Die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel
von
Jace
Es liegt schon einige Zeit zurück, dass diese traurige Geschichte sich in
Nimmersdorf im Forst des Pächters, Jakobi mit Namen, zutrug, doch noch heute
sprechen die Leute über die Plage, diese Landplage, die damals das ganze
Land überkam wie einen bösen Fluch. Der Pächter nämlich hatte zwei Kinder,
Hänsel und Gretel. Diese beiden waren böse Gestalten, belogen Eltern und
Lehrer, stellten sich krank, schwänzten ihre Schule und lungerten
stattdessen im Wald herum. Oft nahm auch der Vater die Kinder mit in den
tiefen Wald, um sie ein wenig an Arbeit zu gewöhnen. Er achtete auch darauf,
in Gegenden zu gehen, die den Kindern unbekannt waren, so dass sie nicht vor
ihren Aufgaben fliehen konnten. Doch schon bevor der von Gicht geplagte alte
Mann Beil und Axt kreisen ließ, waren die beiden schon auf Bäumen, in Höhlen
oder robbend im hohen Gras verschwunden. Des Abends, wenn es schon lange
dunkel war und die Eltern, müde von des Tages Werk aber auch voll Sorge um
ihre Kinder in den Betten lagen, kamen sie heim. Sie folgten den Kieseln,
die Hänsel auf dem Weg in den Wald am Morgen streute und deren Spur die
Kinder im Mondlicht bequem folgen konnten. Die Eltern wussten nichts von
dieser List, und so stimmten denn auch die Kinder regelmäßig ein furchtbares
Lamento an, ihr Vater habe sie vernichten wollen usw. Der liebe Mann glaubte
zu lange an das Gute in seinen Kindern und ahnte nicht einmal das wirkliche
Ausmaß an Schlechtigkeit, die von seiner Brut Besitz genommen hatte. Ein
Wunder, dass sie sich nicht irgendwann gegenseitig etwas angetan haben. Doch
während sie sich untereinander recht wohl gesonnen waren, kamen sie mit
allem was sonst noch lebte einfach nicht so besonders gut klar.
Hänsel hatte es sich zur Gewohnheit werden lassen die Kiesel zu
scharfkantigen Steinen zu feilen, mit denen er im Wald um die Wette mit
seiner etwas älteren Schwester Tauben bewarf. Die Katze des Nachbarn
baumelte eines Morgens an einem Strick am Dachfirst, wobei es den Kindern
gelang den Verdacht heimtückisch auf des Nachbars Sohn zu lenken.
Das Schicksal hat es so gewollt, dass auch eine arme alte Frau, die seit dem
Tod ihrer Kinder, die allesamt beim Holz fällen erschlagen worden waren,
zurückgezogen in einem abgelegenen Teil des Waldes lebte, vor einem Besuch
von Hänsel und Gretel nicht verschont bleiben sollte...
Der Vater nahm die beiden wieder mit in den Wald. Hänsel und Gretel streuten
dieses Mal aber statt Kieseln Brotkrumen auf den Weg. Und als es Abend wurde
rief der Vater nach seinen Kindern, die wieder einmal im Wald untergetaucht
waren. Da keine Antwort kam machte er sich auf den Weg nach Hause. Er wusste
ja, dass sie irgendwie wieder nach hause kommen würden, so wie schon so
viele Mal zuvor.
Hänsel und Gretel hörten die Rufe ihres Vaters, ignorierten sie aber wie
immer. Als die Nacht hereinbrach und der Mond zwischen Wolken auftauchte,
wollten sie sich auf den Weg nach Hause machen, doch sie konnten die
Brotkrumen nicht mehr finden. Was sie nicht wissen konnten was, dass die
Tauben, die sie immer wieder mit den scharfen Kieselsteinen traktiert
hatten, die Brotkrumen aufgefressen hatten.
