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Kategorien > Krimi > Kurzgeschichte

EINE COLT FÜR ALLE FÄLLE Fall 1

von Morgaine

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EINE COLT FÜR ALLE FÄLLE
FALL: I


Eine Kriminalgeschichte
Von
Gerlinde Kenkel



Ich heiße Colt, Samantha Colt.
Ich bin Polizistin. Genauso eine plattfüßige Schnüfflerin, wie mein Vater einer war.
Geboren wurde ich in einer kleinen Stadt in Utah, dem Mormonenstaat, sie wissen schon. Dort gab es für meinen alten Herrn nicht viel zu tun, und so zogen wir nach Salt Lake City, der Hauptstadt.
Er wurde dort Polizist, und weil er hin und wieder was trank, was diese bigotten Mormonenfurze nicht mochten, feuerten sie ihn.
Ich war damals gerade zwölf, und unsterblich in meine Englisch- Lehrerin Mrs. White verliebt. Sie war auch eine Mormonin, wie die meisten Einwohner dieser Stadt.
Jeden Morgen pflückte ich für sie Blumen, oder klaute sie vom Friedhof, der nicht weit von unserer Wohnung war. Ich putzte die schmierige Tafel ab oder holte für ihr Meerschweinchen Alfred frisches Wasser und Salatblätter. Tja, so verschossen war ich in sie!
Es wäre auch nie was passiert, wenn ich nicht dauernd auf ihren mächtigen Busen gestarrt hätte.
Sie bat meinen Dad in die Klasse, und sagte ihm, ich wäre pervers und unmoralisch, und solle in psychiatrischer Behandlung.
Er tat das nicht, sondern zog mit mir nach New York. Seither kann ich Mormonen und Bigotterie nicht leiden.
Hier ging ich zur NYPD, der besten Polizeitruppe der Welt!
Und hier begegnete mir auch Sabine.
Sie kam aus Deutschland, und arbeitete als Ärztin in einem Krankenhaus.
Ein verrückter Verehrer hatte ihr ins Bein gestochen, und sie kam ins Präsidium an meinen Schreibtisch. Er war nicht aufgeräumt, wie üblich.
Halbleere Bierdosen lagen in schönster Eintracht mit einer Pappschachtel von Joe`s Pizza Service, und dem Obtuktionsbericht eines jungen Weißen, dessen Tod eine verirrte Kugel zu verantworten hatte.
Das Protokoll aufzunehmen dauerte etwas über dreißig Minuten, sich in sie zu verlieben zwei.
Ich fuhr sie in meinem Dienstwagen nach Hause, galante Butch, die ich nun mal bin. Sie wohnte in einem kleinen Haus bei einer älteren Lady zur Untermiete, die mich sofort neugierig beäugte.
Ich mußte ihr zugesagt haben, denn sie brachte mir eine kühle, selbstgemachte Limonade, nebst Schokoladenkeksen. Sie sah mich unentwegt an, blickte zu Sabine, und sagte:“ Mrs. Sacher. Bitte denken sie daran, das nach neun Uhr auf den Zimmern kein Herrenbesuch mehr
erlaubt ist“.
Herrenbesuche? Die Lady braucht wohl ne neue Brille! Sabine kicherte, sagte aber nichts.
„ Mrs. Sacher. Dieses ist ein anständiges Haus! Es gibt keinen Grund, darüber zu lachen“, erwiderte ihre Landlady empört.
Ich wollte mich als Aufklärerin dieser geschlechtsfehlinterpretierten Situation betätigen, doch Sabine hielt mich zurück. Mit einem leichten Wink gab sie mir zu verstehen, das ich ihr auffällig unauffällig in ihr Zimmer folgen sollte, was ich mit einem breiten Grinsen in meinem nicht minder voluminösen Gesicht, auch ohne Widerspruch tat.
Ihr Zimmer war in der ersten Etage. Für meinen Geschmack etwas klein, aber sehr gemütlich.
Ein kleines Bett mit Metallstreben war ebenso vorhanden, wie ein Schreibtisch, zwei etwas wackelige Stühle, und einen alten, durchgeseßenen Sessel, in denen selbst Abraham Lincoln schon gesessen haben könnte.
Sabine bat mich, Platz zu nehmen. Während ich es mir auf dem Stuhl gemütlich machte, ging sie an den Schreibtisch, und holte eine Packung Brownies heraus, die sie auf einen kleinen Teller dekorativ in Sternenform legte.
