Ein Haus für die Ewigkeit
von
Thomas Stefan
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Ein Haus für die Ewigkeit
Vanessa, Tanja und Marianne hatten sich gefunden: Unternehmungslustig und immer auf Achse suchten sie tagaus und tagein Gelegenheiten, sich den Bauch vollzuschlagen. Bei dem gefräßigen Trio handelte es sich um Nacktschnecken, und ihr Revier war ein großer Garten mit einem reichen Angebot an Essbarem. Die drei interessierten sich eigentlich nur für frische Salatblätter und reife Erdbeeren.
Der natürliche Feind unserer Nacktschnecken war die Herrin des Hauses, bewaffnet mit Strohhut, Schürze, scharfer Brille und superscharfem Messer, immer auf Ausschau nach Nacktschnecken, begleitet von dem Ehemann, der getreu hinter der Gärtnerin herhinkte und sich auf Wink nützlich zu machen hatte.
Unsere drei Freundinnen kannten das Geräusch, wenn ihre Artgenossen wieder einmal ins Jenseits befördert wurden:
RATSCH!
In diesem Garten fand ein Kampf statt zwischen Mensch und Tier, und das Gesicht der Gärtnerin hellte sich erst auf, wenn sie wieder eine Nacktschnecke erlegt hatte:
Ratsch, Ratsch, Ratsch!
Dann verschwand für einen kurzen Moment auch die angedeutete Zornesfalte.
Unsere drei Helden saßen wieder mal zitternd unter feuchtem altem Laub, lugten vorsichtig hervor und kämpften mit der Übelkeit angesichts der Meuchelmorde in ihrem Revier. Warum sie noch am Leben waren? Nun, Vanessas Unternehmenslust und Tanjas Gefräßigkeit hätte sie allemal schon das Leben kosten müssen, wenn sie sich nicht auf die Umsicht und den Spürsinn von Marianne hätten verlassen können. Im Garten nannte man sie nur „The brain“. Marianne Wahlspruch: „Lieber hungrig überleben als satt sterben.“
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Ein herrlicher Tag, Morgentau noch auf den Blättern, ein unwahrscheinlicher Duft von Erdbeeren zog durch die Beete. Unsere drei natürlich auf dem Weg zu den Futterplätzen. Daneben war aber auch noch ein anderer würziger Geruch deutlich wahrzunehmen, eigentümlich anziehend. Obwohl unsere drei schon ein gutes Tempo vorlegten, wurden sie plötzlich von zwei keuchenden Artgenossen überholt, natürlich Heiner und Fred!
„Hallo Mädels, wollt ihr nicht mitkommen, euch erstmal einen Schluck genehmigen?“ brüllte Heiner zu ihnen herüber und deutete auf eine schaumige Pfütze, die diesen würzigen Geruch verströmte.
„Danach habt ihr richtig Spaß und doppelt so großen Appetit!“ jubelte Fred.
„Jungs wir kommen“ jubelten Vanessa und Tanja in einen Ton zurück und robbten in Richtung der Pfütze, in der Heiner und Fred schon lagen und sich vollaufen ließen.
„HALT!“
Marianne guckte streng.
„Das wollen wir uns doch erst mal ansehen.“
„Janne, du bist ein Spießer und Spielverderber!“ schimpfte Vanessa, aber die drei blieben doch zurück und schauten sich das Bad der Freunde aus sicherer Entfernung an.
Heiner und Fred wirkten inzwischen wie aufgepumpte Autoreifen; nachdem sie zunächst unflätiger Lieder gesungen hatten, schwammen sie nun unbeweglich in der schaumigen Brühe. Donnernden Schrittes näherte sich der hinkende Gartenfreund.
Ratsch, Ratsch.
Heiner und Fred hatten wenigstens einen schönen Tod.
„Soweit zu diesem Thema,“ bemerkte Marianne noch kapp und trocken und robbte mit ihren zwei geschockten Freundinnen Richtung Salat. „Das war eine Bierfalle. Ich darf euch daran erinnern, wir sind Vegetarier und keine Alkoholiker!“
Währenddessen bewegten sich Gärtnerin und Mann durch den Garten, sie blieb ab und zu stehen, deutete auf den Boden, er drehte mit seinem Absatz eine Vertiefung in die Erde und goss etwas Bier darin aus. Ging die Frau weiter, nahm er schnell und verstohlen einen Schluck aus der Flasche und schwankte dann wieder hinterher.
