Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Fantasy > Drachen

Drachenträne

von Drachenmädchen

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

erwartet hatte.
"Gut, das mag Macht sein. Doch ist diese Macht nicht viel besser eingesetzt, wenn man keinen Gebrauch von ihr macht?"
"Wie meinst du das?"
"Wenn ihr diesen Menschen am Leben lasst, beweist ihr viel mehr Größe, als wenn ihr ihn töten würdet. Und nebenbei, ist es nicht viel lustiger, diesen Narren in aller Öffentlichkeit zu demütigen? Schließlich sollen die Leute sehen, was ihr machen könntet, dann haben sie viel mehr Angst vor euch!"
Saladrex sah sie schief an. Dann lachte er laut auf, stellte den Mann, der die Unterhaltung mit leichenblassem Gesicht verfolgt hatte, auf die Füße und sagte zu ihm: "Zieh dir die Rüstung aus oder ich vergesse den Ratschlag dieser jungen Lady hier ganz schnell!"
Der Mann tat, wie der Drache ihm gesagt hatte und stand dann in normalen Ledersachen zitternd vor Saladrex, zahlreiche Rüstungsteile um sich herum liegend.
Dann spie der Drache Feuer. Der Mann hatte nicht einmal mehr Zeit zum Schreien gehabt.
Elyssa senkte den Blick - es hatte also keinen Sinn...
Als die Flamme aus Saladrex' Maul vergangen war stand der Mann aber immer noch da - splitternackt, zitternd und noch bleicher als zuvor! Und Saladrex lachte sich halb tot.
"Ha! Das wird lustig, Elyssa!", mit diesen Worten schnappte er sich den nackten Mann und flog aus seiner Höhle hinaus.
Nach einer Weile kam er wieder, lachend und kichernd wie ein kleines Mädchen.
"Eine großartige Idee, Elyssa! Ich hab den Typen auf dem Marktplatz von Valyris ausgesetzt, so nackt wie er war. Wie die Leute geglotzt haben!"
Sie lächelte ihn an. Und er lächelte zurück.

