Dreck
von
Misestemeviv
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Dreck
D.
Dann beschloss ich doch nicht weiter vor mich hinzuvegetieren und verließ das Haus. Es war ein schönes Wetter, doch ich wünschte, es wäre weniger schön gewesen.
An dem Tag lernte ich Alan kennen. Wir begegneten uns in einem Park. Ich weiß nicht, wie lange ich schon auf dieser einen Bank saß, als er auf einmal aus der Dunkelheit auftauchte. Seine Kleidung verschmolz perfekt mit den dunklen Bäumen, nur sein Gesicht leuchtete. Er fragte mich, ob er sich zu mir setzen könnte. Seine brauen Augen schauten mich bedrängend an, und ich sah keinen anderen Ausweg, als auf den Platz neben mir zu weisen. Danach sagte er nichts, und ich sagte nichts. Ich weiß nicht, wie lange wir da so saßen, manchmal hatte ich das Gefühl, er wäre schon wieder weg, doch als ich nach rechts schaute, saß er immer noch neben mir und schaute starr in die Anlagen. Ich dachte gar nicht daran, nach Hause zu gehen, und er ging nicht. Ich fragte mich, ob er mir wohl folgen würde, wenn ich aufstehen würde, doch das wollte ich gar nicht erst ausprobieren. Und je länger ich da so saß, desto weniger fremd kam er mir vor. Ich war mir gar nicht mehr so sicher, ob wir uns doch vielleicht kennen und ich ihn nur vergessen hätte.
Nach einiger Zeit, bestimmt Stunden, überredete ich mich dazu, ihn nach seinem Namen zu fragen. Es kostete mich sehr viel Mühe diese gut gepflegte Stille zu zerbrechen.
„Wie heißen Sie?“, fragte ich ihn und meine Worte kamen mir sehr dämlich vor, aber es interessierte mich doch zu sehr.
„Alan“
Nein, den Namen hatte ich noch nie gehört.
Danach war es wieder so still wie vorher, von weitem hörte man ein paar Autos vorbeifahren, im Gebüsch raschelte irgendein Getier… Doch nun wusste ich, dass ich nicht mehr alleine war.
Etwas später fiel mir auf, dass meine Augen geschlossen waren. Ich machte langsam eins auf, dann das andere. Ich lag auf der Bank. Bin ich etwa eingeschlafen? Es sah ganz danach aus, hinter den Bäumen konnte man bereits die Morgendämmerung erkennen. Einen Moment lang erschrak ich, weil ich dachte, Alan wäre schon weg und ich hätte nur vom ihm geträumt, doch er saß mit dem Rücken zu mir gedreht auf der Bankkante bei meinen Füßen. So konnte ich ihn noch mal in aller Ruhe betrachten, ohne dass er es mitbekam. Er wirkte etwas mager auf mich, und trotzdem sportlich. Doch es hatte sich etwas an ihm verändert: Er hatte nun ein weißes T-Shirt an. Dieses konnte ich mir aber schnell erklären, als ich mir unter den Kopf fühlte: Da lag zusammengelegt sein leichter Pullover.
Es war mir unangenehm, dass er vielleicht wegen mir die ganze Nacht auf dieser Parkbank verbracht hat und ich war mir unsicher, ob ich irgendwie signalisieren sollte, dass ich aufgewacht bin. Komischerweise fühlte ich mich das erste Mal seit Wochen richtig ausgeruht, obwohl ich auf dieser verdammt harten Bank geschlafen habe und mir mein Rücken wehtat.
Also setzte ich mich auf und nahm den Pullover von der Bank. Er war sehr weich und zerknittert von der Nacht, die ich auf ihm verbracht hatte und als sich Alan zu mir umdrehte, gab ich ihm den Pullover und sagte „Danke“.
Er nickte nur und zog ihn wieder an. Ich stand auch auf und so machten wir uns auf den Weg.
Nach einiger Zeit kamen wir bei meinem Haus an. Ich wusste nicht, wie ich mich verabschieden sollte, am liebsten wollte ich es gar nicht tun. Wenn ich an meine kalte, tote Wohnung dachte, kamen wieder alle Gefühle von den Vortagen hoch. Ich fühlte mich wieder so elend, mein Inneres ein Spiegel meines Hauses.
Doch Alan lächelte mich kurz an, sagte „Bis Bald“, und ging fort.
Wie im Rausch nahm ich den Fahrstuhl und fand mich kurz darauf in der Wohnung. Merkwürdigerweise kam sie mir gar nicht so schlimm vor, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Ich setzte mich auf das Sofa und lächelte.
