EINE COLT FÜR ALLE FÄLLE Fall 1
von
Morgaine
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und schloß hinter sich die Tür.
Ich setzte sie auf ihr großes Bett, mich daneben, und nahm sie in den Arm. Minutenlang saßen wir so, wortlos, nur von ihrem leisen Wimmern unterbrochen.
Sie konnte jetzt nicht darüber reden, das wußte ich. Was sie jetzt brauchte, war eine Freundin. Die bei ihr ist und sie versteht.
Und diese Freundin, wollte ich ihr gerne sein.
Aber die ganze Zeit beschäftigte mich eine Frage: „Warum hat sie ihn angegriffen, und ihr eigenes Leben riskiert?“
Wenn ein Cop wie ich das tue, ist es mein Job. Die Menschen erwarten es von mir! Aber sie?
Sie drehte langsam ihren Kopf zu mir, lächelte mir zu, und legte ihren Kopf auf meine Schulter. Ihre warme und weiche Haut fühlte sich phantastisch an, und der sinnliche Hauch ihres Parfüms tat ein Übriges.
Ich schloß die Augen, um sie noch intensiver wahrzunehmen.
„ Sam“, fragte sie mich zögernd, und holte mich aus dem Reich der Träume.
„Ja Sabine. Was ist?“
„Bist du lesbisch?“
Diese Frage überraschte mich sehr. Ich hatte mich noch nicht geoutet, weil die lieben Kollegen ganz schön homophob sind, und nur mein Vater weiß, dass ich eine Lesbe bin.
„ Warum fragst du?“
„Ich hab die doch von meiner ersten Mentorin erzählt. Aber ich habe dir nicht alles erzählt“.
Also doch, da war doch noch was, ganz wie ich vermutete.
„ Und?“
„ Sie ist eine Lesbe, und hatte sich in mich verliebt. Und mit der Zeit ich mich auch in sie“.
Es überraschte mich nicht im Mindesten. Hatte ich doch als gute Spürnase mir sowas schon gedacht.
„ Wir trennten uns damals, als ich nach New York kam, um mich beruflich weiterzuentwickeln. Ich dachte, mir würde so eine tolle Frau wie ihr nie mehr begegnen. Und
dann traf ich dich. Ich habe mich in dich verliebt, Sam!“
Ich bin sonst nicht auf den Mund gefallen, aber damals war ich das schon! Sie machte mir eine richtige Liebeserklärung! Und sie sah mich dabei so liebevoll und verletzlich an, dass ich nicht anders konnte, als ihr Gesicht mit tausenden von heißen Küssen zu bedecken.
Wir küßten uns leidenschaftlich.
„Also deshalb hast du dich dem Doc entgegengeworfen. Du wolltest mich heil und in einem
Stück bekommen“.
„ Genau“, sagte sie. „ Damit ich genug zum lieben habe“, sagte sie grinsend, während sie meinen ekstatischen Körper weiter mit Küssen bedeckte.
Sie hielt plötzlich inne, so als ob sie über etwas nachdachte. Schweigend kuschelten wir uns aneinander.
Ich wußte, dass ich ihr Zeit lassen mußte, nachzudenken. Sie würde mit mir schon reden, wenn sie soweit war.
Nach einer Weile drehte sie sich zu mir um, und blickte mich mit traurigen Augen an.
„Liebst du mich auch, so wie ich dich liebe, Sam?“
Warum fragte sie mich das? Zweifelte sie etwa daran?
„Ja, weißt du denn nicht, dass ich dich liebe? Für mich bist du das Beste, was mir seit der Erfindung der Pizza begegnet ist! Und du weißt, wie sehr ich Pizza mag!“
„Ja, aber würdest du New York und dein Land verlassen, um mit mir nach Deutschland, nach Berlin zu gehen?“
Das beschäftigte sie also die ganze Zeit. Sie wollte eine dauerhafte Beziehung, wollte in ihrem Leben Kontinuität und Sicherheit.
Aber konnte ich, Samantha Colt, ein New Yorker Cop mit Leib und Seele, unfähig feste Beziehungen einzugehen, in eine sowohl berufliche wie private unsichere Zukunft gehen?
Eine Stimme in meinem Ohr sagte: „ Verschwinde, solange du noch kannst! Sie will dir deine Freiheit nehmen. Hattest du nicht Spaß mit all den vielen Frauen, die du kennst?“
Innerlich nickte ich der inneren Stimme zu. Ja, Spaß hatte ich weidlich in meinem Leben gehabt. Viele Frauen kannte ich. Sex hatte ich mit fast genauso vielen, und in die eine oder andere war ich auch verliebt. Aber wirklich geliebt, mit jeder Faser meines Herzens geliebt, das hatte ich noch nie!
Bis ich Sabine traf. Diese süße Frau aus good old germany. Und plötzlich wurde mir bewußt, wie sehr ich sie eigentlich liebte, und sie mir fehlen würde, sie nicht mehr da wäre.
Zeit wurde plötzlich nicht so wichtig für mich. Raum empfand ich als relativ. Ich blickte sie an, streichelte ihr dunkelblondes, halblanges leichtgewelltes Haar, berührte ihre hohen Wangenknochen, und küßte ihre ungeschminkten Lippen.
„ Sabine“, begann ich zaghaft, nach Worten ringend, „Ich liebe dich, aber das ist ein großer, ein sehr großer Schritt, den du von mir erwartest. Wir kennen uns kaum. Wir fühlen uns im Moment sehr zueinander hingezogen. Ich habe im Moment vor diesem Schritt noch sehr viel Angst“.
„ Ich habe in Berlin von meinem Opa ein großes Haus geerbt, darin könnten wir wohnen. Und was das Geld angeht, ich verdiene genug für uns“.
„Aber das ist es, was ich nicht will. Ich will nicht auf deine Kosten leben! Mein Leben lang habe ich für mich selbst gesorgt, und möchte es auch nicht anders!“
Trotzig wie ich manchmal bin, sah ich sie an
„ Ich bin eine Butch, verdammt.“
„ Meine Praktikumszeit ist in sechs Monaten zu Ende. Was hältst du davon, dass wir in dieser Zeit uns besser kennenlernen, und ich dir Deutsch beibringe. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, entscheidest du dich.“
Ich dachte nach. Vielleicht war ihr Vorschlag der beste Weg für uns beide.
Wortlos nickte ich ihr zu, küßte sanft ihren Hals, und sagte: „ Danke Süße, das du so klug bist.“
Ich nahm ihre Arme, und zog sie durch ihre Türe. Denn schließlich gab es was zu feiern!
ENDE
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