Duft der Zitronen
von
Dirängoli
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der niedrigen Decke stauten. Das schwache Deckenlicht konnte den Raum kaum mehr ausfüllen, obwohl ich die kalten Wände schon wenige Meter neben mir spürte. Es war vollkommen still. Ich vernahm nur das rauchschwere Atmen meines Gegenübers. Und das dumpfe Ticken der großen Wanduhr. Müde schleppte sich der Zeiger übers Ziffernblatt. Oder lief er gar entgegen dem Urzeigersinn?
Rost und Staub rankten sich um die dünnen Fensterstäbe, die in die grauen Steinmauern eingelassen waren.
Mit beiden Händen fasste ich die Tischkante, als sich ein mächtiger Sturm erhob. Die eisernen Türen standen offen und die kühle Morgenröte fiel grell durch die Fenster. Ein letztes Mal krallte ich meine Finger in die Vergangenheit, wohl wissend dass jede Anstrengung erfolglos bleiben würde, dann ergab ich mich einem sanften Windstoß und fand mich im nächsten Moment auf einem Hügel oberhalb der Stadt wieder.
Am Horizont blühte die Sonne nun zu einem Feuerball auf und überzog die ausgefransten Wolkenfasern mit ihrem roten Schleier. Immer wieder formte der unaufhörlich peitschende Sturm einige hellblaue Flächen, worauf sich weiße Wasserstraßen abzeichneten, die sich pfeilgerade über den Himmeln zogen. Die Straßen meiner Stadt lagen noch im Schatten der hohen Häuserfassaden, nur der alte Ahornbaum schwankte im kühlen Westwind. Auf der Straße schieben sich die Autos entlang. All die Geschäftsleute, die ihren Wohnsitz in einer der umliegenden Dörfer haben und nun in die Stadt fahren um zu arbeiten. Es gab eine Straße, die Richtung Süden führte.
In der Ferne sah ich meinen Kameraden. Er ging - ob er mir folgte oder sich von mir entfernte, konnte ich in diesem Moment nicht erkennen.
Im Herbst träumte ich davon, aufzubrechen, wenn der erste Schnee käme. Nun spüre ich den frischen Frühlingswind an meiner Nasenspitze kitzeln. Das helle grün der Wiesen und das klare Blau des Baches verströmen langsam mit meinen Gedanken. In einiger Entfernung erhebt sich ein Wald, in blassem Grau gezeichnet. Über den hohen Wipfeln schieben sich dicke Wolkenballen übereinander und türmen sich schließlich in wildem Tanze. Ob ich mich nach einem Dach sehnen werde, wenn die ersten Regentropfen fallen?
Ich gehe meinen Weg. Längst vernehme ich den Duft der Zitronen - in den verborgenen Weiten des Horizontes.
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Kommentare
thecos.silvereagle@gmx.net schrieb am 2008-01-17 22:37:13:
Hi Andreas,
ich habe deine Kurzgeschichte gerade gelesen und bin äußerst fasziniert von deinem eigenen, individuellen und sehr sympatischen Schreibstil, der zusammen mit deinen Worten die Gefühle und eindrücke sehr gut wiederspiegelt. Ich war sehr gefesselt. Es ist nicht wirklich ein Thema, das ich beschreiben würde, aber mir gefällt die geschichte trotzdem. Ist das deine einzige Kurzgeschichte? Zumindest habe ich auf dieser Seite keine mehr von dir gefunden.
Mach weiter so,
Thecos Silvereagle.
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