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Kategorien > Horror > Unheimliches

Die weiße Prozession

von Peter Kaufhold

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Die alten Leute erzählen den Kindern oft Gruselgeschichten, um ihnen Angst einzujagen oder um ihnen klar zu machen, dass sie sich von bestimmten Orten fern halten sollten. Natürlich sind das nur erfundene Geschichten. Sie haben sie sich nachts im Bett ausgedacht, wenn sie nicht schlafen konnten.
Doch die Geschichte die Anton zu erzählen hat ist wahr. Niemand hat sie ihm geglaubt, doch das ist völlig egal. Er hatte es mit eigenen Augen gesehen.
Hier drinnen konnte er es ihnen nur nicht beweisen. Dies hier war kein Gefängnis, die Ärzte nannten es Heilanstalt. Trotzdem wurde man hier eingesperrt und vor den Fenstern waren Gitter.
Doch irgendwann würde er es schaffen hier raus zu kommen.
Früher oder später er es beweisen, es war nur noch einen Frage der Zeit!

Anton war damals 52 Jahre alt. Doch er sah wesentlich älter aus. Die meisten Leute im Dorf dachten, er wäre über 60. Alls seine Frau vor einigen Jahren gestorben war, nahm ihn das sehr mit. Er war früher schon nicht sehr gesprächig gewesen, war eher ein Einzelgänger gewesen, doch seitdem er allein lebte, hatte er sich immer mehr zurückgezogen. Er wusste dass die Leute im Dorf über ihn redeten, doch das störte ihn nicht. Was gab es schon über einen alten verwitweten Mann wie ihn zu erzählen? Anton ging nicht mehr in die Kneipe oder feierte seinen Geburtstag mit seinen ehemaligen Freunden.
Für ihn war jeder Tag gleich: Morgens ging er zu seinem Arbeitsplatz als Landwirt (dieser Beruf hatte ihm vor dem Tod seiner Frau viel Freude bereitet) und arbeitete dort den ganzen Tag. Wenn er dann am späten Abend wieder nach Hause kam, legte er sich meistens Schlafen und erwachte erst wieder am frühen morgen. Manchmal träumte er, seine Frau würde neben ihm liegen, doch wenn er sie dann in den Arm nehmen wollte, wachte er enttäuscht auf und bemerkte, dass es nur ein Traum gewesen war.
Doch an diesem Tag war alles anders als sonst.
Anton wachte pünktlich um halb sechs auf. Es war der Sommer 1969. Zu dieser Jahreszeit musste er schon um 6 an der Arbeit sein. Das letzte Heu sollte heute noch eingefahren werden. Als er aufachte, war er bereits schlecht gelaunt, weil er wieder einmal von seiner geliebten Fr5au geträumt hatte. Also ging er ins Bad und schaltete das Radio ein. Sofort dröhnte ein Song von Joe Cocker aus den Lautsprechern des alten Geräts. In Amerika war gerade das legendäre Woodstock Festival. Anton konnte man für diesen Musikstil nicht begeistern, deshalb schaltete er das Radio wieder aus. Er machte sich für die Arbeit fertig, aß noch schnell etwas und mache sich auf den gewohnten Weg zu Arbeit.
Wie fast jeden Morgen setzte er sich in den Traktor, fuhr durch das große Tor des Betriebes und fuhr über die geschotterten Feldwege hinaus auf die wiesen, um das Heu einzufahren. Um die Mittagszeit stellte er den lauten, stinkenden Motor ab und setzte sich unter eine alte eiche, um nicht direkt in der Sonne sitzen zu müssen. Er packte sein Brot und eine Wurst aus und begann zu essen.
Als er mit seiner Mittagspause fertig war, sah er plötzlich eine kleine Menschenmenge, die aus dem Nichts u8ngefähr hundert Meter von der eiche, unter der Anton saß, erschienen war.
Zuerst dachte sich Anton, er hätte sich das alles nur eingebildet, doch als er noch einmal hinsah waren die Menschen immer noch da. Jetzt konnte er auch einige Einzelheiten erkennen, da er nicht mehr von der Sonne geblendet wurde.
Anton schätzte, dass es ungefähr 50 Männer und Frauen mittleren Alters waren. Alle trugen weiße Kleidung, die meisten Lange weiße Hemden aus Leinen und die meisten Frauen hatten weiße Tücher auf dem Kopf.
