Ein Fragment am Nachmittag
von
Kalliope
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(Das hier ist nur ein FRAGMENT, dass ich sehr mag. Ich hab dafür keine Fortsetzung geplant, mir fehlen nämlich die Ideen. Vielleicht habt ihr ja welche, das wäre nett. Bitte versucht, nicht allzuviel an 'Freaky Friday' zu denken.)
“Say goodbye to all my friends, can`t say when I´ll be there again...”
Ich drückte auf stop. Urplötzlich war es still in meinem Zimmer. Ja, dachte ich. Abhauen, ohne zu
sagen wann man wiederkommt. Heute war so ein Tag in meinem Leben, an dem ich das am
Liebsten tun würde. Doch dank meines Philosophiekurses wußte ich, dass auch das nichts bringen würde. Ich versuchte, mich nicht noch mehr rein zu steigern. Fragen wie Warum gerade ich, weshalb ist die Welt so ungerecht etc. waren sowieso nur rein rhetorische Fragen, weil nie jemand eine richtige Antwort darauf finden würde. Ich band mir die langen Haare hoch und ließ mich auf den Computerstuhl fallen. Neun neue Emails...ich ging die Liste durch. Wenn Mary mir geschrieben hatte, was anzunehmen war, dann hatte ich ein Problem. Wie sollte ich ihr erklären, dass ich nicht am Band-Contest teilnehmen konnte, nur weil meine Mutter der Ansicht war, Omas Haus nur durch meine Mithilfe erben zu können?! Meine starrköpfige, verrückte Mutter. Im rumschleimen war sie immer besser gewesen als ich. Warum also sollte ich unbedingt mit ins Altersheim fahren?? Meiner Meinung nach sollte sie sowieso mal zum Psychiater gehen.
Werbung...Werbung...wo hatte sich mein Bruder bloß wieder überall angemeldet?!
Da. MaryM.@mailer.com.
“Hi Shirley!
Warum meldest du dich nicht? Hast du vergessen, was am Samstag ist?!” Als wenn ich das
vergessen würde. Kotz. Ich las weiter. “Stefan hat gesagt, wenn wir uns nicht bis heute entscheiden, den freien Platz einzunehmen, springt sofort eine andere Band ein. Wenn wir den Platz wegen dir nicht kriegen, dreh’ ich dir den Hals um. Und ich glaube, die anderen werden mir mit Vergnügen dabei helfen. Shirley, du bist wirklich- neben mir natürlich- die beste Gitarristin auf der Welt. Wir können nicht auf dich verzichten!
Melde dich bei mir, ich bin zu Hause.
Mary”
Ich ließ mich gegen die Lehne fallen. Meine Eingeweide fühlten sich an wie verknotet.
“Also. Entweder du versetzt wieder mal deine Mutter, sie kriegt einen Anfall und macht so was
krankes wie die Gitarre klauen, oder du versetzt die Band und bist damit deine Rolle als Sängerin
und Gitarristin von AnarchistSchool und gleichzeitig deine Freunde los.”
Ich erwischte mich, wie ich an meinen Fingernägeln knaupelte. Das passierte jedes Mal, wenn ich einen Panikanfall bekam. Wie zum Beispiel heute vor Nachsitzen. Ja, du hast richtig gelesen. Bis gestern konnte ich immer sagen: Zum Glück gibt es so was wie Nachsitzen nur in Amerika. Aber etwas hatte ich da vergessen: Meine Schule war das einzige Gymnasium, an dem amerikanische Anarchie-Zustände herrschten. Ganz einfach weil viele Schüler so klug waren, dass sie der Unterricht langweilte. Und die anderen machten einfach mit. Also wurde tatsächlich das Nachsitzen eingeführt, womit sich die Lehrer ihrer letzten Illusion von Erziehungsmethoden hingaben- ich war natürlich mit meiner großen Klappe eine der Ersten, die diese Methode ausprobieren durfte.
Zurück zu meinem Problem: dank Freud & Co. wußte ich, dass es durch nichts tun auch nicht gelöst wurde. Und eigentlich brauchte ich gar nicht überlegen, wer mir wichtiger war - nur leider ging es nicht nach mir. Schließlich holte ich mein Fahrrad und fuhr zu Mary. Ich musste ja irgendwas tun.
Mary wohnte am Stadtrand. Als ich bei ihr ankam, teilte mir ihre Mutter mit, sie sei draußen mit
ihrer Feldstaffelei. Mary ist Malerin, müsst ihr wissen. Ich traf sie oben auf dem Feld. Ein wahrhaft
friedliches Bild, wie sie da so im hohen Gras hockte, vor ihrer Staffelei und bekleidet mit einem
rot-weißem Oberteil, was schätzungsweise bis zur dritten Rippe reichte. Um die Hüften hatte sie ein schwarzes Tuch gebunden, in dem ihr Künstler-Krimskrams steckte, und auf dem Kopf trug sie einen Strohhut. Das reicht für euch schon völlig aus, um sich Marys gesamten Kleidungsstil
vorzustellen. Ich ging auf sie zu.
“Hi!”
“Da bist du ja endlich.”,bekam ich als Antwort. “Ich dachte schon, du musst bis morgen früh
Nachsitzen.” Ich lächelte gekünstelt (meine Eingeweide machten mir immer noch zu schaffen) und warf einen Blick auf das Gemälde. Ich verglich es verdutzt mit der Landschaft, die es darstellte. Es sah aus wie eine Zeichnung von einer sechsjährigen, die besonders viel Talent und Ausdauer hatte.
