Durch die Nacht
von
Trevor Taborowski
1
Durch die Nacht
Durch die Nacht. Die bitter kalte Nacht. Doch er spürt nix. Der Wind bläst stark und lässt jeden frösteln. Doch ihn nicht. Er stürmt dahin. Vorbei an Kiefern und Mammutbäumen. Der Waldboden fühlt sich gut an, unter seinen Füssen. Er spürt die Natur, ist eins mit ihr. Zurück geworfen in alte Tage wo die Menschen noch keine Schuhe kannten und durch die Wildnis liefen, um zu jagen. Auch er war auf der Jagt, doch er wusste noch nicht wonach. Er lief Nackt und doch war er bedeckt. Der Mond drang durch die Baumwipfel und zeigte ihm den Weg. Den Weg durch den Wald, der ihm doch eigentlich so fremd sein sollte. Doch nicht heute Nacht, nicht an diesem schönen kühlen Herbstabend.
Immer weiter und immer tiefer trieb ihn der Instinkt in den Wald. Er rannte so schnell wie er noch nie gerannt war. Alles schnellte an ihm vorbei und die Eindrücke der Nacht konnte er kaum verarbeiten. Sein Verstand schien eh nicht zu funktionieren. Er hatte nicht die Handlungsgewalt. So kam es ihm zu mindestens vor. Was tat er hier? Warum lief er durch den Wald? Mitten in der Nacht und warum fror er nicht? Er blickte an sich herunter und sah was er geworden war. Angst und Bewunderung mischten sich und wurden zu einem neuen Gefühl. Selbstbewusstsein. Er erkannte seine neu Gestallt und die damit verbundene Macht.
Jetzt würde ihn keiner mehr klein machen. Niemand würde es wagen ihn zu Mobben. Keiner dieser Idioten. Sie hätten jetzt Angst, wie er einst vor ihnen. Wie viel musste er ertragen, weil er kein Sportler war und keine Markensachen trug. Er war eigentlich ganz normal. So wie alle anderen, doch einfach nur da. Doch er war das Opfer ihrer schlechten Streiche, die nur ihre Unzufriedenheit mit sich selbst wieder spiegelten. Er musste herhalten für ihre Unterhaltung. Doch jetzt war Schluss damit. Jetzt saß er am Drücker und sie würden diese Nacht nicht mehr vergessen, keiner von ihnen.
Er gewann die Kontrolle über das was er war und steuerte nun selbstsicher sein neues Ziel an. Sein Rachegelüst wuchs und er legte noch mal an Geschwindigkeit zu und machte riesige Sätze. Er hielt auf den Black Hill zu. Hier gab es eine Terrasse mit einem steilen Hang, von wo aus man eine schöne Sicht auf den Sternen erfüllten Himmel hatte. Dort gab es ein Parkplatz. Ein beliebtes Plätzchen für verliebte Teenies. Wen er dort finden würde wusste er genau. Seine Peiniger der letzten 2 Jahre. Gegen die niemand etwas unternommen hat. Nicht einmal seine Eltern. Das würde er jetzt ändern. Er sah sie vor sich, ihre entsetzen Blicke. Sie würden vor ihm fliehen und sich dabei in die Hose machen. Bei der Vorstellung seiner Opfer, überkam ihn ein komisches Gefühl, das nicht angebracht war. Er verspürte hunger. Hunger nach frischem Fleisch. Sein Ziel war fast erreicht. Er wurde langsamer und versuchte zu schleichen, so gut es seine riesigen Füße ihm erlaubten. Unbemerkt pirschte er sich an den Parkplatz ran und er kannte sofort zwei Autos. Mark Thimber und Jason Mash. Sie waren beide hier, wie auf dem präsentier Teller und nichts ahnend. Seine Instinkte überkamen ihn und er fletschte die Zähne. Rasiermesser scharfe Reiszähne blitzen im Mondlicht. So groß wie ein Zeigefinger eines Mannes. Seine Persönlichkeit ging nun endgültig verloren und ein riesiges Tier schlich nun an die Wagen ran, auf der Such nach Beute. Die darin knutschenden Pärchen merkten nichts von all dem.
Die Kreatur hockte auf seinen Hinterläufen, bereit anzugreifen. Los zu stürmen und seine Beute in Einzelteile zu zerlegen. Es rannte los und kurz hinter dem Auto sprang es in die Luft und krachte mit beiden Hinterbeinen, durch das Autodach, von Mark. Lisa Stone neben ihm, war auf der Stelle tot. Die Krallen der Hinterläufe, durch drangen ihren Körper wie Butter. Ihr Torso war nur noch Brei und Blut spritze aus ihrem Mund. Mark hielt beide Arme schützen vor seine Gesicht und pisste sich in die Hose. Die Kreatur roch es und schien zu grinsen und zeigte erneut seine riesigen Zähne. Der Footballspieler wurde von zwei gigantischen Händen in die Luft gehoben, als würde er nichts wiegen. Die Krallen an den Händen bohrten sich tief in seinen Brustkorb, bis in die Lunge und er hustete Blut. Seine Augen waren weit aufgerissen und spiegelten blankes entsetzten wieder, als der letzte Atemzug aus seinem warmen Körper drang. Die arme des 100 kg schweren Footballspielers hingen schlaf herab und Blut tropfte von seinen Fingerspitzen.
Aus dem anderen Auto erklang ein entsetzen Schrei. Jill Parker blickte, durch die Scheibe auf das schreckliche Bild, das sich ihr bot. Jason fummelte wie wild am Zündschloss rum und versuchte den verdammten Wagen zu starten. Der alte Dodge wollte nicht starten und verweigerte ihm das Fliehen. Das entkommen des Todes, der in Gestalt einer riesigen haarigen Kreatur, den Leichnam seines besten Freundes, tot in den Händen hielt. Der Vollmond im Hintergrund des Werwolfes veranlasste ihn zum aufheulen. Jasons Nackenhaare stellten sich auf und noch immer nicht sprang der Wagen an. Jill war nur noch am kreischen, was den Werwolf rasen machte. Er schleuderte den Leichnam gegen das Auto und widmete sich nun seinen neuen Opfern. Jasons Augen weiteten sich, als sein Kumpel an seine Tür krachte. Das gewaltige Tier bewegte sich langsam mit fletschenden Zähnen auf das Auto zu. Endlich das Geräusch des startenden Motors. Das Tier machte riesen Sätze in Richtung Auto.
1
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen