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Kategorien > Humor > Erfahrungen

Disco und Horror! oder Willi auf Klassenfahrt

von Willi 1163

Wir (...das sind 48 Kids, zwei Lehrerinnen, ein Lehrer und ich - als freiwilliger Papa) sitzen zusammen in "unserem" Musiksaal. So heißt der Raum, in dem wir auf der Freusburg essen, spielen und Bunte Abende machen.
Heute ist Disco angesagt. Das ist schrecklich:
1. Es wird laut
2. Es wird gefährlich
3. Ich muss eventuell tanzen, oder wenigstens so tun als ob.
Den ganzen Saal habe ich schon alleine gefegt. Darf ich nicht jetzt schon ins Bett??? Ich könnte dort der Sektflasche weh tun, die ich gestern Abend schon vorzeitig als Dank bekommen habe.
Frau Müller hat eine guuute Idee: Je ein Mädchen und ein Junge suchen sich einen Partner und immer wenn die Musik aufhört... und so weiter. Ihr wisst schon!
Ich muss hier weg! Irgendeins dieser Gören wird sicher auf die Idee kommen und mich zum Tanzen auffordern. Ich habe Damenwahl schon immer gehasst! Ich muss mir schnell etwas einfallen lassen!
Ich steh auf und mach Fotos. Das ist gut. Keiner wird auf die Idee kommen und mit mir tanzen wollen, wenn ich knipse.
Inzwischen ist jeder auf der Tanzfläche und das Chaos ist perfekt. Den Notausgang habe ich schon im Blick. Die Männer sind außer Rand und Band. Gleich wird sicher Blut fließen. Der Boden ist ja auch so toll rutschig. Man kann wunderbar in die tanzenden Weiber reindüsen.
Mein Film ist fast voll.
Man verlangt nach einer Taschenlampe, zwecks Nachahmung von Discoblitzen. "ICH!!! - Ich hol eine. Bitte! Bitte lasst mich gehen! Ich bring auch gleich zwei!" Schnell raus hier!
Ich geh gemütlich rauf in unser Zimmer und suche nach den Dingern, aber alles trödeln hilft nichts! Ich muss wieder zurück! Man wartet ja auf mich.
Ich komme wieder in unseren Saal - und .... Kein Problem! Jetzt hab ich ja einen Job: Ich muss leuchten! Gefahr gebannt.
Nach ein paar Minuten Anastasia, Shakira und irgend welchen Boygroups hat Frau Müller eine wirklich gute Idee: "Wer will mit mir zu einer Nachtwanderung um die Burg?" ICH!! Ich natürlich! Bitte Frau Müller nehmen sie mich mit! Der Schneider kann hier bei Frau Wolbeck und dem Rest bleiben! ...und tanzen!
"Alle Kinder, die mit zum Wandern wollen, treffen sich um viertel nach acht unten im Burghof !" Ich bin dabei! Yeah!
Die Nachtwanderer sind aber erst mal oben in unserem Flur. Alle sollen feste Schuhe anziehen und Taschenlampen mitholen. Als Frau Müller an mir vorbei geht, zischt sie etwas von "Krach machen" und "erschrecken".
Aha, habe verstanden. Ich soll das Monster spielen. Aber wo soll ich so schnell die passenden Utensilien finden? Ich erblicke die blecherne Dreckschaufel an der Wand. Die würde gut scheppern. Bei näherem Betrachten sehe ich, dass es wirklich eine Dreck-schaufel ist. Lassen wir das! Werde mich auf UAHH beschränken müssen.
Da! Ein Betttuch! Ein Betttuch in der rollenden Gitterbox! Es war übrig! Jemand hatte "gekochte Bettwäsche" bestellt und dann doch nicht gebraucht!
Ich frage mich, wieso eigentlich keins von den Kindern entdeckt hat, dass diese Box Räder hat. Damit hätte man auf dem Flur doch sicher lustige Sachen machen können. Ich jedenfalls hab's gleich am ersten Tag gesehen und schon mit "johlenden Kids in Gitterbox" gerechnet. Und natürlich mit entsprechendem Lehrergeschrei!