Ich liebe Brownies, diesen saftigen Schokoladenkuchen, die so herrlich am Gaumen kleben. Woher wußte sie das nur?
Sie reichte mir den Teller, und ich nahm mir, bescheiden wie ich nun mal bin, nur zwei Stück davon.
„ Officer Colt. Was geschieht jetzt mit Dr. Klein? Wird er jetzt verhaftet?“
„ Nun“, erwiderte ich, „erst müssen wir ihn festsetzen, und dann kommt er vor einen Richter, der die Kautionsfrage beantworten wird. Entweder kommt er sofort in den Knast, oder auf Kaution frei“.
Sie schluckte, und ihr Gesicht wurde aschfahl.
„ Heißt das, er kann mir wieder was antun? Dann bin ich ja meines Lebens nicht mehr sicher!“
„Bei Stalkern wie dieser verrückte Doc, kann das durchaus passieren. Die beste Art, sie für immer zu stoppen, ist. Ihm eine Kugel zu verpassen. Oder wir erwischen ihn auf frischer Tat, dann wandert er garantiert in den Bau!“
Sie erbleichte. Angstperlen flossen ihrer Stirn hinunter. Sie blickte mich an. Auf eine Antwort wartend, die ihr diese Angst nahm.
Ich lächelte sie an, um ihr Vertrauen in unsere fabelhafte NYPD und unser Rechtssysthem zu geben. Sie war eine Ausländerin, und fremd hier. Sie brauchte Hilfe und Schutz, und ich war frau genug, dafür zu sorgen, das sie ihn bekam.
Ich schaltete mein Sprechfunkgerät auf meiner Schulter an, und bat meinen Captain, mich vom Rest des Dienstes heute zu befreien.
Er war brummig wie immer. Aber als ich ihm sagte, dass ich für die Sicherheit einer Touristin sorgen wollte, die brutal überfallen wurde, stimmte er mir mürrisch zu.
Als ich dann Sabine erzählte, dass sie ab jetzt einen eigenen Bodyguard hätte, war sie sehr erleichtert.
Mein süßer fetter Arsch tat von dem vielen Sitzen schon ganz weh. Wäre der ein Beefsteak, wär’s gut abgehangen, dachte ich bei mir. Göttin, war der Stuhl auch unbequem zum sitzen. Sowas ist ein Folterinstrument, und gehört auf eine Verbotsliste!
„ Möchtest du woanders dich hinsetzen? Vielleicht in den Sessel?“
„ Lieb von dir. Aber ich würde gerne auf deinem Bett sitzen. Ich glaube, mein Po braucht jetzt ne Abwechslung“.
Sie lachte.
Ihr Lachen war so erfrischend offen, so herrlich unkompliziert und frei. Nicht so affektiert und gekünstelt, wie ich es bei vielen Frauen hörte. Frauen, die in den Geschlechtsrollenklischees des Patriarchats so gefangen waren, das sie ihr Sklavinnendasein
niemals bemerken würden, selbst wenn sie mit der Nase darauf gestoßen würden.
Ich liebte dieses Lachen, und hätte ich mich nicht schon in sie verliebt, wäre es spätestens in
diesem Augenblick geschehen.
„ Wie heißt du eigentlich richtig? Doch nicht „Officer Colt“? Du heißt doch bestimmt anders!“
„ Mit Nachnamen heiß ich wirklich „Colt“ Einer meiner Vorfahren hat diese Kanone erfunden. Er hieß mit Vornamen „Sam“, und da es in unserer Familie Tradition ist, den Erstgeborenen auch Sam zu nennen, ich aber unzweifelhaft ein Mädchen war, wurde ich „ Samantha“ getauft. Aber alle nennen mich „Sam“. Ist auch kürzer. Außerdem mag ich den Namen. Wegen der Tradition, weißt du“.
„Wie bist du Polizistin geworden?“
„ Mein Vater war einer, ebenso sein Vater und er Vater vor ihm. Wir lieben alle unseren Beruf! Warum bist du denn Ärztin geworden?“
Ihre Augen leuchteten so, wie es bei Menschen immer leuchtet, die über etwas sprechen, was sie lieben.
„ Als ich ein kleines Mädchen in Berlin war, brachte ich immer ein verirrtes und verwundetes Tier mit nach Hause, um es zu pflegen. Und ich gab nicht eher Ruhe, bis mein kleiner Patient wieder gesund war.“
„ Und was geschah als du größer wurdest?“
„ Ich

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