Hänsel und Gretel irrten nun schon stundenlang hilflos durch den Wald, die
Kälte kroch an ihnen hoch und sie wurden langsam müde. Nur wenige Stunden
und die Sonne würde schon wieder aufgehen. Schließlich aber entdeckten sie
ein kleines Häuschen im Wald und sahen aus dessen Fenster ein schwaches
Licht scheinen. Darauf gingen sie zu.
Das Haus war leicht verfallen, aber man konnte immer noch bunte Verzierungen
an den Wänden ausmachen. Hänsel und Gretel lugten durch das Fenster und
sahen eine alte Frau mit schneeweißen Haaren in einem Schaukelstuhl in der
Ecke sitzen und stricken. Sie wussten, dass diese Eugenia Waldmann war. man
redete im Dorf über sie und es hieß, dass sie nicht mehr ganz klar bei
Verstand war, seit sie all ihre Söhne verloren hatte.
Hänsel und Gretel dachten bei sich, dass sie hier den tag abwarten konnten
und nebenbei noch einiges mitgehen lassen konnten. Sie klopften an die Tür
und warteten einen Moment bis die Alte ihnen öffnete. Die beiden Kinder
setzten eine Unschuldsmiene auf und Gretel schluchzte: „Wir haben uns
im Wald verirrt, bitte, helfen Sie uns!“
Eugenia machte ein mitleidsvolles Gesicht und sagte: „Ihr armen
Kinder, wie konnte das nur passieren, kommt, setzt euch an mein Feuer und
wärmt euch auf. Ich mache euch eine warme Hühnerbrühe. Kommt nur
herein.“
Doch als die beiden ihre Türschwelle überschritten, lief Eugenia eine
Gänsehaut über den Rücken. Sie spürte eine geheimnisvolle Macht in diesen
beiden Kindern. Und es war keine gute Macht.
Eugenia bekam es mit der Angst zu tun. Eine böse Aura umgab diese beiden
Kinder. Seit ihre Söhne gestorben waren, hatte sie immer wieder versucht
Kontakt zu ihnen im Jenseits herzustellen, ohne Erfolg. Sie hatte sich
seitdem intensiv mit der weißen Magie beschäftigt. Durch die Rituale, die
sie durchführte, hatte sie ein Gespür für Gut und Böse entwickelt. Sie war
sich sicher, dass die beiden von bösen Geistern besessen waren.
Sie musste die Kinder beschäftigen, bevor sie auf dumme Gedanken kommen
würden. „Seht euch doch ein wenig um, Kinder. Ich mache euch nur
schnell etwas zu essen.“
Hänsel und Gretel durchstreifen die Räumlichkeiten der Hütte und steckten
ein, was ihnen wertvoll vorkam, während Eugenia rasch in einem buch, das sie
vor Jahren in einem kleinen laden erstanden hatte, nach einem Ritual suchte
um das Böse in den Kindern zu bannen. Schließlich fand sie einen, der die
passende Wirkung haben könnte. Zusätzlich zu dem Spruch musste sie aber noch
eine Tinktur herstellen. Ihr fiel aber sofort auf, dass sie nicht alle
Zutaten im Haus hatte.
Sie durfte die beiden nicht wissen lassen, dass sie etwas ahnte, sonst
würden sie ihr sicher etwas antun. Schließlich fand sie in einem anderen
Buch einen Bannspruch, mit dem sie die Kinder solange festhalten konnte bis
sie alle nötigen Zutaten zusammengesucht hatte. Sie wollte sie im hintersten
Kämmerlein einsperren um sie davon abzuhalten noch mehr Böses zu tun.
Alles was sie für den Bannspruch brauchte war ein Pulver, ein Gemisch aus
verschiedenen Kräutern, das sie glücklicherweise im Haus hatte. Sie beeilte
sich es zu holen und präparierte den Raum entsprechend der Anweisungen in
ihrem Buch. Sie streute das Pulver an den Wänden entlang, nur die
Türschwelle sparte sie aus. Sobald die beiden erst einmal hier drin wären,
würden sie die Barriere, die das Pulver bildete, nicht überschreiten können.
Eugenia lockte die beiden Kinder, nachdem sie sie gefunden hatte, in die
Kammer unter dem Vorwand, das sie etwas zu Essen für sie vorbereitet hätte.
Sie ließ die beiden vor sich hineintreten, dann streute sie das restliche
Pulver auf die Türschwelle um die Barriere zu schließen. Die Kinder spürten
die Veränderung und versuchten aus dem Raum zu entkommen, doch es gelang
ihnen nicht.
„Verflucht seiest du Alte. Du hast ja kein Vorstellung mit was für
Mächten du dich anlegst. Eines schrecklichen Todes wirst du sterben, wenn du
uns nicht gehen lässt. Aber vielleicht lassen wir uns besänftigen und
verschonen dich, vorausgesetzt du machst den Zauber sofort
rückgängig“, rief Hänsel und seine Augen begannen gelb zu leuchten.
Eugenia wich zurück. „Ich werde euch helfen, ich werde das Böse in
euch auslöschen.“ Mit ängstlichem Gesicht schloss sie die Tür und
eilte in den Wald um sich die Zutaten für die Tinktur zu besorgen, die sie
nicht im Haus hatte, um den Kinder das Böse ein für allemal auszutreiben.
Hänsel und Gretel kochten vor Wut. Sie hatten schon vermutet, dass die Alte
nicht ganz koscher war. Auf ihrem Streifzug durch das haus hatten sie viele
Utensilien entdeckt, die in einem normalen Haushalt eigentlich nichts zu
suchen hatten. Aber dass sie Ahnung von Magie hatte, damit hatten sie nicht
gerechnet. Sie hätten auch nie gedacht, dass die Alte ihr wahres Gesicht
erkennen würde. Sie mussten sich schnell etwas einfallen lassen um die
Barriere zu durchbrechen. Sie erinnerten sich an eine Beschwörung mit der es
ihnen vielleicht gelingen würde hier herauszukommen.
Sie setzten sich gegenüber auf den Boden, fassten sich bei den Händen und
stimmen die Beschwörungsformel an, die in fremdartigen Worten über ihre
Lippen kam. Die Luft um sie begann zu knistern und zu flimmern. Der Boden
vibrierte und die Regale an den Wänden fingen bedrohlich an zu schwanken.
Das magische Pulver auf dem Boden begann zu glühen, dann fing es Feuer und
verglühte in der Luft. Hänsel und Gretel hörten mit ihrer Beschwörung auf
und ein bösartiges Grinsen erschien auf ihren Gesichtern. Beide wussten, was
nun zu tun war. Die Alte wusste Bescheid, laufen lassen konnten sie sie
nicht. Sie stellte eine Bedrohung für sie dar, zwar keine besonders
bedeutungsvolle, aber dennoch eine Bedrohung.
Der Morgen graute schon langsam, und Eugenia hatte noch immer nicht alle
Zutaten im Wald gefunden, der über eine reichhaltige Ansammlung von Kräutern
verfügte. Sie musste sich beeilen. Eugenia wusste nicht wie mächtig das Böse
in den Kindern war. Sie hatte große Angst, aber sie musste ihnen helfen.
Die Kinder hatten noch ihr ganzes Leben vor sich.
Und sie musste das Übel in ihnen ausmerzen.
Hänsel und Gretel liefen in der frühen Morgendämmerung los, sie hatten nun
keine Probleme mehr sich zu orientieren. Sie hatten schon vor einigen Jahren
von ihrem Vater erfahren, wo das Haus von Eugenia Waldmann stand. Nun war es
kein Problem mehr, den Weg Heim zu finden.
