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Kategorien > Fantasy > Drachen

Drachenleid

von Feder

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Drachenleid

Ich war schon immer einsam, selbst, als mein Vater noch am Leben war. Ich glaube, wir sind zur Einsamkeit verdammt.

Weit unter mir breitete sich das Tal im silbernen Mondschein aus. Das blasse Licht fing sich auf den Blättern, die in der Sommerbrise hin und her schwangen. Ich spürte den kalten Fels unter meinen Füßen und dachte daran, dass ich von all dem hier nun Abschied nehmen musste. Würde es mir schwer fallen? Ich dachte nicht. Viel zu lange lebte ich schon hier oben, viel zu lange hatten meine Augen nur den nackten Fels, den blauen Himmel und die schlanken Bäume unten im Tal gesehen. Es wurde Zeit für etwas Abwechslung in meinem Leben. Zeit für Gesellschaft, Freundschaft, Liebe.

Aus der Höhle hinter mir drang ein klägliches Fauchen. Steine polterten, Schuppen schleiften über den Boden, dann kam der Drache ins Freie getaumelt. Wie unsicher er auf den Beinen ist, beinahe wie ein kleines Kind! Ich musste lächeln, so hilflos wirkte er. Er hob den mächtigen Kopf, der beinahe zu schwer für den schlanken goldschwarzen Hals wirkte, und sah mir direkt in die Augen. Er sagte nichts, wusste nicht, wie er sprechen sollte, aber ich spürte, was er mir mitteilen wollte. Ich sollte bleiben und bloß nicht weggehen.
Ich lächelte ihn an, schüttelte sachte den Kopf und tastete mit der Hand nach dem scharfen Zackenkamm, der seinen Schädel krönte. Ich schnitt mir meine Finger daran blutig, aber der Schmerz drang nicht bis in meinen Körper vor.
„Es tut mir Leid“, sagte ich, meine Stimme klang rau und fremd in meinen Ohren, „es tut mir Leid, aber ich muss gehen. Ich muss das Tal sehen, die Menschen, die Städte. Ich muss einfach. Ich weiß selber nicht genau, warum, aber ich habe das Gefühl, ich muss etwas finden… oder vielleicht jemanden.“
Der Drache schnaubte, etwas heiße Luft schlug mir aus seinen Nüstern entgegen und beinahe wurde ich von den Füßen gerissen. Doch es folgte kein Feuer auf die heiße Böe, nur ein trauriger Blick traf mich. Langsam bekam ich ein schlechtes Gewissen, doch jetzt, wo ich meinen Plan einmal gefasst hatte, wollte ich nicht mehr davon ablassen. Noch einmal tastete ich nach dem Hornkamm, strich beruhigend darüber, obwohl er es nicht spüren konnte.
„Lebe wohl, vielleicht komme ich ja wieder, wenn ich nicht finde, was ich suche.“ Damit drehte ich mich um und machte mich an den Abstieg ins Tal.

Ich träume oft vom Fliegen. Dann gleite ich sanft über die Hänge meines Tales, die Wipfel der Bäume streichen sanft über meinen nackten Bauch. Es kitzelt, manchmal muss ich darüber lachen. Doch trotz dieses Gefühls und trotz der wilden Freiheit, die mich beim Fliegen überkommt, fühle ich die Einsamkeit tief in meinem Herzen. Ich bin schon viel zu lange alleine. Eigentlich bin ich schon viel zu lange auf der Welt.

Der Weg nach unten war ungewohnt, oft stolperte ich mehr, als dass ich ging. Harte, scharfe Steine schnitten mir die bloßen Füße wund und schon nach kurzer Zeit begann mich ein grässlicher Durst zu plagen. Mein Körper fühlte sich fremd an, klobig und ungelenk. Dennoch genoss ich diese Wanderung, wie noch nie etwas zuvor in meinem Leben. Begierig sog ich die klare, süße Nachtluft ein, versuchte zu ergründen, wie sie schmeckte, wie sie sich anfühlte in meinem Körper. Wann immer ich eine Wegbiegung erreichte und einen Blick ins Tal werfen konnte, hielt ich inne. Dann stand ich für einige Augenblicke einfach nur da, sah mich um und versuchte, das Bild in mich aufzunehmen und mir zu bewahren. Dann erst ging ich weiter.
Es dauerte nicht lange, und ich konnte in der Ferne die ersten Lichter einer Stadt ausmachen, funkelnd in der samtenen Dunkelheit. Ich lachte wie ein kleines Mädchen und lief schneller. Ich flog geradezu den Pfad hinab, trat nun kein einziges Mal mehr fehl, es war, als ob meine Füße den Weg von alleine fänden.
Als ich dann endlich auf die weite offene Grasfläche heraus rannte, war ich so trunken vor Glück, dass ich die Reiter erst bemerkte, als ich ihren Pferden vor die Hufe lief.