Sicher besser so.
Zurück zum Betttuch! Also Löcher darf man bestimmt nicht reinschneiden. Ich hab ja auch weder Zeit noch Schere. Ich stopfe alles in eine Tüte: Tuch, Taschenlampen. Eine für mich und eine für Tim, meinen Sohn. Und mein Handy (es sagt: "unbeantworteter Anruf"! Ach ja, - meine Frau. Hab das Klingeln ja nicht hören können in der Disco)
Ich habe Verspätung. Alle sind schon unten im Burghof. Ich renne die Treppen runter. Unterwegs fällt mir der zweite Ausgang ein. Den kennt kaum jemand. Wenn ich dort rausgehen würde, käme ich genau zu dem stockdunklen Torbogen, an dem die Wanderschar vorbei müsste. Aber das habe ich mit Frau Müller nicht absprechen können. Hoffentlich warten sie nicht auf mich. Es wäre doch so eine tolle Gelegenheit.
Nun bin ich an dem Torbogen. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Ich höre die Kinder durcheinander schnattern und Frau Müller sagt:" Die Taschenlampen lassen wir erst mal aus." Aha, sie hat wohl etwas geahnt. Hoffe ich - und warte in Lauerstellung. Nichts passiert! Außer, - ...nach mir hat nun noch jemand den zweiten Ausgang benutzt. Er trabt an mir vorbei und schaut mich etwas blöde an. Was er wohl denkt?
Aus dem Gemurmel im Hof höre ich immer wieder "Ohlig" heraus. Verdammt! Sie vermissen mich also! Es nützt nichts. Ich muss mich zeigen. Mit einem lauten UAHH (siehe oben) stürme ich um die Ecke durch den Torbogen auf die Kinder zu. Ich komme mir zwar leicht geistesgestört vor, aber vielleicht sind wenigstens ein paar Mädchen dabei, die sich netterweise erschrecken lassen!
Eher nicht!
Frau Müller schaut mich etwas mitleidig an und sagt: "Ich habe den Tim gerade hoch geschickt. Er soll sie suchen."
Ich renne wieder rauf. Im vierten (!) Stock treffe ich meinen Sohn. Beim Runtergehen erkläre ich ihm hastig in sehr kurzen Worten er soll der Lehrerin zuraunen, dass der Papa eine Abkürzung nimmt! Also nicht warten!!
Ich steh wieder auf dem Platz von eben. Vor dem Burgtor. Jetzt, wo eigentlich alles geklärt sein müsste, wäre die richtige Gelegenheit für meinen Auftritt als Geist.
Ich verstecke mich also unter dem Betttuch. Das geht nur etwas mühsam, schließlich habe ich immer noch zwei Taschenlampen, eine Tüte, ein Handy und meine Jacke, die unbedingt gemeinsam mit dem Betttuch auf meinen Kopf will. Endlich bin ich soweit. Bereit zum Sprung.
Ob Tim in der Eile überhaupt alles verstanden hat? Fast ohne zu atmen warte ich auf den richtigen Augenblick (für UAHH und so) und lausche.
Mein Handy klingelt! Ich wühle mich unter dem Tuch hervor und habe es jetzt als Kopftuch um. Komme mir vor wie die Jungfrau Maria. Jetzt müsste der Kerl von eben noch mal hier vorbei kommen!
Ich drücke auf OK und sage: "Hallo Maus, gerade ungünstig, melde mich nachher noch mal."
Die Maus sagt: "Hier ist Schneider. Ist ihr Sohn bei ihnen? Er war gerade hier oben bei uns. Er sucht sie nämlich!" Ich sage: "Ja Ja, alles in Ordnung. Hat mich gefunden." und lege schnell wieder auf. Bin gespannt ob Herr Schneider mir das Abwürgen übel nimmt.
Ich lausche wieder. Es tut sich nichts. Sie warten eindeutig immer noch auf mich. Damit sie sich endlich bewegen, werde ich mich zeigen müssen.
