Ein Lied für Dich - 6
von
pinkyrose
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Die Jungs hatten auf den Abend hin etwas zu essen kommen lassen. Erschöpft ließ ich mich in der Küche auf einen Stuhl sinken und nahm mir etwas von der riesigen Pizza, die auf dem Tisch lag, und kaute lustlos darauf herum. Ich hatte weder Hunger noch Appetit und so ließ ich das Stück nach ein paar Bissen liegen und ging nach oben in mein Zimmer, wo ich es vorzog eine Kerze anzuzünden, als das Licht anzuschalten. Sie warf nur ein schwaches, flackerndes Licht in den Raum, doch ich genoss für einen Moment die Wärme, die sie von sich gab, ehe ich an mein Fenster trat und in die sternenklare Nacht hinausstarrte. Die Sterne am schwarzen Nachthimmel funkelten hell und unter ihnen beobachtete ich ein Flugzeug, das sich durch das Blinken seiner Lichter vom Rest des Himmels abhob.
Einen Augenblick lang wünschte ich mir jetzt dort oben zu sein und einfach davonfliegen zu können, wenngleich es feige war, einfach zu fliehen vor seinen Problemen, aber manchmal übermannte einen das Gefühl, dass es so vielleicht fast besser war.
Ich hatte nicht gemerkt, dass jemand mein Zimmer betreten hatte, erst als sich eine Hand an meinen Rücken legte. Mit einem matten Lächeln schaute ich zu Joel hoch, der mir einen sanften Kuss auf die Wange gab und dann ebenfalls aus dem Fenster schaute.
“Woran denkst du?“, unterbrach er die Stille.
“Nichts.“
“Man kann nicht nichts denken.“ Auffordernd schaute er mich an, doch ich sagte nur: „Lass uns nicht schon wieder über solche Dinge reden.“ Ich drehte mich zu Joel und legte den Kopf an seine Brust, spürte wie sie sich bei jedem Atemzug hob und senkte. Die Gleichmäßigkeit dieser Bewegung beruhigte mich und ich schloss müde die Augen.
“Ihr müsst bald wegfahren.“ Ich formulierte es nicht wie eine Frage, eigentlich wusste ich es ja sicher, wünschte aber es wäre nicht so.
Es dauerte ein wenig bevor Joel etwas darauf sagte. „Wir sind zwei Tage weg. Vielleicht ist es ganz gut, dass du mich dann nicht siehst.“
“Nein. Es wäre mir viel lieber du würdest hier bleiben“, murmelte ich und kam mir plötzlich furchtbar jämmerlich vor.
“Du leidest seit ich da bin. Und solange du Zeit mit mir verbringst, wird sich das nie ändern.“ Er klang nachdenklich, als würde er an etwas anderes denken. „Ich muss noch nach unten. Ein paar Dinge durchsprechen, weil wir morgen gehen“, wechselte er das Thema und unterbrach so auch meine Gedanken. Bevor er sich wegdrehte, griff ich nach seiner Hand, sodass er mich noch einmal anschaute und stehen blieb. Ich hatte das dringende Gefühl, dass ich es ihm sagen musste, dass ich es endlich loswerden musste in der Hoffnung, dass sich die Lücke zwischen uns schließen könnte. Ich beugte mich zu ihm und stellte mich auf die Zehenspitzen, um mit meinem Mund an sein Ohr zu gelangen.
“Ich liebe dich“, flüsterte ich dann ganz leise, hatte beinahe selbst Angst vor diesen Worten, obwohl sie nur das ausdrückten, was ich empfand, doch ich wusste nicht, was sie in Joel auslösen würden, und trotzdem hätte ich sie nicht mehr länger zurückhalten können.
Ich schaute in seine tiefen Augen, die mir kein Gefühl zu offenbaren vermochten, keine Andeutung zeigten, was er dachte. Es verwunderte mich nicht, dass er nichts sagte, doch sein Schweigen machte mich auch unruhig, bis ich das Lächeln in seinem Blick sah und mir auf einmal leichter wurde. Joel hauchte mir einen letzten Kuss auf die Lippen, bevor er zu seinen Freunden ging.
Ich ging recht früh ins Bett, schlief aber lange nicht ein, sondern wartete auf Joel, doch er kam in dieser Nacht nicht mehr zu mir und auch am Morgen, als ich aufwachte, sah ich ihn nicht mehr, da sie schon längst fort waren. Ich war ein wenig enttäuscht, dass er sich nicht mehr verabschiedet hatte, doch über ein solches Handeln, wenn es von Joel kam, durfte ich nicht mehr überrascht sein, und tröstete mich mit dem Gedanken, dass sie, falls es gut lief, morgen Abend bereits wieder hier sein würden.