Die beiden hatten einen furchtbaren Plan gefasst um der Alten ihre
Unverschämtheit heimzuzahlen. Sie einfach zu beiseitigen hätte nicht
genügend Stil. Sie hatten etwas viel Besseres mit ihr vor. Sie mussten ein
Denkmal setzen. Eine Warnung für alle, die sie dem Bösen in den Weg stellen
wollten.
Die beiden mussten ordentlich auf die Tränendrüse drücken, damit ihr Plan
funktionieren sollte. Wer konnte schon weinenden Kindern etwas abschlagen.
Aber zu Sicherheit wollten sie noch eine Verletzung simulieren, die Eugenia
ihnen zugefügt haben sollte. Hänsel zückte sein Taschenmesser und schnitt
Gretel in den Rücken. Nicht tief genug um sie ernsthaft zu verletzen, aber
doch genug damit es richtig übel aussah.
Hänsel und Gretel liefen also weinend nach Hause und warfen sich ihrem Vater
in die Arme, der voller Sorge schon früh aufgestanden war. Er drückte sie an
sich, überglücklich sie wiederzusehen.
Gretel heulte furchtbar, so dass es ihrem Vater wohl das Herz zerreißen
musste. Hänsel versuchte auch eine möglichst realistische Vorstellung
abzuliefern. Geschüttelt von Weinkrämpfen erzählte er seinem Vater was
passiert war.
„Es tut uns so leid, dass wir nicht auf dich gehört haben als du uns
gerufen hast. Ich schöre dir so etwas wird nie wieder vorkommen. Wir sind
die ganze Nacht durch den Wald geirrt. Dann kamen wir zu Hütte der alten
Eugenia Waldmann. Sie ließ uns herein. Aber sie ist vollkommen wahnsinnig.
Sie wollte uns umbringen. Sie wollte uns einem Dämon opfern, den sie
anbetet. Sie ist vom Bösen besessen und praktiziert schwarze Magie. Wir
konnten ihr mit knapper Not entkommen. Sie hat Gretel furchtbar verletzt.
Sie wird uns alle auslöschen, sobald sie mächtig genug ist. Bitte, du musst
sie aufhalten bevor sie uns alle umbringt. Sie weiß, dass wir allen davon
erzählen würden und wird bestimmt herkommen, um ihr teuflisches Werk zu Ende
zu bringen.“
Ihr Vater lauschte mit entsetztem Gesicht den Worten seines Sohnes. Er hatte
Recht, es musste etwas unternommen werden, der Hexe musste Einhalt geboten
werden. Er musste unbedingt die Dorfbewohner mobilisieren. Sie konnten das
Böse in ihrer Mitte nicht dulden. „Mach dir keine Sorgen, mein Kind.
Geh mit deiner Schwester zu eurer Mutter, sie soll Gretel versorgen, ich
verspreche euch, Eugenia Waldmann wird niemandem mehr ein Leid
zufügen!“
Er ging hinaus um allen von den Geschehnissen zu berichten.
Hänsel und Gretel sahen sich an und in ihren Augen war ein
entsetzenderregender Ausdruck von Bösartigkeit und Mordlust zu sehen.
Eugenia würde bezahlen. Niemand legte sich ungestraft mit ihnen an.
Die Hexe musste brennen.
Während Hänsel und Gretel ihrem Vater nachsahen, schloss sich Gretels Wunde
auf wundersame Weise wieder.
Eugenia hatte inzwischen alle Zutaten zusammengesucht und machte sich auf
den Weg zurück zu ihrer Hütte. Sie hatte Angst, sie war sich nicht sicher ob
sie fähig war einen so komplizierten Zauber auszuführen. Wenn sie es schon
nicht schaffte, ihre Söhne im Jenseits zu erreichen, wie sollte sie einen
bösen Geist aus diesen Kindern vertreiben. Aber sie durfte nicht zweifeln,
sie musste auf ihre Kräfte und die Vorsehung vertrauen. Gewannen die Guten
nicht immer?