Ich schlafe schlecht, in letzter Zeit. Oft träume ich davon, wie es früher war, dann schrecke ich auf, weiß im ersten Moment nicht, wo ich bin, und schlage wild um mich. Ein- oder zweimal habe ich Leonard dabei getroffen. Die ersten Male hatte er noch Verständnis. Er hat seine Arme um mich gelegt und mir ins Ohr geflüstert, dass alles gut werden würde. Und ich habe mich fallen lassen, habe seinen Geruch in mich aufgenommen, habe seiner Stimme gelauscht und wollte ihm glauben. Ich glaubte, er würde die Einsamkeit aus meinem Herzen vertreiben. Manchmal fühlte es sich auch so an. So richtig. Aber nun nicht mehr. Jetzt ist er oft bis spät in die Nacht fort und ich bin wieder alleine. Verlassen mit meinen Erinnerungen.

„Prinzessin, Ihr seid am Leben!“ Der vorderste Reiter hatte sein Pferd wieder unter Kontrolle gebracht und strahlte mir jetzt vom Sattel aus entgegen. Er war noch jung, vielleicht Mitte Zwanzig, und ein ziemlich stattlicher Kerl, soweit ich das beurteilen konnte. Seine Haare waren lang, schwarz und lockig. In mir breitete sich ein warmes Gefühl aus, das ich nicht ganz einordnen konnte, aber es war durchaus nicht unangenehm.
Ich hatte ihn bereits eine ganze Weile wortlos angestarrt, bevor mir bewusst wurde, dass er offensichtlich eine Reaktion von mir erwartete. Ich räusperte mich, spürte, wie Verlegenheit von mir Besitz ergriff, dann zwang ich mich jedoch zur Ruhe.
„Ja…es…es geht mir gut, danke!“ Meine Stimme klang verwirrt und unsicher, doch das schien ihn nicht zu stören. Er schwang sich aus dem Sattel und streifte seinen Mantel von den Schultern.
„Hier, nehmt den, Ihr müsst ja frieren in dem dünnen Kleid!“ Erst jetzt wurde mir bewusst, dass mein Gewand tatsächlich etwas fadenscheinig wirkte. Ich fror zwar nicht im geringsten, aber seine Sorge rührte etwas in mir , und so lächelte ich dankbar, während er mir den Wollmantel umhängte.
„Danke“, brachte ich leise hervor, doch er winkte nur ab.
„Euer Vater glaubte schon, Ihr wäret nicht mehr unter uns, weil Ihr so lange fort wart. Es tut mir leid, dass wir Euch nicht schon früher aufgespürt haben. Aber sagt, wie ist es Euch gelungen, diesem Drachen zu entkommen?“
Auf diese Frage war ich nun wahrlich nicht vorbereitet gewesen. Konnte ich ihnen sagen, dass ich einfach gegangen war? Würden sie das glauben?
Ich musterte die Gesichter der Männer, die sich inzwischen um den jungen Ritter und mich geschart hatten. Lauter entschlossene, vernarbte Kriegermienen. Leute, die schon viele Drachen gejagt hatten und glaubten, sie zu verstehen. Nein, denen konnte ich nicht die Wahrheit sagen.
Ich senkte meinen Blick zu Boden, täuschte Schüchternheit vor und wollte doch nur meine Lügen verbergen.
„Er ist eingeschlafen“, murmelte ich. „Und er hat diesmal… vergessen, einen Felsen vor den Höhleneingang zu rollen.“ Klang das plausibel? Ich wagte einen Blick nach oben. Die Männer nickten einander zu, grinsten und tauschten mir unverständliche Gesten aus. Scheinbar glaubten sie mir

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Kommentare

RVHoppyGFeeNarzisse297199513 schrieb am 2009-05-15 19:38:35:
Wow, deine Geschichten sind einfach mitreißend! Eine besser als die andere... Bei der hier habe ich sogar geheult, die ist ja so schön traurig!!! Mach weiter so.
furzi schrieb am 2007-05-30 17:45:02:
hey das ist voll fett! Ne Mama sagt das ist gar nicht fettt!!! doch voll fettt, ey! Rama jetzt nur mit 0,1 %% Fett!!!
Lexa schrieb am 2006-10-13 22:49:04:
Wunderschön, manch einer wünscht sich im Leben, mal das Leben eines anderen zu leben. Aber nicht jedem gelingt
es das Leben des anderen auch zu leben. Ein Spruch lautet "Schuster bleib bei Deinen Leisten", oder schätze das,
was Du kennst. LG Lexa

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