Ein Ding
von
Iva Schwarz
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Mein ruhiges und eintöniges Leben verändert sich an einem Tag, als ich in einem Taxi zufällig vergessen worden war. Ich war unter Stress, was würde mir geschehen. Der Taxifahrer, ein ausgeglichener Mensch wird mich jetzt merken, greifen und in den Kofferraum werfen und wieder vergessen, oder ich finde einen neuen Besitzer, der mich wirklich braucht. Oh, da setzt sich jemand, Vorsicht, ich liege hier! Ein junges Pärchen steigt ein, der Kuss, noch ein dicker Kuss. Der Fahrer fragt nach dem Weg und wir fahren weiter. Die Leute merken mich nicht, ich bin ja nicht gross, aber doch ein Ding. He, Leute, ich sei hier, ich sei ein Ding. Die jungen Leute sind glücklich, sie sehen nichts um sie herum, nur ihre Gefühle existieren, sie haben Eile, sie müssen schnell nach Hause, die Zeit drängt, sie... Und ich liege auf dem Hintersitz des Taxis und warte auf das Wunder. Ich will sagen, nehmt mich mit, ihr braucht mich, aber das Pärchen kümmert sich um andere Dinge dieser Welt, sie müssen los, tschüss, keine Reaktion. Der Taxifahrer fährt durch die Nacht, durch die leeren Straßen. Plötzlich bleibt er stehen, eine Dame steigt ein, wohin, fragt der Taxifahrer. Die Frau bricht in Tränen aus, sie verbirgt ihr Gesicht in den Händen, sie braucht Ruhe. Der Taxifahrer wiederholt mit kalter Stimme die Frage, wohin. Sie weisst nicht, sie ist allein geblieben, wie ich: Hat sie etwas verloren? Sie beruhigt sich langsam, sie vergisst schon stille Tränen, das ist gut. Der Taxifahrer setzt das Auto in Bewegung, er interessiert sich, ob sie genug Geld mithabe. Die Dame ist eine Dame, die immer Geld hat und nicht nur für sich, sondern auch für einen anderen, den sie liebt und der sie nicht liebt. Ja, das Taxi ist kein Paradies, wo die Vögel zwitschern und wo man alles vergessen kann, das ist bloß ein Verkehrsmittel, ein Ding, das einen Steuermann hat. Die Dame braucht jetzt auch einen Steuermann, der sie nach Hause bringen kann. Der Taxifahrer hat Geduld, die Dame hat Geld, wir kommen an dem Hauptbahnhof vorbei, die Dame sagt, stopp, bezahlt und ist weg. Es ist Mitternacht, die Uhr schlägt eins, zwei, drei... Der Taxifahrer macht Pause, er geht in das Bahnhofsgebäude, kauft einen Becher Kaffee, geht zum Auto zurück, trinkt, raucht. Einige Leute kommen aus dem Bahnhofsgebäude heraus, ein Mann nähert sich dem Taxi, fragt, ob es frei sei. Er setzt sich vorne. Er hat ein Ding, mir ähnliches, aber anderer Farbe, männlicher Farbe. Dieses Ding ist mir bekannt, hallo, mein Liebling, wie geht es dir, ich habe dich drei Monate nicht gesehen, wo warst du, was hast du gesehen, wie hast du ohne mich gelebt. Mein Lieblingsding war immer wortkarg, er ist mit seinem Leben ganz zufrieden, immer ist er unterwegs, denn sein Besitzer ist kein Stubenhocker, er arbeitet viel und findet Zeit für die Genüsse des Lebens. Ich bekomme keine klare Antwort, es war alles gut, ich habe viel gesehen, ohne dich kann ich auch leben ... Der Mann hat noch eine große Aktentasche, die er auf den Hintersitz stellt und jetzt bemerkt er mich, ja, er bemerkt mich. Was macht dieses Ding in Ihrem Auto? Der Taxifahrer ist nicht erstaunt, ruhig antwortet er, jemand hat es vergessen. Wann war das? Heute Abend, natürlich, heute Abend! War das eine Frau? Der Taxifahrer versteht schon den Sinn der Dinge nicht. Er hatte heute viele Passagiere, wer das war, weiss er nicht genau. Ich und mein Lieblingsding waren zum 5. Hochzeitsjubiläum geschenkt, als Symbol der idyllischen, harmonischen Familienlebens, das sich vor den Schicksalsschlägen schützen könnte. Jetzt ist die Situation gespannt. Ich kann nicht sprechen, das ist mein Vorteil. Der müde Mann nimmt mich, betrachtet mich, unten sieht er, da steht geschrieben: Eleonore. Ist es ein Zufall? Ja: die Gesetzmässigkeit, der Kreislauf der Dinge, die immer einen Sinn haben.
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