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Faul und vollgefressen lagen Vanessa und Tanja in der Petersilie, daneben Marianne, die gar keinen Hunger hatte und schon den ganzen Tag nachdachte. Sie führten ein völlig ungeschütztes Leben, splitterfasernackt und wehrlos, eine schreiende Ungerechtigkeit! Marianne hatte mal irgentwas von einem ewigen Leben gehört, aber wie und wo sollte so etwas möglich sein?
Ihr ruheloses Auge irrte durch den Garten, und wie zufällig kamen ihr ihre ungeliebten Anverwandten in den Blick, die Weinbergschnecken, die überall im Garten zu finden waren, teils in sicherer und luftiger Höhe, meist auf großen Blättern klebend, in der Nähe der Nahrung.
Hochnäsige Leute, halt Hausbesitzer!
Da durchzuckte es Marianne wie von einem Blitz getroffen. Sie piekte ihre Freundinnen mit einem Stachel an. „Was soll das?“ murrte Tanja verschlafen.
„Aufwachen ihr Faulpelze, es geht um unsere Zukunft.“
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„ Jetzt spinnst du aber total, Janne.“ Vanessa machte mit einem Salatblatt den Scheibenwischer vor dem Kopf. „Total plemplem.“
„Ich könnt das sowieso nicht, ich komm´ aus `ner ehrlichen Familie,“ wandte Tanja ein und schob sich wieder ein Stück Erdbeere rein.
„Papperlapp,“ schnitt Marianne ihnen das Wort ab.
„Dass du das nicht kannst, wissen wir, Tane. Vane macht das.“
„Wie bitte?“
„Jawohl, du schleimst dich ein wie du es immer machst, lässt deinen Charme spielen und Tanja und ich greifen im richtigen Moment zu.“
„Aber warum können wir nicht einfach weitermachen wie bisher?“ fragte Tanja gequält. „Wir fressen, und du passt auf uns auf.“
„Schneckengeschwätz! Wollt ihr denn nicht weiterleben?“ schimpfte Marianne. „Wenn ja, dann folgt mir, ansonsten werden wir die nächste Woche kaum überstehen.“
Von weiten hörten sie wieder die donnernden Schritte des Gartenfreunds, dann wieder
Ratsch, Ratsch, Ratsch.
Sie waren überzeugt.
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Es war ein richtig schönes Haus, da gab es nichts. Vanessa schleimte sich heran und klopfte. Am Eingang des Schneckenhauses stand >Kurt<.
„Mo-Moment,“ klang es aus dem Schneckenhaus.
Nach einer Weile erschien aus dem Inneren ein Stielauge, sah Vanessa, schwoll leicht an, ein zweites Auge erschien, dann der Kopf.
‚Wie ekelig!’ dachte sich Vanessa, ‚ aber egal.’
„Hallo Kurt, sag mal, du bist doch total auf Zack, immer top orientiert, das weiß doch jeder hier im Garten. Wenn man wissen will, wo es was gibt, was so läuft, sagt man, geh zu Kurt, der hat´s drauf.“
„Ach ja?“ sagte Kurt und wagte sich schon ein bisschen weiter aus seinem Haus.
„Du kennst doch hier alle ansagten Plätze, ich meine Erdbeeren, Salat und so weiter, du weißt doch was ich meine,“ zwinkerte Vanessa ihm zu.
„Ich hab gehört, hier gibt es irgendwo Riesenerdbeeren, von einer kann man sich eine ganze Woche lang ernähren.“
„Nun, ja, äh, ich kenne mich hier ganz gut aus, das stimmt.“ Kurt bekam einen roten Kopf. Die Stielaugen pendelten wie hypnotisiert vor Vanessa hin und her.
„Weißt du, Kurt, ich hab mich hier ´n bischen verlaufen, wär´ schön, du könntest mich zu den Erdbeeren bringen.“
„Nun, ja, äh, das geht, ich habe etwas Zeit.“
Vanessa robbte los, Kurt so gut es ging hinterher.
„Sag mal Kurt, so ein Haus ist ja ganz schön, aber wohl auch ganz schön unpraktisch. Du kommst ja bei der Futtersuche kaum voran.“
„Ja, ja,“ keuchte Kurt, der schwer an seinem Haus
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