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Kategorien > Humor > Satire

Duldungsstarre bei weiblichen Schweinen

von Fred Lang

Wie Eingeweihten bekannt, bewirkt ein Duftdrüsen-Sekret des Ebers bei brünstigen Säuen eine völlige Apathie.
Für seine eindeutigen Absichten ist das eine sehr geeignete Verhaltensweise, kann er sich doch erst jetzt seiner immer schönen und auch so wichtigen
Lieblingsbeschäftigung ungestört widmen. Es handelt sich hierbei um die
so genannte "Duldungsstarre".
Nach neuesten Forschungsergebnissen aus den USA steht nun eine im
zwischenmenschlichen Bereich anwendbare Variante des schweinischen Duftstoffes in Kürze vor dem Durchbruch.
Allerdings regen sich schon erste Proteste gegen die Markteinführung.
Ethisch, moralische Bedenken sind auch angebracht, wenn man bedenkt, dass in
der praktischen Anwendung dem menschlichen Eber nur wenige Tropfen
genügen, um ungehemmt und hemmungslos seinen schweinischen Trieben frönen
zu können.
Nach allerneuesten Forschungsergebnissen - diesmal aus Belutschistan - arbeitet eine sehr engagierte Gruppe von Forscherinnen an der Extrahierung eines Duftdrüsensekrets - nun aber vom weiblichen Schwein - , welches dem
schnüffelnden Eber Lustmangel und fehlende Empfängnisbereitschaft
signalisiert. Bisher haben die Eber entsprechend reagiert und sind leicht frustriert davon gezogen.
Wie sich allerdings Versuchspersonen männlichen Geschlechts verhalten werden, ist noch nicht endgültig geklärt. Es steht zu vermuten, dass zumindest einigen Exemplaren dieser Gattung die vom Objekt ihrer Begierde vorgetäuschte Lustlosigkeit oder gar die mangelnde Empfängnisbereitschaft völlig schnuppe sind, und sie sich ganz auf die Wirkung ihrer eigenen, vermutlich teuren Tropfen, verlassen werden.
Nun ist es auch nicht jedermanns Sache, sich mit einer erstarrten und völlig
apathischen Frau zu vergnügen und was einem Schwein recht ist, sollte einem
Menschen nicht billig sein. Was würde uns sonst von den im übrigen recht
sympathischen Tieren unterscheiden?
Inzwischen ist ja bekannt, dass das schweinische Herz dem menschlichen aus
medizinischer Sicht sehr ähnelt, ja, dass sogar schon Transplantationen von
fortschrittlichen Chirurgen ins Auge gefasst werden. Bisher allerdings nur in einer Richtung, nämlich zum Wohle des menschlichen Patienten und nicht umgekehrt!
Warum eigentlich nicht? Die Frage sei erlaubt, aus welchen ethischen oder
moralischen Gründen man einem armen, herzkranken Schwein das lebensrettende menschliche Gegenstück nicht implantieren sollte. Zumal alle
schweinischen Menschen ja sowieso schon ideale Voraussetzungen erfüllen und post mortem wenigstens einmal etwas Gutes bewirken könnten.
Man wird dann allerdings damit rechnen müssen, dass bestimmte - mehr
wirtschaftlich orientierte - Gruppen sich vehement gegen diese humane Idee
wenden werden. Ich denke da natürlich in erster Linie an die Fleischwarenindustrie,
die starke Umsatzeinbußen befürchten muß.
Wer ißt noch Schweinefleisch, wenn in der Brust des ermordeten Tieres ein
menschliches Herz geschlagen hat? Im umgekehrten Fall könnten nur Kannibalen
die Frage definitiv beantworten, die aber schon rein zahlenmäßig für die Industrie nicht so wichtig sind.
Wie man sieht, ist das ganze Thema sehr komplex und meine Anmerkungen dazu
sind nur als kleines Mosaiksteinchen im großen Puzzle gedacht.
Vielleicht ist eine verständnisvollere Einstellung gegenüber unseren schweinischen Artgenossen ein erster Schritt zur Annäherung.

Fred Lang



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