Drachentochter (9)
von
Anariel, die Nomadin
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Inabeth späte misstrauisch den Gang entlang, so weit sie eben sehen konnte. Die Fackeln warfen seltsame Schatten an die Wände und das Licht lies sie heftig blinzeln. Sie fragte sich, was nun schon wieder geschehen würde.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie Bewegung in Belars Zelle. Der Mann hatte sich mühsam auf die Beine gezogen und blickte nun ebenso misstrauisch den Gang entlang. Die Drachenfrau war einen Moment abgelenkt, den bis auf den kurzen Blick, als die Männer ihn holten, hatte sie noch nichts von ihm gesehen. Nun aber konnte sie ihn betrachten, auch wenn das Licht nicht ausreichte, um ihn genau zu sehen. Ein seltsamer stechender Schmerz ging ihr durch das Herz, als sie die wunden Handgelenke des Mannes sah.
Plötzlich wich Belar mit einem angstvollem Ausdruck auf dem Gesicht in die Schatten zurück. Sie blickte wieder den Gang entlang und dann trat auch sie erschrocken von dem Gitter ihrer Zelle fort. Denn niemand anderes als Hasaral, der dunkle König selbst kam den Gang entlang. Drei Wächter begleiteten ihn. Er warf nur einen kurzen Blick in Belars Zelle, als er daran vorbeikam und blieb dann vor der ihren stehen. Langsam trat er näher an das Gitter heran, während die drachenblütige Frau Schritt um Schritt zurückwich. Schließlich stieß sie gegen die Pritsche und konnte nicht mehr weiter zurück. Über das Gesicht des Königs zog ein kaltes Lächeln, das sich ausbreitete, bis er laut lachte. “Nun, da habe ich ja einen schönen Fang gemacht.” Der Mann kicherte. “Dann wollen wir mal sehen, ob Du genau so widerspenstig bist, wie Belar.” Mit diesen Worten konzentrierte er seinen Willen um in den Geist der Frau einzudringen.
Inabeth indessen hatte rein instinktiv eine drohende Haltung der Drako eingenommen. Die Flügel hatte sie halb gespreizt, wodurch sie an die Zellenwände stießen. Die Schulten hochgezogen, der Kopf nach vorne gestreckt, mit halb geöffnetem Mund und zurückgezogenen Lippen zischte sie leise den Mann an. Schließlich brach sich ein tief in der Kehle entstandenes Knurren seinen Weg über die Lippen der Frau. Sie war aufs höchste erregt und bereit sofort anzugreifen. Spätestens jetzt hätte sich jeder Drako schnell von ihr zurückgezogen, doch dieser König tat nichts dergleichen.
Stattdessen schloss er halb die Augen und schien sich zu konzentrieren.
Plötzlich spürte sie am Rande ihres Bewusstseins eine dunkle Präsenz, die gegen ihren natürlichen mentalen Schutz drängte und schließlich eindrang. Die Augen der Frau weiteten sich überrascht und erschrocken. Dann verengten sie sich wütend. Erbost führte Inabeth einen geistigen Schlag gegen das fremde Bewusstsein aus und stieß es so aus ihren Gedanken. Aufs Äußerste aufgebracht schlug sie noch einmal auf der mentalen Ebene zu.
Hasaral war fast erstaunt, als er so leicht in die Gedanken der Frau kam. Siegessicher drängte er nach vorne und so traf ihn der erste Schlag völlig unvorbereitet. Der zweite folgte so schnell, das er nicht mehr reagieren konnte.
Er riss die Hände vor sein Gesicht und taumelte zurück gegen die gegenüberliegende Wand. Schwindel erfasste ihn und brachte ihn fast zu Fall. Erst im letzten Moment fing er sich wieder. Er hatte sich auf die Lippen gebissen und nun floss ein dünnes Rinnsal Blut aus einem Mundwinkel. Bevor aber die Wachen zugreifen konnten um ihren König vor einem Sturz zu bewahren stand dieser schon wieder aufrecht und wischte sich das Blut von den Lippen. Unangenehm überrascht betrachtete er den roten Fleck auf seiner Hand und dann die gefangene Frau. Diese hatte mittlerweile ihre Haltung etwas verändert. Ihre Schultern waren etwas herabgesunken und nun hingen ihre Arme locker seitlich ihres Körpers, die Finger leicht gekrümmt und gespreizt. Alles in allem wirkte sie sehr angriffslustig. Plötzlich lachte der Mann laut los. “Sieh einer an, ganz offensichtlich entpuppst du dich als Herausforderung.” Die Stimme des Königs klang amüsiert. Beiläufig gab er seinen Wachen ein Zeichen und diese näherten sich nun Belars Zelle.