Kurz darauf gelangte sie zu ihrer Hütte und machte sich sofort daran einen
Kessel mit Wasser aufzusetzen um die Tinktur herzustellen. Sie musste das
Feuer im Ofen neu schüren, da es fast schon ausgegangen war.
Sie war zu lange fort gewesen.
Hänsel und Gretel aber gingen in ihr Zimmer und machten sich daran einen
Bannspruch über das Dorf und seine Bewohner zu verhängen. Sie würden alles
tun, was sie von ihnen verlangten. Und die Menschen waren so leicht zu
kontrollieren.
Da es noch eine Weile dauern würde bis das Wasser kochte, würde sie noch
einmal die Anleitung in ihrem Buch überprüfen. Sie würde nur eine Chance
bekommen, wenn es soweit war. Sie glaubte keine Sekunde, dass die Kinder
Gnade walten lassen würden, wenn sie versagte.
Sie ging die Zutatenliste und die Beschwörungsformel noch einmal durch, aber
nein, sie hatte nichts vergessen.
Eugenia machte sich daran, die Kräuter und restlichen Zutaten in den Topf zu
geben, als sie ein unangenehmes Gefühl beschlich. Sie wollte nachsehen ob
der Zauber, der die Kinder in Schach hielt, immer noch seine volle Wirkung
hatte. Eine Fehlfunktion der Barriere würde für sie wahrscheinlich
furchtbare Folgen haben.
Sie eilte zu der Kammer und öffnete vorsichtig und ängstlich die Tür.
Eugenia lugte durch den Spalt in den Raum. Ihr Gesicht wurde aschfahl und
ihre Augen weiteten sich. Das Zimmer war leer. Der Bannspruch war mit dem
Pulver verflogen und von den Kindern fehlte jede Spur. In Panik drehte sie
sich um und erwartete fast die beiden vor sich stehen zu sehen. Aber der
kleine Flur war leer.
Dann hörte sie sie. Zuerst leise und noch weit entfernt. Aber dann schon
sehr viel lauter. Wütende Rufe und Schreie, die immer deutlicher wurden je
näher sie kamen.
Eugenia rannte so schnell sie auf ihre alten Tage noch konnte zurück in die
Küche und spähte aus dem Fenster. Vor ihrem haus erblickte sie dann die
tobende Meute. Dutzende von Dorfbewohnern hatten sich dort versammelt und es
wurden immer mehr. Sie waren mit Fackeln und Mistgabeln bewaffnet. Einige
hatten Keulen dabei, die mit spitzen Nägeln bespickt waren. In den Augen der
Menschen spiegelte sich pure Mordlust wieder.
Sie hatte nicht mehr viel Kontakt zu den Bewohnen von Nimmersdorf seit ihre
Söhne gestorben waren, doch sie identifizierte den Anführer der Meute als
den Pächter Jakobi, den Vater von Hänsel und Gretel. Sie hatten sich früher
einmal nahe gestanden. Doch jetzt war ein fanatischer Blick in seinen Augen,
der nicht mehr mit dem liebevollen und treusorgenden Menschen zu tun hatte
als den sie ihn kannte.
Sie hörte die Rufe: „Verbrennt die Hexe!“ „In der Hölle
soll sie schmoren!“ „Auf den Scheiterhaufen mit ihr!“
Ihr wurde fast schlagartig klar was sich abspielte. Die Kinder hatten das
Dorf aufgewiegelt. Sie hatten sich irgendeine furchtbare Geschichte
ausgedacht. Und jetzt würde die Meute sie lynchen.
Sie würde niemandem mehr von ihren Erkenntnissen berichten können. Selbst
wenn der wütende Mob ihr zuhören würde, sie würden ihren Beteuerungen nicht
glauben, dass die Kinder vom Bösen besessen seien.
Dann schleuderte einer der Männer seine Fackel auf das Strohdach der Hütte,
das sofort Feuer fing. Der Brand breitete sich in Windeseile aus und schon
krochen die ersten Rauchschwaden an der Decke entlang.
