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Kategorien > Aus dem Leben > Schmerz

Düster

von Leviathan

1

Müde. Sie war so unendlich müde.
Die dunklen Schluchten zogen sich unter ihren Augen hinweg und sie selbst stachen als zwei schwärzliche Höhlen hervor. Ihr Gesicht so blass und so fahl. Der Mund blutrot.
Sie saß zusammengekauert in der Ecke ihres Bettes. Ihres alten knarzenden Bettes. Die weißen dünnen Arme um die ebenso bleichen Beine geschlungen. Die pechschwarzen Haare legten sich sanft über ihre knochigen Schultern und lockten sich vereinzelt zu kleinen Kringeln zusammen.
Beim näheren hinsehen sah man sie. Sie, die unzähligen leuchtenden Linien. Sie schienen geradezu zu glühen und aus manchen perlte noch das Elixier des Lebens.
Die Wunden zogen sich über ihre gesamten Arme. Mal waren sie ganz dünn, so wie eine einzelne Haarsträhne, mal glichen sie klaffenden Rissen.
Ein Zucken fuhr durch den schmalen Körper und man sah wie schimmernde Tränen über ihre Wangen liefen und auf ihre Arme tropften, wo sie sich zugleich mit dem roten Saft verbanden und einen zart roten Film über der Haut bildeten.
Auf dem dunklem Bett , um sie herum, sah man es aufblitzen. Mehrere strahlend silberne Klingen lagen um sie herum. Es sah aus als wären ein paar Sterne zu ihr aufs Bett gefallen und reflektierten nun das schwache Flackern der Kerze.
Es war so still. Totenstill in dem Raum. In dem Raum, ihrem Zimmer.
Vorsichtig lösten sich die Arme von den Beinen und sie raffte sich auf. Behutsam kroch sie zum Ende des Bettes und schwang leichtfüßig auf den kalten Boden.
Tänzelnden Schrittes schwebte sie zum anderen Ende ihrer Heimat. Denn das war ihr Zimmer. Ihre Heimat. Der einzigste Ort an dem sie sich zumindest einigermaßen geborgen fühlte.
Nun stand sie wippend vor dem Spiegel. Andächtig hob sie ihre Hand und strich sich eine Strähne ihres Haares aus dem Gesicht.
Sie kniff für den Bruchteil einer Sekunde die Augen zusammen, als einer der Schnitte wieder aufbrach und erneut das Blut freigab.
Sie fing es geschickt mit dem Finger auf und zog eine rote Spur auf dem Spiegel entlang.
Ein leichtes Lächeln glitt über ihre Lippen, doch es erstarrte sofort wieder zu Eis.
Erneut ergirff sie die Klinge. Die, die sie immer um den Hals trug.
Ein starrer Blick in den Spiegel und dann auf die auserwählte Stelle ihres Armes. Sie setzte an, atmete tief aus und zog durch. Sie spürte ein eigenartiges Kribbeln. Sie schnitt weiter. Als ihre Augen das Blut erblickten, durchfuhr sie eine heiße Welle der Zufriedenheit. Ihr Verstand wurde an die Decke katapultiert und sie sah nichts mehr.
Nach ein paar Sekunden sah sie ihren Körper, wie er da vor dem Spiegel stand, die Klinge in der Hand. Dann plötzlich ebbte die Euphorie wieder ab.
Sie fand sich wieder. In ihrem Körper, vor ihrem Spiegel. Der Boden voller robinroter Punkte.
Beschämt senkte sie die Lider.
All der Schmerz kehrte wieder heim, nichts war anders. Nichts war besser geworden. Doch sie konnte es nicht lassen.
Es ist die Sucht die sie am Leben hält und jene die sie wieder fällt.
Wie sie sich dafür hasste!

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Kommentare

Johannes schrieb am 2009-11-08 10:44:49:
Deine Geschichte ist gut geschrieben, weiter so.
wölfin007 schrieb am 2006-08-05 20:50:27:
wow! toll beschrieben.man kann es sich richtig gut vorstellen.=) schau doch mal wenn du lust hast bei meiner geschichte vorbei die ist auch nicht ohne^^..du findest sie unter " aus dem leben" und dann "schmerzen" und da die geschichte "was an weihnachten geschah" wär schön auch mal kritik zu bekommen=)ich hab ja noch keine bekommen.naja..mal sehen=)viel erfolg sonst noch!
lg die wölfin

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