Der drachenblütige Mann hatte die Ereignisse verfolgt und war vollkommen verblüfft. Er kannte den Gesichtsausdruck des Königs, wenn dieser in einen fremden Geist eindrang und hatte für Inabeth schon das schlimmste befürchtet. Dann jedoch schien sie es Hasaral mit gleicher Münze zurück zu zahlen. Eine zaghafte Hoffnung nahm in Belars Geist Gestalt an. Doch als die Wachen sich seiner Zelle näherten war dieser Hoffnungsschimmer auch schon wieder vergessen. Erschrocken wich er noch weiter zurück. Das konnte nicht sein! Normalerweise ließen sie ihm wenigstens einige Tage, um sich zu erholen. Hilflos schüttelte er den Kopf, erfüllt von Angst, als seine Zelle geöffnet wurde. Er war viel zu erschöpft und ihm fehlte die Kraft um sich groß zu wehren. Und so hatten die drei Männer schnell seine Schwingen gebunden und seine Hände auf den Rücken gefesselt. Grob zerrten sie ihn aus der Zelle und schleifen ihn in Richtung Folterkammer.
Inabeth registrierte verwirrt das Geschehen und blickte den König mit einer Mischung aus Misstrauen, Wut und Verwirrung an. Dieser lachte laut. “Keine Angst, Du wirst ihn sehr bald wieder sehen.” Das bösartig Lächeln, das nun um die Lippen des Mannes spielte hätte wohl ausgereicht um selbst einem Dunklem das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Der Drachenfrau erging es nicht besser. Ein kalter Schauer rann ihr den Rücken hinab, während sie zusah, wie sich Hasaral umwandte und seinen Männern folgte. Sie machte sich große Sorgen um Belar. Was wollte ihm der König nun wieder antun? Und was hatte der Mann damit gemeint, das sie Belar schon bald wieder sehen würde?
Seufzend setzte sie sich auf ihre Pritsche, zog die Beine an den Körper und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
Sinsin indessen musste feststellen, das Feder ein gewinnendes und ansteckendes Grinsen hatte. Unwillkürlich lächelt sie zurück. Diese Männer steckten voller Überraschungen. Ihr Blick wanderte zu Malek und bevor sie fragen konnte, lächelte dieser. ”Jetzt bin wohl ich dran mit meiner Geschichte, oder wie?” Das Lächeln der Frau und ihr gespannter Blickt beantwortete ihm diese Frage hinreichend.
Und so begann er zu erzählen. “Also, ursprünglich stamme ich von den Ebenen um Katarahn herum. Mein Vater war dort Bauer und meine Mutter eine sehr gutherzige Frau. Im alter von dreizehn Jahren nahm mich ein Schwertmeister in die Lehre. Dort bei diesem weisem Krieger lernte ich Dahran kennen. Wir wurden Freunde und als wir die Lehre beendet hatten, nahm er mich als Hauptmann in seine Dienste.”
Maleks Gesicht war ernst geworden und nun seufzte er tief. “Die Burg Nimared und diese Länderein gehörten Dahran. Bis vor zwölf Jahren Hasaral auf seinen Eroberungsfeldzug hier vorbeikam und die Burg einnahm. Dahran und seine geliebte Frau Ahlana verloren beide bei dieser Schlacht ihr Leben. Sie haben mir ihren Sohn anvertraut, aber ich kam nicht weit und wurde bald von allen Seiten bedrängt. Dabei habe ich den Jungen aus den Augen verloren. Nur mit viel Glück konnte ich damals entkommen.
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Kommentare
Soraya schrieb am 2008-04-27 10:34:34:
Ich habe, wie ich schon bei Himmelsdämonin erwähnt habe alle deine geschichten gelesen , doch damals keinen Kommentar zurückgelassen, das darf ich nachholen oder?
Also, mir gefällt dein Stil an sich schonmal gut und ich finde es erstaunlich, wie du es schaffst das alles zu verstricken.
Du machst kaum Rechtschreibfehler und schaffst es einen so in den Bann zu nehmen...irre
LG
RisingSun schrieb am 2006-09-01 17:50:30:
Habe die ganze Zeit auf den neuen Teil gewartet und wurde nicht enttäuscht.
Die Lösung zum Rätsel von Belars Herkunft gefällt mir besonders gut.
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