Ein Biss lässt Menschen verstehen
von
Linda Rottler
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Das war mal wieder eine Woche. Ein Mathetest, zwei Schulhofprügeleien, eine verlorene Haarspange (verdammt, die hatte ich so gerne!) und jede menge Lehrer. Da war ich doch froh, freitags endlich nach Hause zu kommen und nichts, überhaupt gar nichts zu tun. Und das zwei Tage lang. Ich freute mich schon auf die Lasagne zu Hause, auf mein Bett und eine interessante Zeitschrift. Also wurde mein Gang vor Vorfreude immer schneller. Zehn Minuten später waren alle Neuigkeiten erzählt und der ganze Frust über die Lehrer abgelassen und so konnten wir endlich essen. Während ich versuchte, die Lasagneblätter auf die Gabel zu spießen, fiel meiner Mutter allerdings noch etwas ein: "Bevor ich es vergesse, wir fahren über das Wochenende weg." "Das kann nicht dein Ernst sein!", rief ich und die rote Soße landete auf meinem Pullover. "Nancy, schau was du wieder angerichtet hast", sagte meine Mutter, nahm sich ein Stück Küchenrolle und drückte es mir in die Hand, worauf ich versuchte, die kleinen Hackfleischstücke zu entfernen. "Ja, ihr habt schon richtig gehört. Heute Morgen bekam ich einen Anruf von Tante Sue. Sie fragte, ob wir nicht mal wieder vorbeikommen wollen." Ich legte die Küchenrolle beiseite und meinte dann: "Ach, ist das nicht die Tante mit den ganzen Katzen? Aber Mama, das kannst du mir doch nicht antun, du weißt genau dass ich die nicht leiden kann!" Mama verdrehte die Augen und sah mich dann flehend an. "Aber Nancy, das kann doch nicht der einzige Grund dafür sein, dass du nicht zu Tante Sue möchtest." - "Der einzige? Hör mal, das ganze Haus ist voll von den Viechern!" Mama schüttelte den Kopf und wendete sich dann wieder ihrer Lasagne zu. Bevor sie die Gabel in den Mund nahm, sagte sie noch kurz: "Wir fahren heute Abend zu Tante Sue. Punkt!" Dann war das Gespräch beendet.
Mittags packte ich also meine Sachen. Ich nahm auch extra etwas ältere Kleidung mit, da diese Katzen wirklich sehr haarig sind. Katzen. Haarige, maunzende, kratzborstige Katzen. Himmel, warum nur? Ich war gerade dabei, meine CDs einzupacken, da bemerkte ich ein Foto, das auf meiner alten No Angels CD lag. Darauf war ein kleines Mädchen abgebildet, das eine Katze auf dem Schoß hatte. Das war sicher meine Mutter. Es sah ihr ähnlich und außerdem liebt sie Katzen. Ich packte es mit ein. Mama war sicher froh, wenn sie es wiederbekam. Kaum hatte ich alles in meiner Reisetasche verstaut, hörte ich auch schon Papas Stimme. "Hallo! Ich bin wieder da!" Als ich die Treppe heruntergelaufen kam und mich mit der Reisetasche sah, fragte er erstaunt: "Hab ich was verpasst? Ziehst du aus?" Aber als er auch Mama und meine nervige kleine Schwester Lissy mit Taschen sah, war er erleichtert. "Wir fahren zu Tante Sue. Hier ist deine Tasche!", rief Mama und drückte ihm eine Reisetasche in die Hand. Als er wieder zu Wort kam, meinte er nur: "Bitte?" Ich lief in Richtung Auto und sagte Papa noch kurz: "Hätte ich ein Wort mitreden dürfen, wären wir zu Hause geblieben und hätten heute Abend Monopoly gespielt."
