lösegeldforderung für die „Rose von Taisz“ ein. Ach, die armen Eltern besaßen kein Geld und der alte Händler lehnte es strikt ab, nach seinem ungeheuren Verlust auch noch für ein Mädchen zu bezahlen. So also hatte niemand Alis junge Frau ausgelöst.
Was blieb dem armen Ali nun anderes übrig, als sich verbittert und allein aufzumachen, das Räubernest zu finden und auszuräuchern. Hatte der kaum Genesene auch kaum Hoffnung auf eine glückliche Wendung, so hielt ihn doch die Aussicht auf Rache und Wiederherstellung seiner Ehre aufrecht. Im Zuge seiner Suche kam er auch in das Felstal mit dem geheimnisvollen, tief in den Gesteinsmassen verborgenen Brunnen. Bald entdeckte er dort auch viele Spuren, die von menschlicher Anwesenheit zeugten. So war er frühzeitig gewarnt und wartete die Dunkelheit ab, um sich näher zu schleichen.
Dann aber schlug die Stunde seiner Vergeltung. Direkt vor dem Eingang zum Brunnen erkannte Ali in dem zurückgelassenen Wächter leicht das Narbengesicht wieder, welches er zuletzt in einem glücklicheren Leben sah. Ali triumphierte innerlich, als sein Schwert sich in den anderen grub. Beflügelt von seiner begonnenen Rache trat er nun in das Felstor ein. Vor ihm beleuchteten Fackeln eine schmale Stiege in den Fels gehauener Stufen unterschiedlichster Form und Höhe. Auf leisen Sohlen schlich sich Ali in das Unbekannte.
Doch, ach! Was mußte er unten erblicken? Dieser Anblick traf ihn schlimmer als jeder Schwertstreich.
In einer weiten Höhle, neben dem schwarzen Wasserspiegel des Brunnens, da sah er

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Kommentare

Gimliy schrieb am 2008-12-10 11:24:59:
Hi. Das ist ein echt gut gelungenes Märchen. Power, Spannung und wirklich sehr angenehm zu lesen. Das gefällt mir gut. Wird es eine Fortsetzung geben? Das Ende war super überraschend und gut. Schreib weiter so.
lg: Gimliy

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