Dunkle Gedanken (Kapitel 5)
von
Elina
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Jetzt begann er, seinen Gedanken hinterher zu hängen.
Ist sie nicht die Schwester von Nadine? Sie ist total anders als sie. Nadine ist immer fröhlich und offen, aber sie ist immer so ernst und verschlossen… aber warum?
„Lass die Finger von meiner Schwester!“, rutschte es mir plötzlich heraus. Oh Mist!
Er drehte seinen Kopf zu mir.
Was…? Warum auf einmal? dachte er sich verwirrt.
„Wie kommst du da jetzt drauf?“, wollte er wissen.
Ich umging seine Frage: „Ich habe euch beide heute in der Pause zusammen gesehen. Und ich will nicht, dass du etwas mit ihr anfängst!“
Und warum? Ist sie etwa eifersüchtig…?
Seine Gedanken waren immer die gleichen!!!
„Ich bin nicht eifersüchtig!“, schrie ich hochrot und als ich merkte, was ich gesagt hatte, fügte ich hinzu: „…falls du das denkst!“
Er sah mich überrascht an.
Wow, wenn sie wüsste, dass ich gerade das jetzt gedacht habe.
„Keine Angst, ich will nichts von Mädchen, die gerade aus den Windeln gewachsen sind!“
Mein Kopf wurde leer und reflexartig zuckte meine Hand. Ich gab ihm eine Ohrfeige.
„Wehe, du sagst so etwas noch ein Mal!“, fauchte ich drohend. Wie konnte er so nett zu ihr sein und dann so etwas sagen?! Noch dazu zu mir, ihrer Schwester!
Er rieb sich die Wange.
Sie ist wirklich ganz anders, als ich gedacht hatte.
„Du bist echt anders… als die anderen.“, meinte er ruhig.
Mein Puls war noch immer zu schnell um ruhig zu sein. „Ja, da sagst du mir aber was ganz Neues!“, erwiderte ich pampig. „Das war nicht negativ gemeint!“ Er dachte und sagte dasselbe, es hörte sich an wie unisono. Ich sah wieder in die weiße Schneelandschaft hinaus und flüsterte immer noch angesäuert: „Wie dann?“
Positiv. In Gedanken lachte er. „Du bist doch nicht so unnahbar für wie man dich immer hält.“
Unnahbar? Ich unnahbar?
So wirke ich auf andere? Ich seufzte.
Wieder fing er an, nachzudenken.
Jetzt ist sie beleidigt… hm… wie sie das wohl schafft, so gut zu sein?
„Wie kommt es, dass eine Schönheit wie du so schlau ist?“, fragte er aus diesem Gedanken heraus.
Schönheit! Haha, das ich nicht lache! Das sind wohl seine Standartsprüche.
„Ich habe ein fotografisches Gedächtnis… außerdem kommt es auch viel auf die innere Einstellung an.“, antwortete ich. „Außerdem bin ich keine Schönheit.“, fügte ich trocken hinzu.
Sie hat kein Selbstbewusstsein. Aber trotz Brille ist sie eine der Hübschesten in unserem Jahrgang. Das sie das selbst nicht mitkriegt!
„Du hast kein Selbstbewusstsein. Du bist nicht so hässlich, wie du denkst. Viele Jungs finden das.“ Wieder teilte er mir seine Gedanken mit.
Dieses Gespräch lief in eine Richtung, die mir absolut nicht gefiel. Es war peinlich mit jemandem wie ihn darüber zu reden.
„Sie trauen sich nur nicht, dich anzusprechen, so ernst und verschlossen, wie du bist.“
„Genug jetzt, du tust gerade so, als wäre ich ein abgehobenes Model oder so.“
Er sah mich belustigt an. „Nein, für ein Model bist du viel zu schlau!“ Er lachte.
Der war gut! ,dachte er arrogant.
Ich konnte nicht verhindern rot zu werden. Nein, nein, nein! Ich rieb mir über die Wangen, in der Hoffnung, es wegwischen zu können.