Eugenias Hütte hatte noch eine Hintertür. Sie schüttete in Windeseile die
Tinktur, die inzwischen fertig war, um in eine kleine Ampulle und verließ
ihr haus auf diesem Weg. Doch sie kam keine zehn Meter weit, da hatten sie
sie schon entdeckt. Zwei der Dorfbewohner rannten auf sie zu und stießen
Eugenia zu Boden.
Jakobi schrie: „Schaffen wir sie ins Dorf, wo sie auf dem
Scheiterhaufen brennen soll!“
Eugenia war inzwischen zu schwach um sich zu wehren. Die Männer, die sie zu
Boden gestoßen hatten, zerrten sie hinter sich her. Ein anderer verpasste
ihr einen Schlag auf den Kopf, der ihr die Sinne raubte.
Als Eugenia langsam wieder erwachte, spürte sie Fesseln, die in ihr Fleisch
schnitten. Sie stand aufrecht auf dem Dorfplatz, angebunden an einen
Holzpfahl, der in die Erde getrieben worden war. Um sie herum waren
Reisigbündel und Holzscheite, vermischt mit Stroh, aufgeschichtet worden.
Die Dorfbewohner hatten sich vor dem Scheiterhaufen versammelt, Jakobi mit
seiner Frau und seinen beiden Kindern, denen er die Hände auf die Schultern
gelegt hatte, stand an erster Stelle.
Eugenia richtete sich mit flehenden Worten an die Menschenmenge: „Seht
ihr denn nicht das Böse? Ich wollte euch doch nur helfen. Diese Kinder
tragen das Schlechte in die Welt. Spürt ihr es denn nicht?“
„Das einzig Böse hier bist du. Nie wieder wirst du unsere Kinder
verletzen“, ertönte Jakobis Stimme.
Eugenia wurde klar, dass sie hier mit Vernunft nichts mehr erreichen konnte.
„Ich werden euch alle in Frösche verwandeln, wenn ihr mich nicht gehen
lasst. Hört ihr mich? Ich bin eine sehr mächtige Hexe.“ Sie glaubte,
dass jeder die Angst in ihrer Stimme hören musste. Doch zu ihrer
Überraschung ging ein furchtsames Raunen durch die Menge. Vereinzelt schien
sie Stimmen zu hören, die sagten, dass das was sie taten falsch wäre.
Doch als Gretels weinerliches Stimmchen ertönte, wurde es schlagartig still.
„Aber ihr habt es versprochen. Die böse Frau hat mir weh getan Vater.
Du musst sie bestrafen!“
Tödliche Entschlossenheit machte sich auf Jakobis Gesicht breit. Er nahm die
Fackel und warf sie auf eines der Strohbündel, das augenblicklich Feuer fing
und alles um sich herum in Brand steckte.
Die Menschen sahen fasziniert zu, wie das Feuer flackerte und sich durch das
Holz fraß. Und die Flammen spiegelten sich in ihren dogmatischen Augen
wieder.
Eugenia versuchte verzweifelt die Fesseln zu lösen, doch sie schnitten nur
noch tiefer in ihr runzliges Fleisch. Sie spürte die näher kommende Hitze
und fühlte ihr Ende kommen. Sie wusste, dass sie nun nichts mehr tun konnte.
Sie drang nicht zu den Menschen durch. Eugenia betete nur noch, dass ihr Tod
schnell kommen möge.
Gnädigerweise verlor sie das Bewusstsein, bevor die Flammen sie erreichten
und ihrem Leben auf entsetzliche Weise ein Ende bereiteten.
Viele der Dorfbewohner gingen fort, weil sie den Gestank des brennenden
Fleisches nicht ertragen konnten. Und andere folgten ihnen. Bis nur noch
Jakobi mit seiner Familie dastand und schließlich auch er sich zum gehen
wandte. „Kommt Kinder, gehen wir Heim.“
Hänsel aber erwiderte: „Geh nur schon mit Mutter vor, wir kommen
gleich nach.“ Jakobi zögerte kurz, ging dann aber doch.
