Dunkle Geschäfte
von
Kat
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Sein Atem ging ruhig und regelmäßig. Auch sein Gesicht war ausdruckslos wie immer. Ebenso ließ sein Gang nicht vermuten, er könnte aufgeregt sein – geschweigedenn Angst haben.
Das war sein Privileg. Das ermöglichte es ihm, am Leben zu bleiben, obwohl er mit gefährlichen Leuten verkehrte und sein Job nicht gerade etwas für schwache Nerven war. Um Himmels Willen, nicht dass er gerne einen langweiligen Bürojob gehabt hätte!
Ihm gefiel der Reiz und die Action und er war gut, in dem was er machte, aber mit der Zeit zerrte es etwas an den Nerven.
Er wich einem Kaugummi auf dem Boden aus, dann schlenderte Gabriel gelassen an der grauen, mit Graffiti beschmierten Wand entlang und ignorierte das laute, stetige Pochen seines kräftigen Herzschlages. Er durfte sich keine Fehler leisten, oder Schwäche zeigen. Oh, nicht dass er Fehler machte, aber versagen wollte er nicht. Dafür war es zu riskant.
Ein Ast verhedderte sich in seinem pechschwarzen Mantel. Aufgebracht schlug er ihn weg und setzte seinen Weg fort. Er bog um die Ecke und fand sich auf dem Hinterhof eines verlassenen Gebäudes wieder.
Diese Leute suchten sich alle die gleichen Orte aus, um Geschäfte zu machen. Er schmunzelte. Nein, das war zu übertrieben. Seine Mundwinkel hoben sich einen Mikrometer. Im Grunde genommen waren sie alle Feiglinge.
Hier, weitab von der Öffentlichkeit konnten sie ihre dreckigen Spielchen spielen, ohne dass je irgendjemand davon erfuhr. Er rümpfte die Nase, beim Gestank des Hinterhofs.
Gabriel versteifte sich, als er die Präsenz eines anderen wahrnahm. Er war nicht allein. Sein Klient musste vor ihm hier gewesen sein. Respekt, er hatte gelernt sich gut versteckt zu halten, trotzdem überprüfte er, ob er seine Glock griffbereit hatte. Er vertraute niemandem genug, um allein mit ihm rumzustehen, ohne bewaffnet zu sein.
» Ich hatte schon befürchtet Sie würden nie kommen. Hätte ja sein können, dass Sie kneifen. « Ein leises Lachen hallte über den Platz.
Willst du mich verarschen? Sehe ich wie jemand aus, der vor irgendwas davon läuft? Diesen Kommentar verkniff sich Gabriel.
Er ließ sich nicht provozieren. Er drehte sich zu seinem Kunden um und betrachtete ihn mit steinerner Miene.
Er hatte dunkle Augen, gebräunte Haut und rabenschwarze Haare, die er sich großzügig mit Gel hintergekämmt hatte. Er schätzte ihn auf Mitte vierzig. Aber der starke Akzent des Mannes, ließ Gabriel aufhorchen. Spanien, vermutete er.
Doch das war Nebensache. Ihm ging es nur ums Geld.
» Unterbreiten Sie mir ihr Anliegen und dann reden wir über den Preis «, bestimmte Gabriel kalt.
Um die Lippen des Klienten zucke es, aber ein vollständiges Lächeln kam nicht zustande.
Er musterte Gabriel abschätzend bevor er feststellte: » Sie haben sich im Griff und beherrschen ihren Job. Reden nicht viel um den heißen Brei herum. Sie gefallen mir. « Er zögerte, dann sprach er erneut: » Aber nun gut. Reden wir übers Geschäft. Sie müssen jemanden für mich aus dem Weg räumen. Er heißt Sergej Iwanow. Berichten sie mir zuerst eine Woche lang, jede Einzelheit seiner Tätigkeiten. Sollte sich mein Verdacht als richtig herausstellen, erledigen Sie ihn. Ich erwarte sauberes Arbeiten und absolute Diskretion. Ich denke zwölftausend sollten genügen, um sie zu bezahlen. «
Gabriel überlegte kurz und hielt es für eine gute Idee, zuzustimmen, deshalb nickte er nur kurz und abrupt. Dann bekam er einen Zettel mit der Adresse von Sergej in die Hand gedrückt. Er schloss die Finger darum. Ein fahler Geschmack breitete sich in seinem Mund aus.
» In einer Woche treffen wir uns wieder hier und ich will einen Bericht in der Hand halten. Weitere Anweisungen werden sie dann bekommen. « Sein Klient tippte sich zum Abschied an den Hut und verließ den Treffpunkt.
Gabriel atmete tief durch und stopfte den Zettel knisternd in seine Manteltasche. Er wusste, dass dem Mann, egal was er getan hatte, nach sieben Tagen der Tod blühen würde. In Gestalt von Gabriel. Und er war sich sicher, dass egal, wie der Bericht ausfallen würde, er die Anweisung erhalten würde ihn zu töten. So lief das nun mal. Das war der Job und für Gabriel war es zur Routine geworden.
Trotzdem wusste er, dass er irgendwann daran kaputt gehen würde. Wenn man jeden Tag mit dem Tod konfrontiert wurde, härtete es einen ab. Aber mit jedem Mord den er begang, starb ein Teil in seinem Innern ab. Und irgendwann wäre er nur noch eine leere Hülle.
Das Problem war, dass man aus dieser Sache nicht so einfach wieder herauskam.
Außerdem war das alles Nebensache. Er hatte sich schon vor langer Zeit damit abgefunden, als Wrack zu enden.
Damit verließ Gabriel den Hinterhof.
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