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Kategorien > Fantasy > Drachen

Drachenleid

von Feder

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unbesehen.
Mein junger Ritter nickte ebenfalls, dann führte er mich beiseite.
„Ich weiß nicht, ob Ihr mich noch kennt, Mylady…?“ Ich schüttelte den Kopf. Er war mir völlig unbekannt. Er lächelte. „Mein Name ist Sir Leonard. Euer Vater hat mich mit Eurer Rettung beauftragt. Er hat versprochen…“ seine Stimme wurde einen Moment lang brüchig und er sah verlegen zur Seite. „Nun ja, er hat mir Eure Hand versprochen.“ Er zögerte, lächelte betreten und fügte hastig hinzu: „Aber wenn Ihr nicht möchtet, dann bin ich sicher, es wird ihm auch eine andere Belohnung einfallen.“
Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug, während ich zu ihm aufsah. Das warme Gefühl erfüllte nun meinen ganzen Körper. Es kribbelte in meinem Bauch und in meinen Schläfen pochte das Blut.
„Doch, ich glaube, das würde ich mögen“, antwortete ich Sir Leonard.

Ich bin gefangen, alleine und gefangen. So viele Menschen sind um mich, und dennoch bin ich alleine. Ich höre sie reden, jeden Tag, spüre ihre Blicke und weiß, dass sie über mich sprechen. Sie halten mich für seltsam. Vielleicht bin ich auch seltsam, aber ich wollte doch nur der Einsamkeit entfliehen. Nun sitze ich hier, in meinem selbst gewählten Kerker. Ich kann nicht entfliehen. Einmal habe ich es versucht, aber sie haben mich zurückgebracht. Einer der königlichen Ärzte hat lange mit mir gesprochen. Ich habe ihn nur angeschwiegen. Er würde mich sowieso nicht verstehen, wenn ich ihm erzähle, was in mir ist.
Nach einigen Stunden hat er aufgegeben und mich zu Leonard zurück geschickt. „Es sind wohl noch Nachwirkungen der Gefangenschaft“, hat er gesagt. Leonard hat nur geseufzt.
„Nach zehn Jahren?“, fragte er, und sein Blick war verzweifelt.
So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt.

Ich konnte sie nicht davon abhalten, zur Drachenhöhle hinauf zu reiten. Zuerst habe ich gar nicht verstanden, was sie vorhatten, als sie sich auf ihre Pferde schwangen. Ich dachte, sie wollten Nachricht in das nächste Dorf bringen, dass die Prinzessin gerettet und auf dem Weg nach Hause wäre. Stattdessen trieben sie ihre Pferde den Pfad hinauf.
„Wo wollt ihr hin?“, rief ich Leonard zu, als er sich ebenfall in den Sattel schwang. Er lachte verwegen.
„Aber Mylady, wir können doch so ein gefährliches Biest wie den Drachen, der Euch entführt hat, nicht leben lassen. Der König verlangt nach seinem Kopf.“
Er musste meinen entsetzten Blick falsch verstanden haben, denn er lächelte mir beruhigend zu, beugte sich von seinem Pferd herunter und legte eine schwere Hand auf meine Schulter. „Macht Euch keine Sorgen. Meine Männer haben alle Erfahrung mit solchen Angelegenheiten, uns wird schon nichts zustoßen.“
„Aber…“, er ließ mich nicht ausreden, sondern stieß seinem Pferd die Fersen in die Flanken und lenkte es hinter den anderen den Pfad hinauf.
„Wartet auf mich Mylady!“, rief er mir noch zu, bevor er hinter der ersten Biegung verschwand.
Furcht kroch in mir hoch. Der Drache, er würde keine Chance haben gegen die Ritter. Er war doch so unerfahren, wusste nicht mal recht, wie man Feuer spie. Sie würden ihn einfach so töten, und was war dann mit mir?
Ich wollte losrennen, den Rittern folgen, sie aufhalten, aber meine Beine gehorchten mir nicht. Stocksteif stand ich da, sah ihnen nach, beobachtete, wie die Kette von Fackeln, die sie angezündet hatten, sich höher und höher den Berg hinauf wand. Eine grässliche Hilflosigkeit hatte von mir Besitz ergriffen. Denn selbst wenn ich sie einholte, was konnte ich schon gegen dreißig bewaffnete Männer tun?
Ich spürte, wie mir Tränen über die Wangen liefen. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals geweint zu haben, aber nun stand ich da und heulte wegen meiner Dummheit. Warum hatte ich nicht besser nachgedacht? Ich hätte mir doch denken können, dass Männer ausziehen würden um mich, die Prinzessin, zu retten. Warum hatte ich mich auf die Sicherheit der Höhle verlassen? Warum hatte ich meine Magie aufgegeben?
Ich stand und weinte noch, als aus der Höhle oben kleine Flammenstöße kamen. In ihrer Not hatten die Instinkte des Drachen eingesetzt. Es half ihr nichts, ich hörte den Waffenlärm und die Schreie, sah einmal ihren massigen Körper vor der hellen Felswand, als sie versuchte, sich in die Luft zu erheben, doch dann ging sie unter einem Hagel von Speeren zu Boden. Jubelschreie durchrissen die milde Nachtluft, dann wurde es still.
Nach einiger Zeit sah ich den Fackelzug den Berg wieder herunter kommen, Kurve um Kurve, bis mir schließlich Leonard entgegen ritt, den schwarzgoldenen Schuppenkopf auf einen Speer gespießt. Er strahlte, erwartete Freude von mir, doch ich senkte nur den Blick zu Boden, so dass mein zukünftiger Mann meine Tränen nicht sehen konnte.

Vom Schlossturm aus kann ich in der Ferne die Berge erahnen. Meine Berge. Meine Heimat. Inzwischen denke ich, dass ich dort niemals so alleine war, wie ich es hier bin. Dort hatte ich wenigstens noch mich. Hier habe ich nicht einmal mehr das.
Ich weiß nicht, wie oft ich es schon bereut habe, meinen Körper aufzugeben, ihn zu tauschen mit einem jungen Mädchen. Es hatte doch nur für einige Zeit sein sollen. Nicht für immer. Doch mein Körper ist tot und ich, ich bin gefangen in einem Menschen.

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Kommentare

RVHoppyGFeeNarzisse297199513 schrieb am 2009-05-15 19:38:35:
Wow, deine Geschichten sind einfach mitreißend! Eine besser als die andere... Bei der hier habe ich sogar geheult, die ist ja so schön traurig!!! Mach weiter so.
furzi schrieb am 2007-05-30 17:45:02:
hey das ist voll fett! Ne Mama sagt das ist gar nicht fettt!!! doch voll fettt, ey! Rama jetzt nur mit 0,1 %% Fett!!!
Lexa schrieb am 2006-10-13 22:49:04:
Wunderschön, manch einer wünscht sich im Leben, mal das Leben eines anderen zu leben. Aber nicht jedem gelingt
es das Leben des anderen auch zu leben. Ein Spruch lautet "Schuster bleib bei Deinen Leisten", oder schätze das,
was Du kennst. LG Lexa

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