Die Fahrt war... schwer zu beschreiben... sie war öde, wie meine Schwester immer sagt. Kaum hatten wir vor dem abgelegenen Landhäuschen geparkt, ging die Türe auf, etwa fünf Katzen rannten nach draußen und meine Tante Sue erschien in der Tür. "Ja das ist aber nett, dass ihr mich besuchen kommt. Na kommt erst mal herein und setzt euch, meine süßen Katzischatzis freuen sich auch schon den ganzen Tag auf euch!", meinte sie und lachte freundlich. Sie hatte zwar Katzen, aber im Großen und Ganzen war sie nett. Wir gingen also hinein und setzten uns auf die altmodische (aber irgendwie hübsche) Couch. Na gut, ich setzte mich nicht drauf, da ich schon von weitem die schrecklichen Katzenhaare bemerkte. Ich stand vor der Couch und verzog das Gesicht. "Ach, meine kleinen Miezies. Die machen doch wirklich alles haarig!", rief Tante Sue mit einem Kuchen in den Händen. Sie stellte den Kuchen auf den Couchtisch und brachte mir einen Stuhl. Ohne Katzenhaare, versteht sich. Dann setzte sie sich auf die Couch, mitten auf die Katzenhaare und fragte: "Und, wie geht's euch denn in Milford?" Ich zuckte mit den Schultern, Mama meinte gleich: "Fabelhaft, es ist herrlich dort! Du musst uns unbedingt mal besuchen kommen!" Ich wollte gerade noch sagen: "Das hat sie in den vier Jahren, in denen wir in Milford wohnen noch nie getan!" Hielt dann allerdings doch die Klappe. Ich sah auf die Uhr. Wir wahren um fünf Uhr abends losgefahren, nun war es acht Uhr abends. Das Gespräch würde sicher bis um zehn Uhr dauern und ich würde immer noch gelangweilt daneben sitzen. Doch dann sah Tante Sue meinen genervten Gesichtsausdruck und meinte: "Ich bin sicher, du möchtest sicher dein Zimmer sehen. Komm mit!" Ich folgte ihr zu einem hellen Zimmer mit englischer Einrichtung. Tante Sue war ein echter Englandfan, da sie neun Jahre in England gelebt hatte. Sie hatte sich sogar den englischen Dialekt angewöhnt. Doch was lag da auf dem Bett? Eine Katze! Auf MEINEM Bett. Beziehungsweise, auf meinem Wochenendbett. "Kann diese Katze nicht verschwinden?", fragte ich Tante Sue. Doch diese meinte nur: "Psst, Katzen darf man nicht aufwecken. Sie brauchen viel mehr Schlaf als Menschen!" Ich stöhnte genervt, setzte mich an den Schreibtisch und las in meinem Buch weiter. Als diese verdammte Katze nach ein paar Stunden allerdings immer noch da lag, platzte mir der Kragen. "Du doofes Vieh! Hau endlich ab!" Plötzlich hörte ich eine Stimme: "Bleib locker, ich geh ja gleich!" Ich erschrak so sehr, dass ich einen gellenden Schrei von mir ließ und die Katze sofort aufschreckte. "Verdammt noch mal, musst du mich so erschrecken?! Menschen haben einfach keinen Respekt vor der Privatsphäre einer Katze!" "Du- du- kannst sprechen?", stotterte ich erschrocken. Die Katze riss ihre Augen weit auf und meinte: "Du- du kannst mich verstehen?" Jetzt machten wir beiden die gleichen großen Augen. Doch kurz darauf kam meine Wut zurück. "Also, dann kannst du ja jetzt verschwinden!" - "Was habe ich dir denn getan?" - "Ich hasse Katzen!" - "Warum?" Gute Frage. Ja, warum eigentlich. Vielleicht wegen dieser Katze aus der Nachbarschaft, mit den gruselig wirkenden, smaragdgrünen Augen, die mich einmal gebissen hatte. War es nicht diese Katze, die dieses seltsame Halsband hatte, auf dem stand: Ein Biss lässt Menschen verstehen? Konnte ich etwa deshalb diese Katze verstehen? Aber dann hätte ich ja andere Katzen auch verstehen müssen. Obwohl, seid diesem Biss war ich keiner Katze näher als 10 Meter gekommen. Jetzt wurde mir das klar. Ein Biss lässt Menschen verstehen. Ein Biss dieser Katze lässt Menschen die Sprache der Katze verstehen. Und plötzlich war mein Hass zu den Katzen verschwunden. Aus welchem Grund auch immer. Ich setzte mich neben die Katze aufs Bett und streichelte sie, worauf sie gleich anfing zu schnurren. Die angelehnte Tür sprang auf und alle Katzen des Hauses kamen auf das Bett gehüpft und ließen sich von mir verwöhnen. Dann wurde
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Kommentare
paishons schrieb am 2009-03-03 20:17:47:
wow
ich schreibe auch wirklich für mein leben gerne und daher kann ich getrost sagen: respeckt!
wenn du magst schreib doch bitte noch ein paar seiten mehr das war wirklich sehr schön ich war wirklich total gefesselt und fasziniert! ich liebe katzen über alles und daher sagte mir dir geschichte erstrecht zu!!!
Snowlight schrieb am 2008-10-03 20:30:14:
Kann nina nur zustimmen^^
da ich eh auf Katzen(und wölfe xD) stehe,passt mir diese Geschichte ziemlich gut.
Ich finde deinen Schreibstil toll.Er ist so schön locker und auch humorreich ;)
Und die Rechtschreibfehler machen doch nichts,wenn man dafür so eine tolle Geschichte vorgesetzt bekommt. Also von unserer Katze wurde ich noch nicht gebissen,nur gekratzt xD
nun denn,liebe grüße Snowlight
nina schrieb am 2008-01-07 22:30:14:
oh mann ich hätte noch viel länger lesen können. ich fand die geschichte toll...un wenn es das in wirklichkeit gäbe, wow das wär das tollste....oder?^^ dann würd ich mich auch mal gerne beißen lassen^^
Linda schrieb am 2007-10-07 12:46:44:
Ich hab n paar Rechtschreib und Grammatikfehler sind aber Leichtsinnsfehler, wirklich!
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