Ein Hecht im Goldfischteich
von
Hildegard Grygierek
Um einen echten Weiberhecht handelte es sich bei Fred Hechtig. Gerade erst im Gartenteich ausgelassen, ließ er sich an die weiblichen Goldfischchen aus.
Das Herz von Frau Rosenrübli schlug schon immer für einen Zierhecht, dann aber, praktisch nach ewig langem Hin und Her, fasste sie sich ans Selbe und schlug zu. Natürlich nicht auf den Hecht. Der ihrer Meinung nach bestechendschöne Hecht aus der Tierhandlung, stierte sie durch die Glaswand des Aquariums derart ersuchend an, dass sie nicht anders konnte als ihn käuflich zu erwerben.
Was sie aber nicht wusste, dass Fred -der Hecht- ein echter Jäger war.
Ungeniert machte er sich, auch schon während seiner Aquariumszeit, an alles ran was durch besonders schön glänzende Schuppen auffiel.
Kein Wunder, dass die Zooladenangestellte vor Freude wie verrückt mit dem Käscher Frau Rosenrübli hinterher winkte.
„So ein aufdringlicher Fisch ist mir ja noch nie in den Teich gekommen“, bereute Frau Rosenrübli bereits am zweiten Tag ihren Fehlkauf.
„Hör mal zu, du schlüpfriger Hecht, wenn du nicht aufhörst den Goldfischdamen nachzujagen, kommst du in die Pfanne,“ schimpfte sie das Zierstück von Fisch aus.
„Alles klar, Lady“, schleimte sich Fred bei seiner Herrin ein und prustete ihr eine Wasserfontäne zu.
Kaum hatte sie sich weit genug vom Ufer entfernt, zog Fred kreisend um die hilflosen Goldfischchen.
„Naaaa, ihr schönen Gold-Mädels, schon mal so einen tollen Hecht wie mich gesehen?“, gab er an wie zehn nackte Regenbogenforellen.
„Du brauchst dich gar nicht so in die Schuppen zu werfen, du Jäger, du Räuber. Wir wissen ganz genau was du für einer bist. Auffressen willst du uns, mit Haut und Gräten, nicht wahr?“, flüchteten die zarten Goldfischchen vor ihm in die äußerste Teichecke.
„Ja, aber nur aus Liebe. Ihr seid ja so goldig, da kann ich gar nicht anders“ , erwiderte der Hecht.
Verängstigt riefen die Goldfischmädchen um Hilfe: „Ist denn hier keiner, der dem Schleimer was auf die Flosse haut?“
„Habt keine Angst Mädels“, klapperte die alte Süßwassermuschel, „das ist ein Angeber, ich kenne ihn von früher. Der hat sich schon immer an alles rangemacht, was Flosse und Schuppen hat. Er kann euch nichts anhaben, glaubt mir, er ist nur ein kleiner Zierhecht.“
„Hoch, Du alte klapprige Muschel, halte bloß die Klappe,“ wütete Fred heftig im Teichgrund, wobei er ordentlich vom Boden aufwirbelte.
„In Grund und Boden solltest du dich schämen, du oller Weiberhecht“, schimpfte die Muschel zurück, „die Mädels so zu erschrecken“.
„Was ist hier los?“, erkundigte sich Liesel Liebel, die Libelle, welche es sich gerade auf einem Seerosenblatt bequem machen wollte. „Wer erschreckt hier hilflose Goldfischmädels?“
„Fred Hechtig bildet sich ein, der Größte seiner Sorte zu sein und will den Goldfischchen an die Schuppen“, verteidigte Konrad der Wasserfloh die hübschen Fische.
„Wie edel von dir Konrad und das obwohl wir dich schon so lange auf den Kieker haben“, meinte Susi eines der Goldigsten. „Demnächst Kinder, essen wir nur noch das Futter von Frau Rosenrübli“, bestimmte sie und selbstverständlich stimmten alle anderen zu.
Für Fred Hechtig war die Zeit des Umschwänzelns somit versiegt. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als friedlich in Erinnerungen an seiner Verflossenen in der Aquariumszeit im Zooladen zu leben.
Damals, als er noch herumjagte wie ein wilder Hecht, hätte ihn kein Wässerchen trüben können - aber da bekam er auch nicht täglich was auf die Kiemen.
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen