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Kategorien > Fantasy > Aus der früheren Zeit

Durch die Blume reden

von Moro

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Sabine marschierte den Weg entlang um die Hexe nach ihrem Bruder Gerald zu fragen. Da kam sie am Haus der Hexe an, und klopfte dreimal laut und deutlich an die Tür. Die Tür öffnete sich mit einem lauten Knarren und eine kleine, alte Frau von ungefähr 65 Jahren schaute Sabine mit erhobener Faust an und fragte erbost: „Was willst du hier?“

Alles begann als Sabine eines Nachts aufwachte, und ihr Bruder spurlos verschwunden war. Sofort zog sie sich an und lief in die Lieblingskneipe ihres Bruders. Sie konnte ihn dort nicht finden, doch der angetrunkene beste Freund ihres Bruders erzählte etwas von einer Wette mit Wölfen und dem Finsterwald.
Sie rannte zum Finsterwald, so schnell sie ihre Beine nur tragen konnten, doch es reichte nicht. Sie fand nur noch den zerfleischten und blutüberströmten Leichnam ihres Bruders, an dem man die Bissspuren noch deutlich sehen konnte. Nachdem sie sich ausgeweint hatte, machte sie sich auf zur Hexe, auf deren Frage sie nun mit, „Ich will meinen Bruder aus dem Reich der Toten holen, und du sollst mir helfen.“, antwortete. Die Hexe, die angesichts des klingenden Geldbeutels von Sabine ihre Unfreundlichkeit abgelegt hatte, bat sie herein und erzählte ihr von der jähzornigen Göttin Christina, die in der Wut ihren Gatten erschlagen hatte und danach aus Trauer die Kunst des Wiederbelebens gelernt hatte, um ihn wiederzubeleben.
Nur sie könne Sabine helfen, und so zog Sabine, nicht ohne einen Großteil ihres Geldes dazulassen, Richtung Norden, zur Höhle der Göttin. Nach einigen rastlosen Tagen kam Christina bei der Höhle an, die wie ein Auge eines Totenschädels im Fels klaffte. Sie betrat die Höhle mit Beinen wie Wackelpudding und in die Höhe stehenden Haaren. Sofort als sie die Höhle betreten hatte, wurde diese mit seltsam rotem, alles durchdringendem Licht beleuchtete. Sabine wollte ihre Augen schließen, doch das Licht war in einer seltsamen Form angenehm. Da sah sie eine Blume auf einem rubinrotem Podest, dass sie nach angestrengtem betrachten tatsächlich als Rubinpodest identifizieren konnte.
Die Blume, eine blutrote Rose, begann auf einmal zu leuchten und sie hörte eine hallende Stimme drohen: „Sprich und trage dein Anliegen vor, oder du wirst die Macht der Natur zu spüren bekommen!“ Sabine, erschrocken von der Stimme, rief sich die Aussage der Hexe in Erinnerung, und sprach so vorsichtig wie möglich zu der Göttin: „Ich entschuldige mich, oh Christina, dich in deiner Meditation gestört zu haben, doch ich möchte dir ein Anliegen vortragen, dass mit Tod und Dummheit zu tun hat, und dass du sicher nicht billigen würdest!“
Die Göttin, immer noch sehr wütend über die Störung, fragte Sabine nach ihrer Gewissheit hinsichtlich der Billigung des Verbrechens, und Sabine, erschöpft von der tagelangen Wanderung, von der Dummheit ihres Bruders und der Geldlust der Hexe, wurde die Zurückhaltung zur Qual, und platzte heraus: „Ach komm schon, du bist doch nur eine Göttin, kannst du mir nicht einfach helfen?“ Da wurde das Licht in der Höhle noch roter, als würde man eine Infrarotlampe mit 200 Watt statt mit den empfohlenen 100 betreiben, und die Stimme kreischte: „NUR EINE GÖTTIN? WIE KANNST DU ES WAGEN? ICH WERDE DICH DAS FÜRCHTEN LEHREN, ELENDER WURM!“, sie hörte von draußen Explosionen und Schreie, und sie spürte eine seltsame Nässe an ihren Füßen. Außerdem wurde es immer heißer im Raum, und bald dachte Sabine, ihre Haut würde in Flammen stehen.