Ich beschloss meine Wohnung komplett aufzuräumen. Dieses ist auch gar nicht so schwer, weil meine Wohnung nur aus einer Küche, einem Badezimmer, einem Wohnzimmer und einem Schlafzimmer besteht, und das alles innerhalb von 50 Quadratmetern. Das Wohnzimmer ist so gesagt der Flur und der Flur ist wiederum die Küche. Aber eigentlich brauche ich auch gar nicht viel mehr.
Nach dem Aufräumen fühlte ich mich schon viel besser. Da das Geld immer knapper wurde, beschloss ich nun bei der Arbeit anzurufen und zu sagen, dass ich heute Abend wieder kommen könnte.
Ich arbeite als Kellnerin in einem Restaurant im Zentrum. Die Arbeit ist hart und die Zeiten unmöglich, aber manchmal macht das Kellnern auch Spaß und man bekommt viel Trinkgeld.
Seit einiger Zeit wohne ich außerdem nicht alleine. Ich teile mir die Wohnung mit meinem Kater Gabriel. Er lungerte früher mal beim Cafe rum und aß die Speisereste, da habe ich ihn mit nach Hause genommen. Wir verstehen uns sehr gut und er ist sowas wie mein bester Freund.
Als nun alles geregelt war legte ich mich zufrieden auf mein Bett und dachte nach. Doch mir ging Alan, den ich nun nicht mal einen Tag kannte, einfach nicht aus dem Kopf. Würden wir uns wieder treffen? Und wenn nicht?
Ich holte mein Tagebuch hervor, welches ich unter der Matratze zu verstecken pflege. Es ist zwar vollkommen unnötig, da selten bis nie jemand meine Wohnung betritt, und schon gar nicht mein Schlafzimmer, aber es war nun mal so eine Angewohnheit von mir. Vorsichtig berührte ich die Seiten und las einige Erinnerungen. Der letzte Eintrag war schon über einen Monat alt und ich beschloss wieder zu schreiben. Ich schrieb alles auf, was ich die letzten 24 Stunden erlebt hatte, den Unfall ließ ich aus, da ich keine Lust hatte nachzutragen. Außerdem wollte ich nicht schon wieder in dieselbe Stimmung zurückfallen. Danach lege ich das Tagebuch unter die Matratze und hole eine CD von dem Regal über meinem Bett, wo nur ein paar meiner geliebtesten Bücher und CDs liegen. Ich bin auch sehr unbeliebt bei den Musikgeschäften geworden, weil ich sehr oft hingehe und die CDs durchhöre, aber fast nie welche kaufe. Ich nehme nun „Turn On the Bright Lights“ von Interpol und lege sie in den CD-Player. Als die Musik ertönt lege ich mich auf mein Bett und schließe die Augen…
A.
…Ich sehe sie, wie sie aufgeregt das Kästchen aufmacht und den Verlobungsring herausnimmt, sie schreit vor Freude und fällt mir um den Hals. Ich nehme sie in die Arme und küsse sie… Ihre Haare riechen so gut nach Honig, nur viel besser und ihre Haut… Ich möchte sie gar nicht loslassen, sie nie loslassen… Doch sie reißt sich geschickt fort und steckt den Ring an ihren schmalen Finger. Sie lacht und fällt mir wieder in die Arme…Es gibt nur sie… Und ich bin so froh, dass ich sie in meinen Armen halten kann…
Doch da höre ich ein Klingeln, scharf wie ein Messer durchschneidet es die Stille und ich habe das Gefühl in einen kalten See eingebrochen zu sein. Da ist keine Wärme mehr, da ist keine Liebe und sie ist weg… Ich spüre nur noch die Kälte und Leere in meinen Armen.
Stöhnend rappele ich mich vom Bett hoch und setze mich auf. Woher kommt dieses beschissene Geräusch? Nach weiteren
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Kommentare
flori silbereisen schrieb am 2008-06-11 12:25:35:
Habe direkt mal nachgesehen, ob es noch weitere Geschichten von dir gibt.
Leider nein! Warum nicht?
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen - schön aus dem Leben gegriffen - so liebe ich das.
Oder total abgedreht - das geht auch.
Ich finde sie gut geschrieben und spannend. Man kann sich gut in die Figuren hineindenken.
Mit einem anderen Ende wäre sie noch ausbaufähig gewesen, aber es muss ja nicht immer ein Happy End haben. Von daher: Gut gemacht!
Und: Ich will mehr!
Danke; für die kurzweilige Zeit.
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