In dem Moment kam unser Biolehrer herein und wand sich an Ben: „Ich habe gerade mit deinem Mathelehrer geredet und er hat gemeint, dass du Nachhilfe brauchst.“
In seinen Gedanken sah ich das Gespräch der beiden. „Wenn er es schon nicht selbst macht, muss ich ihn eben dazu bringen!“, hatte ihm der Mathelehrer erzählt. Ich zuckte zusammen. Dieser Verrückte hatte doch tatsächlich vorgeschlagen…
„… dass du Nachhilfe von der Klassenbesten, Zahra, bekommst!“, beendete der Biolehrer seinen Satz.
Ich sprang schockiert auf. Er sah meinen Blick und meinte beschwichtigend: „Du wirst auch dafür bezahlt!“
Bezahlt? Das hieß, ich musste diesen Trottel zwar ertragen, wurde aber dafür bezahlt? Das wäre wirklich gut, um meiner Familie noch mehr zu helfen. Ich setzte mich wieder. Ben sah mich seltsam an und dachte: Kommt es ihr eh nur auf Geld an? Darum macht sie es, obwohl sie mich sichtlich nicht leiden kann…
„Jeden Donnerstag trefft ihr euch hier und macht Mathe, dann wirst du bald besser werden.“
Mit diesem Satz entließ er uns und ich trottete langsam aus dem Gebäude. „Bist du knapp bei Kasse?“, fragte Ben mit kühler Stimme.
Ich antwortete genauso kühl: „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“ Er lief immer noch hinter mir und schwieg.
„Machst du eh alles für Geld?“, seine schneidige Stimme schnürte mir die Kehle zu. Ich drehte mich um und merkte, wie eine Welle von Trauer und Wut in mir aufstieg. Ich haute ihn wieder ins Gesicht, doch diesmal stärker als zuvor.
Sein Kopf zeigte zur Seite. Mit nassen Augen schrie ich ihn an: „Du kennst mich gar nicht und trotzdem macht du dir ein Urteil über mich! Ich hasse Laute wie dich, die einfach so Menschen in Schubladen werfen!“
Ich drehte mich wieder um, ohne ihn noch mal anzusehen und beschleunigte meinen Schritt. Ich wollte so schnell wie möglich von hier weg. Außerdem wollte ich nicht, dass er mich heulen sah, nein, nicht er!
Es ist als würde er über mich richten, bevor er mich kennt. Es ist, wie wenn jemand an einem Tag ans Meer geht und sagt: „Es ist kalt.“ Und bevor er es an einem anderen Tag getestet hat, geht er nicht mehr hin, weil es ihm zu kalt ist. Dabei ist das Meer nie gleichkalt, genauso wie ich in einer anderen Situation bin wie er.
Als ich endlich zu Hause ankam – es war schon dunkel geworden – war es schon halb sechs.
Hannah kam mir lachend entgegen, ihre Locken sprangen auf und ab, und rief: „Zaza!“
Ich nahm sie in den Arm und lachte mit ihr mit, auch wenn mir eigentlich übel zumute war.
Schon kam Emilie um die Ecke und empfing mich.
Hannah zupfte an meinem Ärmel. „Ich habe Emi beim Spiel geschlagen!“, freute sie sich.
„Das ist toll!“, sagte ich und ging mit ihr ins Wohnzimmer. Emi war Emilies Spitzname.
Dieser Abend war entspannt und ruhig und ich konnte den Tag für eine Zeit vergessen.
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Kommentare
fanpire 1612 schrieb am 2010-04-11 22:46:00:
die idee mit dem gedankenlesen finde ich cool und echt interessant.
aber krass ist es schon, dass Zahra Ben so richtig schlägt xD
ich meine, ich bin in der schule auch nicht die beliebteste und trag ne brille ^-^
und ich höre auch ständig das getratsche aber ich würde niemandem ins Gesicht schlagen, egal wie frech es ist. da würde ich mich ein wenig zurück halten.
aber sonst ist es echt top!
ab zum nächsten kapitel :P
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