Ein Ende, ein Anfang
von
metalmom
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Diese Geschichte beginnt und endet an meinem 19. Geburtstag. Ich bin die älteste Tochter in einer Familie vom fahrenden Volk und tanze für mein Leben gern. Tanzen ist auch die einzige Art der Fortbewegung, bei der ich nicht hinfalle oder schreckliche Unfälle verursache. Meine Großmutter behauptet, ich sei verflucht worden zu einem Leben in Pech. Meine Mutter behauptet ich sei einfach nur tollpatschig. Ich schließe mich letzterem an.
Wir fuhren durchs Land und verdienten uns unser Brot mit Schauspielerei, Theater und Tanz. Aber auch mit Wahrsagen, Zauberei und natürlich Diebstahl. Nicht überall sind wir gern gesehen, aber wenn ein Fest anstand oder Markttage waren, freuten sich die Leute über uns. Nah kamen sie uns trotzdem nicht.
Tagsüber sorgte ich dafür dass unser Klingelbeutel sich füllte während meine Brüder und Cousins die Leute unterhielten. Doch abends dann, durfte ich für die Menschen tanzen. Ich vergaß beim tanzen alles um mich herum. Ich drehte mich und wirbelte herum, schwang die Hüften und sprang im Takt der Musik. Die Zuschauer mochten mich, ich war eine Schönheit und hatte schon einen richtigen Ruf erlangt unter den Zigeunern. Doch nichts destotrotz taugte ich für nicht viel mehr als fürs tanzen. Ich zog das Unglück förmlich an und außer meiner kleinen Schwester hatte ich keine Freunde. Die Frauen in der Familie waren neidisch auf mein Aussehen und die Männer hatten Angst das ihnen der Himmel auf den Kopf fällt wenn sie zu lange in meiner Nähe waren. Im Großen und Ganzen kann ich mich allerdings nicht beklagen, schließlich litt ich keinen Hunger und musste nicht frieren.
An dem Tag der mein letzter sein sollte, fanden wir einen Bauern am Wegrand liegen. Er sah fiebrig und krank aus. Meine Mutter hatte ein großes Herz und wir lasen ihn auf. Unser Lager schlugen wir gleich an der Strasse, auf einer kleinen Wiese, auf und machten Feuer. Ich sollte Wasser holen gehen, im Bach gleich hinter dem Lager im Wald. Natürlich brauchte ich zwei Anläufe ehe der Eimer auch voll im Zelt wieder ankam.
Der verletzte Mann lag auf einem Lager aus Fellen und grinste mich an als ich das Zelt betrat." Na so schlecht scheint’s ihm ja nicht zu gehen", dachte ich mir dabei. Allerdings kannte ich die Heilerfähigkeiten meiner Mutter sehr gut. Ein Mix aus heidnischen Ritualen und Naturkräuter. Wahrscheinlich hatte sie ihm ein Mittel gegen die Schmerzen gegeben. Ein Wunder das noch niemand von uns als Hexe auf dem Scheiterhaufen gelandet ist. Ich spürte die Blicke des Mannes auf mir und fühlte mich gleich unwohl in seiner Nähe. Vielleicht hatte ich auch ein wenig der Hellsichtigkeit meiner Großmutter in mir. Ich stellte den Eimer ab und beeilte mich wieder aus dem Zelt zu kommen, aber meine Mutter rief mich zurück. Sie befahl mir dem Fremden aus den Kleidern zu helfen damit sie ihn untersuchen konnte.
Der Mann strömte einen säuerlichen Geruch aus. Bestimmt hatte er die Kleider schon eine ganze Weile an. Sie waren verdreckt und mit verkrustetem Blut verschmiert. Der Mann selbst wirkte höchst ungepflegt und grinste mich wieder an. Was mich verwunderte war, das er ein makelloses Gebiss aufwies und strahlend weiße Zähne hatte. Was so gar nicht zu dem Rest seines Aussehens passte. Als er alle Kleider abgestreift hatte, zeigte sich ein blutiger Schnitt gleich unterhalb des Bauchnabels. Er hatte sich entzündet. Das erklärte sein Fieber. Ich wusch die Wunde mit Wasser aus und meine Mutter sah sich die Verletzung genauer an. Ich beschloss das ich nicht länger hier gebraucht wurde und verlies das Zelt. Ein ungutes Gefühl beschlich mich, das mit dem Mann irgendwas nicht stimmte. Aber viel länger konnte ich mich meinen Gedanken nicht hingeben, denn schon schrillte die altweiber Stimme meiner Großmutter zu mir rüber, ich sollte beim Essen bereiten helfen.
