Eifersucht
von
Nightmare.
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Jeder kennt dieses Gefühl. Das Gefühl der Eifersucht. Es zerfrisst dich, es macht dich fertig und es zieht dich manchmal dermaßen runter, dass du an nichts anderes mehr denken kannst und wortwörtlich am liebsten vor Eifersucht platzen würdest. Ich glaube, niemand kann von sich behaupten, dass er nicht mindestens einmal in seinem Leben eifersüchtig war. Eigentlich glaube ich sogar, dass niemand behaupten kann, dass er wirklich nur einmal in seinem Leben eifersüchtig war.
Ich weiß, wir geben das nicht gerne zu, aber jeder weiß es. Ich auch. Mit meiner eigenen Eifersucht ist das so eine Sache, früher war es nämlich besonders schlimm. Damals war ich immerzu eifersüchtig auf meine Zwillingsschwester Amanda. Sie konnte alles, sie kriegte alles und sie wusste alles.
Das ist vielleicht schwer zu verstehen, denn wahrscheinlich denken die meisten, dass das doch gar nicht geht – eifersüchtig auf die Zwillingsschwester zu sein – weil man doch sowieso gleich aussieht. Aber das stimmt nicht – also das mit dem Aussehen schon, aber der Rest nicht. Wir sind total verschieden und das waren wir schon immer.
Amanda war einfach schon immer die engagierte, offene und aktive von uns beiden, wobei ich schon als kleines Kind eher für mich alleine lebte.
Dass ich sie manchmal beneidete, ließ ich mir natürlich nicht anmerken.
Aber ich kann mich sehr gut an eine Situation erinnern, wo es genau andersrum war.
Wir waren damals noch sehr klein, ich glaube gerade mal vier oder fünf Jahre alt, und es war Weihnachten.
Wir hatten uns natürlich mal wieder vollkommen verschiedene Sachen gewünscht und auch bekommen. Doch bei einer dieser Sachen, hatten unsere Eltern etwas verwechselt. Sie hatten nämlich Amanda die Puppe mit dem kleinen Puppenbett und den vielen hübschen Kleidern geschenkt, die ich mir doch so sehr gewünscht hatte. Ja, auch Zwillingseltern machen manchmal Fehler.
Eigentlich wäre das ja gar nicht so schlimm gewesen, da Amanda sich die Puppe ja nicht gewünscht hatte, sollte sie ja wohl auch nicht allzu viel Interesse daran haben, doch das stimmte nicht. Sie war eben Amanda und fand es immer schon toll um etwas beneidet zu werden. Und da sie merkte, wie sehr ich diese Puppe haben wollte, wurde sie plötzlich ihr absolutes Lieblingsgeschenk.
Auch die darauf folgenden Tage ließ sie die Puppe nicht aus den Augen und nutzte jede Gelegenheit um mich damit zum kochen zu bringen.
Ich musste mir dringend etwas überlegen, um das zu beenden. Also tappste ich als kleines, aber schlaues vier jährieges Mädchen durch mein Zimmer und suchte irgendetwas ganz tolles, was Amanda eifersüchtig machen würde. Als ich nichts Besonderes fand, beschloss ich in meiner kindlichen Naivität, dass ich etwas selber machen musste.
Ich fing also als erstes an nach einem Kopf zu suchen – in einem Fall war ich mir nämlich sicher: es sollte ebenfalls eine Puppe werden. Nach einigem Suchen und sehr viel Chaos fand ich einen Tennisball, der die perfekte Größe hatte um ein Kopf zu werden. Jedoch fand ich nichts für den Rest des Körpers. Also nahm ich den Tennisball und ging zu meiner Mutter, sie war immer schon sehr kreativ gewesen und half uns bei jeder Gelegenheit.
Und natürlich hatte sie auch diesmal sofort die perfekte Idee. Sie nahm mich mit zu ihrer ‚Schatzkiste’. So nannten wir einen Karton, in dem sich ihre Stoffreste befanden. Dieser Karton war für Amanda und mich schon immer etwas Besonderes. Ich durfte mir nun also einen der Stoffe aussuchen. Ich wählte einen schwarzen mit bunten Blumen drauf, aus dem meine Mutter dann einen ‚Körper’ für meine neue Puppe nähte. Ich war ganz begeistert und konnte es kaum erwarten, bis sie fertig war.
Als es dann endlich soweit war, lief ich sofort triumphierend zu Amanda, die gerade mal wieder dabei war meine Puppe neu einzukleiden. Sie hielt jedoch inne, als sie die neue Puppe sah.
„Was hast du da?“ fragte sie interessiert.
„Eine Puppe.“ Antwortete ich knapp und begann mit meinem Kunstwerk zu spielen. Jedoch schien es mir wichtig noch eine Kleinigkeit zu erwähnen: „Ich durfte Stoff aus Mummys Schatzkiste für den Körper nehmen.“ Merkte ich triumphierend an.
Amanda klappte der Mund auf. Mein Plan funktionierte anscheinend. Strahlend baute ich meiner Puppe nun ein Bettchen aus einem meiner Kissen. Amanda sah mir gespannt zu und die Weihnachtspuppe war schon nicht mehr interessant.
„Darf ich sie mal haben?“ fragte sie nach einer Weile. Doch ich schüttelte den Kopf. „Nein, das ist meine.“ Stellte ich klar.
Amanda gab ein wütendes Schnauben von sich. Ich war sehr zufrieden mit mir.
Ich beobachtete während meines Spiels immerzu meine Schwester, die mir missmutig zusah. Nach einer Stunde ca. nahm sie die Weihnachtspuppe wieder vom Boden und kam zu mir. „Wollen wir tauschen?“ Sie hielt sie mir unter die Nase. Die Puppe, die ich die ganze Zeit haben wollte. Doch ich merkte, dass ich eigentlich keinerlei Interesse mehr an ihr hatte. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich mag Abby lieber.“
Abby. So hatte ich meine neue Lieblingspuppe getauft.
Und ich liebte sie wirklich. Mehr als jedes andere Spielzeug. Und Amanda tat das auch, jedenfalls für einige Wochen, danach fand sie sich damit ab, dass sie in diesem Fall nun mal den Kürzeren gezogen hatte. Sie versuchte zwar mir gegenüber ihre Puppen viel toller zu finden, aber wir wussten beide, dass ihr das nicht wirklich gelang.
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