Die Menschen machten eher einen traurigen Eindruck auf Anton. Ihre Gesichter waren von der Arbeit gezeichnet und alle sahen sehr erschöpft aus.
Am Ende der Schlange lief ungefähr ein Dutzend Kinder. Auch sie spielten nicht, oder lachten oder liefen den Schmetterlingen hinterher. Sie machten genauso einen gedrückten Eindruck wie die anderen Menschen.
Als sich Antons Augen an die Entfernung gewöhnt hatten, erkannte er, dass an der Spitze der Schlange ein ungefähr vierzehnjähriger Junge mit einem alten Holzkreuz voranging. Es musste also eine Prozession sein. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für diese Gegend, doch irgendwas kam ihm seltsam vor. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, war die Menschenmenge schon hinter einem kleinen Hügel verschwunden.
Anton wollte der Sache auf den Grund gehen und beschloss deshalb, der Prozession mit dem Traktor hinterher zu fahren. Doch als er auf dem Hügel stand, konnte er weit und breit niemanden sehen. Sie konnte doch noch nicht weg sein, dazu waren sie viel zu langsam gelaufen. An der Stelle, wo sie verschwunden war, standen nur noch ein paar Obstbäume, die letzten Überreste eines Dorfes, das hier einmal stand. Als Anton noch ein Kind war, hatte ihm sein Vater oft von diesen Dorf erzählt, welches vor über hundert Jahren im Krieg vollständig nieder gebrannt worden war. Viele Leute wussten nicht einmal mehr, dass hier einmal Menschen gelebt haben.
Anton hatte das Gefühl, dass diese Dorf das Ziel der vermeintlichen Prozession gewesen sein musste, doch er wusste, dass es Quatsch war. Trotzdem wollte er herausfinden, was es mit der Prozession auf sich hatte und so beschloss er, in die Kirche zu fahren um den Pfarrer nach einer Prozession zu fragen.
Seit der Beerdigung seiner Frau war Anton nicht mehr in der Kirche gewesen. Damals hatte er sich abgewendet, weil er nicht verstehen konnte, warum ihm Gott seine geliebte Frau genommen hatte.
Als er die Kirche betrat, kam sie Anton sehr ungewohnt vor. Obwohl draußen die Sonne schien war es in dem alten Gebäude dunkel, da nur sehr wenig licht durch die kleinen, dunklen Fenster geworfen wurde. Der Pfarrer saß im Beichtstuhl, und so kniete Anton in der Beichtkabine nieder.
„Sag mir deine Sünden, und der Herr wird dir vergeben.“ sagte der alte Pfarrer.
„Ich bin nicht gekommen, um um Vergebung zu bitten, Vater. Ich habe nur eine Frage.“
„Ich hoffe, ich kann dir weiter helfen.“
„Vater, ich habe vorhin eine Prozession in der Nähe des alten Dorfs gesehen. Wisst ihr, ob heute eine Prozession stattgefunden hat?“ sagte Anton.
„Nein. Es ist August, und die meisten Prozessionen finden normalerweise im Mai oder Juni statt. Wenn es heute einen gegeben hätte, wäre ich sicher informiert worden.“
„Aber ich habe sie doch mit eigenen Augen gesehen.“
„Vielleicht war es ein Zeichen Gottes, um dich wieder auf den rechten Weg zu bringen.“
„Danke Vater.“ sagte Anton und verlies enttäuscht die Kirche.
Er wünschte sich, nie dort gewesen zu sein. Der Pfarrer hatte ihm mit seinem Gerede über Gottes Zeichen nicht weitergeholfen. Aber wenn es keine Prozession war, was hatte er dann gesehen?
Während er in seinen Gedanken vertieft durch das Dorf ging, kam er am Haus seiner Schwester vorbei. Anton hatte seit Jahren nicht mehr mit ihr geredet. Nachdem seine Frau gestorben war, hatte er sich vollkommen isoliert. Doch jetzt musste er unbedingt mit jemandem

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Kommentare

Feenstaub schrieb am 2008-08-08 11:56:32:
Das ist eine schöne Geschichte,aber ich verstehe sie nicht so richtig.Wie ist er denn in die Irrenanstalt gekommen?
er hatte sich doch nur kurz hingelegt und wieso ist seine Schwester und der Pfarrer so gemein und haben ihn
verpetz?

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