Hänsel und Gretel nahmen sich bei den Händen und gingen näher an das Feuer
heran. Sie sahen den verschmorten Leichnam der alten hexe. Ihre Schürze
kohlte langsam vor sich hin. Und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen
genossen sie ihren Sieg.
Die kleine Ampulle mit der Tinktur aber, die Eugenia in ihre Schürze
verborgen gehalten hatte, wurde durch das Feuer so weit erhitzt, dass sie
schließlich förmlich explodierte. Die Tropfen, die nicht gleich durch die
Hitze verdunsteten, trafen die beiden Kinder. Sie schrieen vor Schmerzen
auf. Und wo die Tropfen ihre Haut berührten, bildeten sich schauderliche
Blasen und für einen kurzen Augenblick konnte man ihr wahres Antlitz
erkennen.
Durch den Schmerz verloren sie die Kontrolle über ihre äußere Erscheinung.
Ihre blau-grün geschuppte Haut glitzerte im Schein des Feuers. Und ihre
Augen hatten dieselbe Farbe wie die Flammen, die Eugenias Körper verzehrten.
Doch schon Sekunden später waren die Kinder wieder Kinder. Und hätte ihr
Vater sie so gesehen, wäre ihm vielleicht bewusst geworden, was für ein Brut
er in seinem haus beherbergte. Doch das Schicksal wollte es anders.
Hänsel und Gretel hielten sich noch immer bei den Händen. Die Blasen
bildeten sich in sekundenschnelle von selbst zurück. Ihre Haut war wieder so
unversehrt wie vorher und die beiden sprangen fröhlich kichernd davon und
säten weiter Übel und Verderben unter den Menschen.
Die Kunde vom Tod der „bösen Hexe“ aber breitete sich im ganzen
Land aus. Und die aufgehetzten Menschen machten Jagd auf die vermeintlichen
Geschöpfe der Dunkelheit und ließen sie einen qualvollen Tod auf dem
Scheiterhaufen sterben.
Kommentare
A99.Donaubauer@googlemail.com schrieb am 2011-10-20 14:06:26:
die beste hänsel und gretel geschichte!!! (von deutschlererin)
dolap türkishstyle 06 schrieb am 2011-01-15 23:46:33:
ich finde sie gut obwohl sie langweilig ist !!! ;)
TudoDuro schrieb am 2010-11-05 00:11:24:
eigetentlich lese ich ja nicht gerne und viel aber die geschicht habe ich zu ende gelesen obwohl meine freundin , die ich diese geschichter als gutenacht geschichte am telefon vorgelesen habe, bestimmt schon bei der hälfte dieser geschichte eingeschlafen ist. sie war so spannen und interessant das ich nicht mal gefragt habe ob sie schon schläft bis ich sie zuendegelesen habe..........das kann nur eine sehr gute geschichte sein^^ lobenwert!!!!.....hat mich zum nachdenken gebracht.......jaja es ist nicht immer alles gold was glänzt......dann war meine uhr uhr uhr omi vieleicht doch keine böse hexe:D
melisaaaaa schrieb am 2010-10-27 15:11:25:
Hätte ich nicht gedacht die geschiichte is toll (Y) hab arbeit 1 geschrieben :P :D
kukuk schrieb am 2010-06-16 16:33:54:
Tolle Geschichte!
Jule779 schrieb am 2010-06-16 16:33:08:
Ich finde diese Geschichte sehr toll! :b
Sie ist richtig schön!