“Was ist das denn?” fragt ich Mary erschrocken.
“Naive Malerei.” erwiderte sie zufrieden. “Hübsch, nicht?” Was war bloß mit meiner Freundin los?
“Ähm...”antwortete ich. “Diese Anarchie-Sache vorher hat mir besser gefallen. Und was soll
überhaupt dieser Hut?” Ich nahm ihr das Ding vom Kopf.
“Du hast meine Mail gelesen, oder?”
“Ja!” (Ich kaute auf meinen Nägeln.) “Ähm...Mary...” Sie blickte mich erwartend an. “Ich kann
nicht kommen.” Jetzt war es heraus - und Mary ließ den Pinsel fallen.
“Wie jetzt...willst du mich verarschen??” Immer so indiskret, unsere Mary, dachte ich.
“Nee.” Ich setzte mich ins Gras. “Meine Mutter will, dass ich an dem Tag mit zu meiner Oma nach
- keine Ahnung, schieß mich tot - fahr, wo sie im Altersheim ist. Dort muss ich Mum den ganzen
Tag helfen, der Alten - mit der ich nie was zu tun hatte - ihr Haus abzuquatschen.”
“Den ganzen Tag?? Bis abends? Und warum ausgerechnet Samstag?”
“Es ist wohl ihr Geburtstag.” Mary ließ sich neben mich fallen. “So ein Shit. Ihr habt doch schon ein Haus!” Ich seufzte.
“Erklär’ das mal meiner Mutter. Außerdem ist es nur gemietet.”
“Aber warum mußt du unbedingt mit??”
“HA! Gute Frage. Ich sag’s dir: Meine Mum hat Schiss. Ich glaube, sie hat sich nie gut mit der
‘bösen Schwiegermutter’ verstanden, und meint jetzt, das ohne mich nicht durchstehen zu können.”
Mary prustete entrüstet über die Geldgier meiner Mutter.
“Deine Mutter ist eine Kapitalistin, wie sie im Buche steht.” (Jaaa, das ist Mary.) “Und was sagt
dein Vater dazu?”
“Er hat sie für wahnsinnig erklärt und hält sich da jetzt komplett raus.”
“Oh nö! Du musst kommen! Wir woll’n doch nicht ewig in der Garage spielen. Ich denke, wir sind
so weit.” Natürlich. Mir war eigentlich von Anfang an klar gewesen, worauf es hinauslaufen würde.
“Ich red nachher noch mal mit meiner Mutter.”, versprach ich seufzend.
“Gut.” Wir lagen auf dem Rücken und blinzelten in die Sonne. Da viel mein Blick wieder auf das
Bild. Ich richtete mich auf.
“Jetzt mal im Ernst - seit wann malst du solchen Schrott??” Eigentlich war Mary ziemlich cool -
und ich wußte, wie sehr sie Kitsch verabscheute.
“Josh, dieser Typ aus der Zwölften. Ich hab ihn heute angesprochen, und er ließ durchblicken, dass er mich zu jungenhaft findet. Ich sollte lieber was Mädchentypisches machen.” Sagte Mary kleinlaut und ein bisschen verzweifelt. Ich konnte nicht anders, ich fing an zu lachen, kullerte mich ins Gras und japste:
“Da schaffst du es
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Kommentare
lydia schrieb am 2007-11-11 14:19:48:
Ich finde diese Geschichte nicht schlecht aufgebaut, Entscheidungen wie diese hat man schließlich sehr oft in seinem Leben. Was ich noch an deiner Stelle mit einfügen würde wären zum Beispiel Altagsprobleme die jeder Jugendliche hat. Ob es nun Drogen, Liebeskummer oder andere Probleme sind. Aber der Ansatz ist schon sehr gut. Ach und zu deinem Titel, wie wäre es mit: "Intriegen der Jugend" , "Jugendliche und ihre Probleme" , "Entscheidungen, eines der wichtigsten Dinge im Leben". Trotzdem ich find die Geschichte noch nicht wirklich schlecht! Lieben Gruß Lydia
Kalliope schrieb am 2006-07-22 11:26:11:
Vielen Dank für eure tollen Vorschläge! Ich denke doch, 'Backfischprobleme' macht das Rennen. Ein Interessenkonflikt ist es trotzdem, aber das ist für Shirleys Welt etwas zu hochtrabend ;)
Demeter schrieb am 2006-07-13 18:23:44:
Ganz schön wählerisch *g* Wie wär´s mit "Teenieprobleme", "Freundschaft vs. Eltern" oder "Interessenkonflikt"? Sowas in der Art würde ich vorschlagen.
Kalliope schrieb am 2006-07-10 11:25:28:
Na ja, auf der anderen Seite hab ichs 'Nachmittagsphilosophie' genannt...aber Backfischprobleme etc. is auch cool. Is ja nur ein Fragment, du glaubst nicht, wie viele ich davon noch zu Hause rumliegen hab. Dreißig vielleicht.
www.fine3000@web.de schrieb am 2006-07-03 16:23:10:
Wie wärs mit: "Backfisch-Probleme" oder "normell Nachmittag", "Mutter will immer nur..." oder "Mädchen und andere Sachen" naja bin nicht so die Schreiberin...
mfg Fine
Kalliope schrieb am 2006-07-01 09:29:54:
Mhm, blöder Titel...hat jemand eine bessere Idee?
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