Ich flitze als Geist um die Ecke in Richtung Hof, lass mein Betttuch flattern und winke kurz. Ab geht's wieder. Frau Müller hat verstanden. Alle kommen hinter mir her.
Ich..., damit ich etwas sehen kann, wieder als Maria, ...komme mir ziemlich dämlich vor, zumal ich nirgendwo ein dunkles Versteck finden kann um die Kids zu erschrecken.
Wunderbar! Da ist eine dunkle Treppe. Die Gruppe ist mir zwar schon dicht auf den Fersen. Aber anscheinend hat mich keiner in dieses Versteck schlüpfen sehn.
Doch!
Es macht klick!
Ein Bewegungsmelder hat mich gesehen. Die Treppe und ich (in meinem weißen Umhang) erstrahlen in gleißendem Licht. Nix wie weg!
Schräg gegenüber ist ein Auto. Da kann ich mich verstecken. Puh! Hat gerade noch so geklappt. Etwas rutschig hier. Fast wäre ich noch rücklings auf der gekochten Bettwäsche gelandet.
Nun kommen die Kinder näher. Nah genug für UAHH und so. Das mache ich dann auch. Ein paar Mädchen schreien höflicherweise auf. Die Jungs sagen: "boah, wie langweilig" und "Mich haste aba nich erschreckt." Na wartet! Rache ist süß! Ich werde euch nachher eine Gruselgeschichte erzählen, egal ob ihr nun heute Nacht schlafen könnt oder nicht!
Die Bande geht weiter zu einem abgelegenen Platz neben der Burg. Dort ist es ganz finster. Ich, nun ohne Aufgabe, trotte hinterher.
Mir fällt ein, dass ich ja noch mit meiner Frau telefonieren wollte. Wenn ich nun zuhause einmal klingeln lasse, dann weiß sie, dass ich jetzt Zeit habe und ruft zurück. Ist billiger!
Gerade klingelt es zu hause, als Frau Müller sagt: "Nun sind wir alle mal gaaanz still. Macht die Taschenlampen aus und horcht mal genau in die Nacht hinein! Und... was hört ihr???"
Ich versuche mich möglichst schnell abzusetzen. Es nutzt nichts. Mein Handy, dass in Musiksaal nicht laut genug war, können jetzt auch noch die toten Ritter in ihren Gräbern hören.
Die Kinder antworten gerade: "Ein Handy!!"
Meine Frau fragt: "Störe ich jetzt auch nicht? Ich höre doch, dass du nicht alleine bist". "Nein, nein! Ist schon gut." lüge ich und bin froh, dass mich Frau Müllers Blicke im Dunkeln nicht treffen können.
Nach dem Telefonat mit meiner Frau, bei dem ich dann doch leicht geistesabwesend war, geht es nun weiter um die Burg herum.
An der dunkelsten Stelle hinter der Burg versuche ich mich dann noch mit meiner Gruselgeschichte zu rächen. Eher vergeblich. RTL, VOX und Pro7 sind doch wesentlich besser.
Noch etwas: Mir hat es auf der Freusburg sehr gut gefallen! Die Fahrt war erstklassig vorbereitet und durchdacht. Die LehrerInnen waren nett und hatten alle(s) im Griff. Das Wetter war super. Auch das Essen war OK. Tolle Organisation! Großes Lob! Man hätte mich eigentlich gar nicht gebraucht. Darf ich nächstes mal wieder mit???

Wilhelm Ohlig

Kommentare

Sonnenwoelfin schrieb am 2009-05-11 09:21:40:
Basiert das auf einer wahren Begebenheit? Wir hatten nämlich auch schon so ,,gelungene'' klassenfahrten :D
Ich find die Story gut ;)
semiramis gzelikiz17@hotmail.de schrieb am 2007-06-27 15:20:38:
was ist das ey voll langweilig und garnicht gruselig
nicole schrieb am 2006-05-21 16:01:09:
coole geschichte! echt klasse!
großes LOB!
bye nicole
la le lu...@huboot.com schrieb:
Nette Geschichte!
ich finds lustig, auch wenn man noch ein bisschen mehr schreiben könnte!!! Aber für ne Kurzgeschichte reichts!

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