Dunkle Gedanken (Kapitel 12)
von
Elina
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Ich nahm seine Hand und ließ mir aufhelfen. Die ganze Klasse starrte uns beide an und in ihren Gedanken konnte ich ihre Eifersucht und Skepsis hören.
Selbst Ben sah ihn prüfend an.
Wer zum Geier ist dieser Typ?! , dachte er irritiert.
In dem Moment kam unser Klassenleiter ins Zimmer und bat die Klasse um Ruhe.
Er winkte Pit heran und schrieb seinen Namen an die Tafel.
Dann räusperte er sich und verkündete: „Also, das hier ist Pius Meinhardt, er ist von Amerika hierher gezogen und wird jetzt in eure Klasse gehen.“
Über Pits richtigen Namen lachte die ganze Klasse. Pius, fromm, wie wir es in Latein gelernt hatten. Klar, dass das so witzig war für einen Jugendlichen. Kein Wunder, dass er sich Pit nannte.
Der Lehrer fixierte mich. „Wie ich sehe, habt ihr euch schon kennen gelernt. Und da du ja auch die Klassenbeste bist, sorge bitte dafür, dass er sich hier schnell wohlfühlt, ja? Damit meine ich auch eine Einführung ins Schulgebäude.“
Was hat das damit zu tun, dass ich die Klassenbeste bin? Tessas und Emilies Gedanken nach dachten sie gerade dasselbe.
Pit kam zu mir und umarmte mich lachend. “Oh, thank you, my tourguide!“
Er kam also wirklich aus Amerika, das hörte man an seinem Akzent.
Aber tourguide? Was denkt der, wer ich bin?! Meinte er wirklich, ich lief mit ihm durch die ganze Schule?
Ben stand auf. „Ich… ich würde ihn gerne herumführen!“, bot er an.
Häh?!
Ich starrte ihn verdutzt an, genauso wie alle anderen. Pit lachte, mich immer noch im Arm haltend und hob den Daumen hoch. „So ist das also…“, murmelte er.
Der Kerl will was von ihr und es macht ihn rasend, mich mit ihr zu sehen, dachte er sich grinsend.
Ich hüpfte einen Schritt zurück.
Oh mein Gott! Das… was denkt er?!
Ich hielt meinen Arm vor meinem Gesicht, um das Rot zu verdecken und versuchte, ein normales Gesicht zu machen. Nun starrten mich alle an. Mann, war das jetzt peinlich! Was sollte ich jetzt als Ausrede von mir geben?
„Zahra? Was ist los?“, fragte mein Mathelehrer.
„Äh… ich, also… da war ne… Spinne.“, stotterte ich und wurde noch viel röter.
WAS?! EINE SPINNE?! Bin ich noch ganz dicht? Ich war doch keine von diesen kreischenden Tussis!
„A… ha…“, meinte Pit. „Wo ist das Monster? Ich fange es für dich ein!“
Er sah sich um und ich starrte auf den Boden.
Ausrede, Ausrede!
Das Fenster war offen.
„Sie ist aus dem Fenster abgehauen! Gott sei Dank…“, meinte ich und atmete erleichtert aus, nicht wegen der Spinne, sondern weil ich eine Ausrede gefunden hatte.
Ich wusste gar nicht, dass du Angst vor Spinnen hast.
Tessa grinste mich höhnisch an.
Ich streckte ihr unauffällig die Zunge raus.
Unser Mathelehrer räusperte sich laut. Nun sahen ihn alle wieder an.
„Nachdem wir alle Spinnen – und Rundgangsprobleme gelöst haben, können wir ja endlich mit Mathe anfangen.“ Er seufzte erschöpft. „Pius, du kannst dich neben Ben setzten, ich bin mir sicher, ihr werdet euch gut verstehen!“
Pit grinste. „Ja, da bin ich mir auch sicher!“
Der Kerl hasst mich jetzt schon, weil ich das Mädel angefasst hab.
Ich kniff die Augen zusammen und versuchte, diesen Gedanken so schnell wie möglich zu vergessen.
Pit wand sich der Klasse zu, hob eine Hand und sagte: „Hey, ich hoffe, ich werde mich mit euch allen gut verstehen. Nennt mich bitte Pit und nicht Pius, ok?“ Er lachte.
Hm, er war wohl ein ziemlich fröhlicher Typ. Die Mädels flippten aus, die Jungs starrten ihn nicht so begeistert an.
Uiuiui, ihre Gedanken waren ganz schön unschön.
Ich lachte in mich hinein, das konnte ja noch ein interessantes Jahr werden. Und dann sollte er auch noch neben Ben sitzen, dem man es auch ohne Gedankenlesen ansah, dass er nicht gerade begeistert von Pit war.
Aber warum hat er ihm dann angeboten ihn herum zu führen? Hm...
Vielleicht wollte er am Anfang wirklich noch mit ihm befreundet sein?
Wir setzten uns alle wieder. Pit saß schräg hinter mir.
Unser Mathelehrer tauchte in die Welt der Mathematik ein, als ich einen Zettel von hinten bekam.
Hey, hab gehört, du bist die Klassenbeste… wirklich gut! Ich war in Amerika auch der Klassenbeste.
Seid wann bekommst du denn Post?
Emilie grinste mich an. Ich zuckte mit den Schultern.
Er ist echt süß, oder?
Wieder zuckte ich mit den Schultern.
Er hat auch bestimmt Interesse an dir, so wies aussieht.
Und ein weiteres Mal zuckte ich mit den Schultern.
Nun sah sie irgendwie etwas genervt aus. Ja, ich nervte sie mit meinem Schulterzucken.
Ich antwortete dem Zettel:
Ähm, Danke… Für einen Jungen ist es aber nicht schlecht, der Beste zu sein! Wenn du bei irgendwas hier Probleme hast (vor allem mit der Sprache oder den Sitznachbarn ;) ), kannst du immer gern zu mir kommen!
Ich warf ihm den Zettel zu, als Herr Vohl gerade etwas an die Tafel schrieb. Ben sah den Zettel und Pit verärgert an.
Warum schreiben die zwei Zettel?! Sein ärgerlicher Gedanke dröhnte bis zu mir vor.
Pit grinste ihn freundlich an. Ben lächelte säuerlich zurück.
Kurze Zeit später bekam ich wieder einen Zettel:
Danke, ich werde es mir merken! Hast du eigentlich einen Freund?
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Kommentare
lulu schrieb am 2009-09-05 11:57:07:
BItte weiter,toll geschrieben
!!! schrieb am 2009-09-05 11:53:06:
Schnell weiter schreiben
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