Abends dann, wenn alle zusammen saßen, war es am schönsten. Mein Bruder spielte auf der Laute und einer meiner Onkel sang dazu ein schönes Lied. Ich hörte immer gerne zu und hin und wieder tanzte ich für meine Familie. Heute saß ich allerdings etwas abseits, um den Blicken des Fremden zu entgehen, dem es anscheinend, wie durch ein Wunder, schon wieder so gut ging, dass er bei uns am Feuer saß. Er machte mir Angst.
Ich war froh als mein Onkel mich anstieß und mich Wasser holen schickte. Trotzdem wunderte ich mich, das mir alle mehr Aufgaben zutrauten als sonst...
Ich schaffte es sogar fast unversehrt am Bachlauf anzukommen. Hab mir ein wenig das Knie aufgeschlagen, als ich über einen Ast im Dunklen stolperte. Es war auch schön mal ein wenig allein sein zu können und ich genoss die nächtliche Stille. Das Wasser war kühl und prickelte auf der Haut. Seltsam, ich nahm alles so überdeutlich wahr. Ich roch das Moos am Ufer und hörte die Mäuse im Gestrüpp rascheln. Eine Fledermaus jagte lautlos über meinen Kopf hinweg. Da spürte ich, wie mir ein eisiger Schauer durch meinen Körper lief und ich wirbelte herum. dabei verlor ich das Gleichgewicht und kippte seitlich auf die Schilfstümpfe im Wasser. Irgendwas schlängelte sich unter mir hinweg, aber ich hatte nur Augen für den Mann der auf einmal vor mir stand. Es war der Fremde aus dem Lager, er ist mir gefolgt. Er sprach kein Wort und mein Herz hämmerte mir bis zum Hals. Als ich schreien wollte packte mich eine Hand von der Seite und ich sah noch eine weitere Person vor mir stehen. Diesen Kerl kannte ich jedoch nicht. Beide hatten ein schreckliches Lächeln auf den Lippen und die ungewöhnlich weißen Zähne des Fremden blitzten im fahlen Mondschein. Mein Verstand sagte mir "Schrei" und "Lauf weg" aber ich rührte mich nicht und kein Schrei kroch mir die Kehle rauf. Da wurde ich schon aufs Moos gestoßen und der Mann dessen Gesicht ich nicht kannte schnitt mir mit einem Messer die Kleider auf. Auch jetzt noch beobachtete ich mich selbst, wie ich dort lag, mit weit aufgerissenen Augen und völlig reglos. Da wurde mir bewusst dass ich meinen Körper verlassen hatte. Ich blickte von oben auf die Gestalten herab, wie sie sich wie die Tiere auf meinen Körper stürzten, ihn zerbissen und zerrissen, in ihn stießen und wie sie heulten als sie endlich Befriedigung erlangten. Am Ende beobachtete ich, wie sie meinem Körper mit dem Messer die Kehle herausschnitten und gierig mein Blut tranken, das aus dem Loch spritze. Der Fremde aus dem Lager strich mir noch einmal durchs Gesicht und gab meinen toten Lippen einen Kuss, als sie mich den Füßen in den Bach stießen und sich davon machten. Langsam ging ich auf meinen nackten, verstümmelten Körper zu. Tote Augen starrten zu mir herauf und ein bisschen Blut sammelte sich in den Mundwinkeln. Ich war seltsam abwesend als ich mich selbst, zerfetzt in dem Bach liegen sah. Ich spürte nur wie Hass in mir aufstieg. Kalter Hass auf meine Mörder. Kalter Hass auf diesen ungepflegten, undankbaren Mistkerl, der diese Tat bestimmt geplant hatte seit er mich zum ersten mal erblickt hatte. Ich rannte los, verfolgte diese Bastarde, deren Spur ich seltsam Leicht folgen konnte. Ich
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