Trotzdem plagte es mich nicht zu wissen, was er über meine Worte von gestern dachte, und wurde plötzlich von dem unangenehmen Gefühl überfallen, ihn damit vielleicht überfordert zu haben. Aber ich hatte wenigstens ein bisschen Klarheit zumindest von meiner Seite aus schaffen wollen und bereute es nicht.
Ich verbrachte den restlichen Tag mit unnützen Dingen, die mich alle nicht viel weiter brachten und meine bedrückte Stimmung nicht im Geringsten aufheiterten. Als ich beschloss, dass nichts, was ich tat, sinnvoll war, beschloss ich aufzuräumen. Das tat ich meistens, wenn ich Kummer hatte oder aus Langeweile – an diesem Tag kam beides zusammen – denn zumindest der Anblick eines wieder ordentlichen Raumes ließ es mich ein bisschen wohler fühlen in meiner Haut.
Immer wieder warf ich einen Blick auf mein Telefon, ob Joel sich gemeldet hatte, doch es blieb die ganze Zeit stumm und als es am späten Nachmittag doch endlich klingelte, war ich mir sicher, dass es Joel sein musste, aber meine Hoffnung wurde sofort wieder zerschlagen. Die Nachricht war nur von Lena, die mich fragte, ob ich Lust hätte am Abend mit ihr, Linda und Delia DVDs zu schauen, was ich allerdings ablehnte. Vielleicht hätte es mir gut getan und mich abgelenkt, aber ich wollte ihnen den Abend mit meiner schlechten Laune nicht auch noch verderben und entschied mich daher zuhause zu bleiben. Stattdessen schlich ich mich später in Joels Zimmer, schloss leise die Tür hinter mir, als könnte mich jemand erwischen, was natürlich absurd war, denn das Haus war vollkommen leer. Ich fühlte mich alleine in diesem großen Haus und die greifbare Stille zog sich durch jeden Winkel.
Nachdem ich eine Weile hilflos herumgestanden war, ließ ich mich auf das Bett im hinteren Teil des Raumes sinken und legte meinen Kopf auf das Kissen. Ich konnte Joel riechen, seinen Duft einatmen, der an dem blauen Bezug des Kissens haftete und zog mir dann die Decke bis zum Kinn.
Aus Langeweile, vielleicht auch ein bisschen Neugierde, öffnete ich die Schublade des Schränkchens neben dem Bett und entdeckte einige Papiere und Zettel, die allesamt mit Joels unordentlicher Handschrift beschrieben waren, welche ich, wie mir nun auffiel, nur selten gesehen hatte. Zwischen den Zetteln lag auch ein Collegeblock, doch ich maßte es mir nicht an etwas von diesen Dingen zu lesen, denn ich hatte das wohl sehr richtige Gefühl, dass sie niemanden etwas angingen. Mich vielleicht sogar am allerwenigsten.
Doch als ich unter den Sachen einige Bilder hervorlugen sah, wurde meine Neugierde doch größer. Ich hob die Zettel und Papiere vorsichtig an und zu meinem Erstaunen befand sich darunter noch ein ganzer Haufen Fotos. Ich holte sie heraus und ordnete sie zu einem Stapel, den ich nun Bild für Bild durchging.
Auf dem obersten waren Joel, Ben, John und Dean zu sehen, die alle vier mit frechen Gesichtern in die Kamera grinsten. Ich stellte fest, dass sie alle etwas anders als heute aussahen und als ich das Bild umdrehte, wurde ich in meiner Annahme bestätigt, denn es war schon etwa anderthalb Jahre alt. Ich fragte mich, wer
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Kommentare
lisa schrieb am 2012-03-16 13:24:23:
hallo pinkyrose,
ich habe gerade deine geschichte gelesen und sie hat mir wirklich gut gefallen.
gibt es denn noch ein ende, oder hast du komplett aufgehört zu schreiben?
würde mich sehr über eine fortsetzung freuen.
lg
Yuu schrieb am 2012-01-02 19:53:07:
Mach bitte weiter!
Ich kann nicht mehr länger warten...
yuxixiang@ymail.com schrieb am 2012-01-02 19:52:37:
Mach pls weiter!! *-*
eli schrieb am 2011-01-04 08:34:44:
juhu es geht weiter - danke!
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