Ein paar Tage später durfte sie das erste Mal alleine nach Valyris gehen. Es musste jetzt zwei Jahre her sein, seit sie das letzte Mal in einer größeren Menschenansammlung gestanden hatte. Doch das war ein anderes Leben gewesen... Jetzt stand sie mitten auf dem großen Marktplatz und ließ die Gerüche, die Geräusche und die regen Wortwechsel zwischen Händlern und Kunden auf sich einströmen. Doch wie sie sich die Waren auf den Ständen der Händler ansah, so bemerkte sie auch Gespräche hinter ihrem Rücken: "Dieses Mädchen hier hab ich noch nie gesehen!", "Wer ist sie?", "Wo kommt sie her?", "Du, dieses Mädchen ist mir irgendwie unheimlich..."
So, wie sie einst Saladrex' Menschengestalt als unheimlich empfunden hatte?
Auf einmal ertönte neben ihr ein Schrei. Als sie den Kopf drehte, entdeckte sie den Mann, den Saladrex verschont hatte. Auf dem gesamten Marktplatz kehrte Ruhe ein. Alle sahen auf den Mann.
"Sie da! Dieses Mädchen da ist die, von der ich euch erzählt habe! Sie steht mit dem Drachen im Bunde, diese Hexe!", schrie er und deutete mit dem Finger auf sie.
Nun waren alle Blicke auf Elyssa gerichtet - und nur wenige von ihnen ließen Gutes ahnen.
Ein Gemurmel setzte in der Menge ein, welches hauptsächlich aus Worten wie "Hexe!" und "Verräterin!" bestand. Diese Leute hatten sie noch nie vorher gesehen, was stachelte sie an, so über sie zu denken?
Der Mann schrie weiter: "Ich sage: Lasst uns sie umbringen! Lasst uns Rache üben an dem Drachen, der uns schon so lange terrorisiert!"
Das Gemurmel wurde lauter. Einige Leute schrien "Verbrennt sie!" und "Tötet sie!".
Kalte Angst kroch Elyssas Nacken hoch. Diese Leute würden sie umbringen, wenn sie nur wütend genug waren, daran bestand kein Zweifel - und die Wut der Menge kochte langsam über.
Verzweifelt sah sie den Mann an und rief: "Aber ich habe euch das Leben gerettet!"
Der Mann kam näher und blickte ihr mit hasserfüllten Augen ins Gesicht. Dann sagte er: "Vor allem habt ihr mir eine Schande fürs Leben bereitet!"
Und er packte sie, stieß sie zu Boden und zog ein Messer. Doch auf einmal kehrte Ruhe auf dem Platz ein. Ein großer Schatten legte sich über den Mann. Eine Stimme ertönte: "So gehst du also mit meiner Gnade um, Menschlein?"
Die Hand des Mannes begann zu zittern. Er ließ das Messer fallen und drehte sich langsam um. Hinter ihm stand Saladrex hoch aufgerichtet wie ein Turm und mit einer Wut in den Augen, wie sie es wirklich noch nie gesehen hatte. Sein Zorn schien beinahe Substanz zu gewinnen und die Luft wurde so dick, dass es schwer fiel, sie zu atmen.
Saladrex' Zorn brauchte ein Ventil.
Und er fand es in dem Drachentöter.
Saladrex brüllte auf, packte ihn mit beiden Klauen und zerriss ihn. Er zerfetzte ihn regelrecht und zerstreute seine Einzelteile über die nun in Panik ausbrechende Menge. Als es nichts mehr von dem Mann gab, was groß genug zum Zerfetzen war, fiel sein Blick auf Elyssa. Er senkte seinen Hals.
"Steig auf!"
"Saladrex..."
"STEIG AUF HABE ICH GESAGT!"
Sie setzte sich auf seinen Nacken und hielt sich an seinen beiden Hörnern fest. Mit einem kräftigen Stoß hob der Drache von der Erde ab und flog weg. Elyssa drehte sich um und sah, wie einige der Bürger auf dem Marktplatz standen und ihnen nachsahen.
Als das Dorf außer Sichtweite war und sich nur noch grüner Wald unter ihnen erstreckte, wollte sie "Danke!" sagen, doch der Drache drehte auf einmal um und glitt dicht über die Baumkronen hinweg in die Richtung aus der sie kamen. Elyssa erkannte, was er vor hatte.
"Saladrex, bitte nicht!"
"Halt die Klappe!", war seine barsche Antwort.
Die Dörfler sahen ihn erst, als er schon auf dem Marktplatz landete und einen Teil der Menge unter sich begrub. Und dann verfiel Saladrex in eine blutige Raserei, gegen die seine Gewalttaten von vorher verblassten wie eine Kerze angesichts einer Supernova.
Er hieb mit den Klauen nach rechts und links, sein Schwanz zuckte hin und her und sein Flammenodem fegte durch die Straßen. Menschen wurden zerrissen, zertrümmert, verbrannt, zertrampelt, zerquetscht. Und Elyssa saß auf dem Drachen, wie eine Reiterin auf einem gigantischen Ross und sah alles mit an.
Dabei gelangte sie zu folgender Erkenntnis: Du kannst einen Drachen nicht verändern, Elyssa!
Zum Schluss war das Dorf nur noch eine Ruine aus Blut, Eingeweiden und Asche gewesen - das größte Dorf im Umkreis, binnen weniger Minuten dem Erdboden gleich gemacht.

Sie waren zu seiner Höhle zurück gekehrt. Saladrex Raserei hatte sich gelegt. Sie sahen sich lange und traurig in die Augen. Saladrex sprach als erster: "Da war ein Fehler in deiner Aussage letztens: Die Menschen sind zu dumm, um zu sehen, was ich machen könnte! Sie sehen nur das, was ich tue!"
Sie schwieg - denn er hatte Recht.
Er fuhr fort: "Du hast mir in den letzten zwei Jahren gut gedient. Ich schenke dir hiermit deine Freiheit. Verlasse mein Reich und lebe wo und wie es dir gefällt. Solltest du danach je die Grenzen meines Reiches wieder überschreiten, werde ich dich töten!"
Elyssa stand da und sah ihn weiterhin an.
"Warum?", fragte sie ihn wispernd. Ein Warum, dass für alles galt, was er in den letzten zwei Jahren mit ihr getan hatte, nicht nur für das, was er gerade gesagt hatte. Die ultimative Frage, auf die es keine Antwort gab...
"Geh!"
Sie ging.

Und die Zeit

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

Kommentare

lu schrieb am 2009-10-30 19:19:09:
Eine schöne Geschichte,auch sehr gut geschrieben

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.