Leute? Sie ist sehr zu empfehlen zu lesen! :D
michelle schrieb am 2010-06-11 14:42:44:
Das Ist ne Doofe Geschichte!
sera schrieb am 2010-04-11 14:46:06:
Die Gesichte ist toll
nadia imhof schrieb am 2010-03-16 18:31:04:
ALSO ich FINDE die GESCHICHTE toll
gizem_1997_sahin schrieb am 2010-03-16 18:29:31:
also ich winde die geschichte traurig und spannend
filis schrieb am 2010-01-10 13:36:10:
die geschichte ist lang aber lesenswet
Samantha friedrichstr.33 furtwangen schrieb am 2009-12-17 14:27:12:
es war einfach nur super zum lesen
Andrei schrieb am 2009-12-03 09:34:42:
Wer zum gottes willen ist eugene????????????????????/
rene.rohr@gmx.de schrieb am 2009-11-30 18:32:54:
klaaa mach sie doch noch länger ich mach das für die schule und muss das wiedergeben können und überhaupt
liest doch sowieso keiner
isiereiter schrieb am 2009-11-23 21:45:02:
Sehr gut !
Aber es gibt noch ein Büchlein vom Märschenforscher, Hans Traxler " Die Wahrheit über Hänsel und Gretel"
unbedingt lesenswert !!
kubra.demirel @hotmail.de schrieb am 2009-11-03 19:43:50:
ya das geschiche ist taraurig aber es ist schön hamma geil :)
k.köoäuä schrieb am 2009-11-02 13:22:39:
es war gut
alisaidi@hotmail.de schrieb am 2009-08-06 10:16:15:
DAS IST ABER SEHR LAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAANG SUPER ZUM LESEN SCHLECHTER ZUM SCHREIBEN
lena johanna goos schrieb am 2009-05-04 11:46:02:
die Eltern und Leher sollten sich Schämen und man sollte die mal Ergend wo einsperren zum glück haben hänsel und gretel wieder nach hause gefunden
beritan schrieb am 2009-03-22 13:17:36:
diese geschiste ist seht schön ich schreibe sie ab das ich sie in erinerrung habe und mehr kann ich dazu nett sagen schöne geschiste hammer geil
lara schrieb am 2009-03-09 16:19:23:
ich finde die geschichte gut und sie ist sehr schoön
rghtrji78zol schrieb am 2009-03-09 16:14:33:
ich finde die geschicht schön obohl sie so lange ist
jojo@hotmail.de schrieb am 2009-02-04 18:45:09:
boa e ymacht sie doch nochlänger ich machs für die schule und willkein 10 jahre rohman hören
Nilsdefitchi@yahoo.de schrieb am 2008-10-27 11:42:28:
Schon sehr harte gechichte!!
nina@gmx.net schrieb am 2008-08-28 15:30:01:
die geschichte ist garnicht wie in echt. A.ußerdem viel zu lang
mias_voice@yahoo.de schrieb:
zu geil!
vor allem diese rhetorische Mischung aus altdeutsch und neuzeitlicher Umgangssprache hat was
wirklich coole idee, diese story, weiter so
*lächel*
mias_voice
fstngangl@netscape.de schrieb:
Das umgekehrte Märchen von "Mänsel und Gretel" ist spannend geschrieben und hat mich beeindruckt.
Könnte hinter dieser Geschichte die Aussage stehen, dass man dem was Kinder über Erwachsene sagen, nicht blindlinks glauben schenken sollte?
Da stehe ich eher auf der Seite der Bewohnerinnen und Bewohner von Nimmersdorf, die wohl auf dem Standpunkt stehen: "Kindermund tut Wahrheit kund!"
Vielleicht gehört das aber gar nicht hierher... Wie gesagt, das Märchen ist sehr gut gelungen!
marrrrrr@waq.de schrieb:
ich sage es ist nicht in altdeutscher Schrift.
öljhjkg a schrieb:
Is des ein scheiß, des is 1. füz long, des daliest jo koah sau, und 2. suach i eigendlich wos gons ondas
K.Ahamer@gmx.net schrieb:
ICH FIND DIE GESCHICHTE GUT OBWOHL SIE LANG IST
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