Panik kam in ihr auf, wahre Todesangst, und ihr Gesicht, verzerrt von Hitze und der Angst vor der steigenden Flut in der Höhle, schrie, in ihrer Angst unfähig, wohlartikulierte Sätze zu bilden, „Bitte, vergib mir meine Dummheit, ich bin doch nur ein Kind, diese Hitze, ich wollte dich nicht beleidigen, bitte vergib mir!“, doch das letzte Wort endete in einem Blubbern, da das Wasser mittlerweile ihr Gesicht erreicht hatte. ´
Panikartig wedelte sie mit ihren Armen und Beinen, riss die Augen auf, sah das mittlerweile grüne Licht und hörte die Stimme hallen: „Ich denke, du hast nun genug gesühnt, ich werde dir helfen, deinen Bruder zu finden. Erzähl mir nur noch von dem Objekt deiner größten Angst, und ich werde das ganze hier enden lassen.“ Sabine, die ihren Mund aufriss, doch wegen des Wassers nichts sagen konnte, am Ertrinken war, und auch den leichten Anflug von Verschlagenheit in der Stimme der Göttin nicht hörte, dachte, so stark sie konnte „Ratten, Ratten, Ratten, nur Ratten, doch hol mich hier raus, hol mich hier raus! Ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe“! und die Göttin kreischte ihre Antwort, mit nun unverhohlener Verschlagenheit in ihrer Stimme: „Glaubst du wirklich, dass ich dich nach dieser Beleidigung heil hier rauslasse?“
Das Wasser, die Explosionen, die Schreie und die Hitze endeten, doch dafür war Sabine nun von Ratten umzingelt, die hässliche kleine Sorte, denen man alles zutraute. Sie kamen in Ringform immer näher, und Sabine konnte nichts sagen, nichts bewirken, sich nicht bewegen, und überhaupt nur ein Gedanke ertönte in ihrem Gehirn, immer und immer wieder, und jedes mal lauter.
„RATTEN!“
Schwärze umhüllte ihren Körper, nur die Blume war zu sehen, und nun erkannte sie, woher die Rose ihre blutrote Farbe hatte: Sie bestand aus Blut. Eine sanfte Stimme ertönte von überall her und übertönte die wirren Gedanken in Sabines Kopf: „Ich werde dir helfen, doch nur unter der Bedingung, dass ich dabei keine Menschen wiederbeleben muss. Ich hasse Wiedergeburten, sie sind immer so anstrengend und bringen mich durcheinander. Also, was willst du? Sprich!“ In Sabines Kopf raste es. All die Qualen, Schmerzen und Enttäuschungen, und nun dies! War etwa alles vergebens gewesen? Doch da kam ihr eine Idee: „Na ja, es ist kein Wiederbeleben, es ist nur eine Art Reparation. Ich habe meinen Bruder durch eine Wette verloren, und ich würde ihn gerne so begraben wie er war. Du müsstest nur seine Körperteile zusammenfügen, er währe dann nur eine leblose Leiche, nichts besonderes. Kannst du das für mich tun?“
Die Hexe überlegte lang, und schließlich entschied sie, dass dieser Wunsch nicht unter Wiederbeleben fiel. Dann verfiel sie in Schweigen, und nach etwa fünfzehn Minuten teilte sie Sabine mit, es geschafft zu haben. Sabine, die ihren Bruder lebendig wiederhaben wollte, fragte die Hexe noch, und sie tat es so nebenläufig wie möglich: „Kannst du nun sein Herz wieder zum Schlagen bringen? Ich mag es nicht, wenn die Leichname immer so starr sind, und dies würde ihn weich halten.“
Die Hexe, die von Menschen keine Ahnung hatte, willigte ein und verfiel noch einmal für fünfzehn Minuten in Meditation. Schließlich teilte sie Sabine auch die Erledigung dieses Ansinnens mit, und Sabine atmete erleichtert auf. In ihren Gedanken waren die Erinnerungen an die Pein und Qual der vergangenen Stunden schon vergangen, und sie dankte der Hexe überschwänglich. Schließlich verließ sie die Höhle und wanderte nach Hause. Dort begrüßte sie ihren Bruder, erzählte ihm ihre Geschichte, und alles war gut.

Generationen wurden

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