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Kategorien > Tierisches > Alltag

Ein Schäfchen bittet zum Tanz

von Lydia Bille+ Ilona Heiden

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Wie aus einem dünnen Wollknäuel ein kugeliges Schaf wird
Wie jeden Tag stand ich mit meinen Freunden und Kollegen auf der Weide des Bauernhofes. Wie immer waren die besten Halme schon abgegrast, sodass die letzten kümmerlichen Reste für mich blieben. Ich würgte sie hinunter und sah auf. Die Sonne würde bald untergehen. Das wusste ich, weil ich den Laufe der Sonne beobachtete. Ich hatte ja sonst nichts zu tun.
Auf einmal trat der Bauer heran und beäugte mich missmutig.
"Du bist immer noch so dürr. Den ganzen Tag verbringst du wie die anderen fressend auf meiner Weide und nimmst trotzdem kein Pfund zu. Was ist denn bloß mit dir los?"
Ich verstand ihn zwar nicht, merkte jedoch, dass er gerade gereimt hatte: "bloß; los".
Sofort hörte ich den Rhythmus heraus, der die Bedeutung von Worten immer wieder in den Schatten stellt. Ich kenne mich da aus. Um meinen Hunger zu vertreiben, dichte ich manchmal kleine Lieder, deren Rhythmus geradezu überwältigend ist. Also fing ich langsam, aber sicher zu tanzen an und wunderte mich, dass der Bauer nicht weiter reimte und sich auch nicht vom Rhythmus mitreßen ließ. Da er mich so verwundert ansah, stoppte ich mitten in meiner Bewegung.
"Bist du immer noch so mager, weil du rumhopst, wie ... mein Schwager? Der ist auch so ein dünner Kerl. Bei mir ist wenigstens ordentlich was dran!" Er klopfte sich auf seinen dicken kugelrunden Bauch. Endlich hatte er wieder gereimt, "mager wie mein Schwager".
So gefiel er mir. Zu meinem tanz fehlte nur noch etwas Musik ... Und ein voller Magen. Es knurrte und grummelte in meinem Bauch, als wären zwei ganze Wespenschwärme darin eingeschlossen.
Ich schmiss mich auf den Boden und wälzte mich, um meine Bauchschmerzen zu vertreiben. Irgendwann blieb ich erschöpft auf dem Rücken liegen.
Plötzlich wurde es dunkel, sehr sogar. Ich blickte auf und sah etwas Riesiges, Schwabbeliges. Mir wurde klar, dass es der Bauch des Bauern war. Er packte mich auf einmal grob mit seinen wurstigen Fingern, und ich erlebte die Weide aus der 1, 80-Meter-Perspektive! Alle Schafe blökten aufgeregt, und ich teilte ihr Gefühl: War das mein Ende? Werde ich jetzt bald abgepackt im Wurstregal liegen mit der Aufschrift "extra mager"?
Doch dem war nicht so. Der Bauer mochte uns Schafe wohl doch zu gerne. Er brachte mich in die Wohnung zu seiner Frau, die in ihrem Sessel saß und strickte. Was sie wohl daraus machen wollte... He! Das war doch mal meine Wolle! Ich bin mir ganz sicher, die erkenne ich sofort wieder: Meine samtig weiche und zarte Wolle, die einen leichten Gelbton hatte (der kam vom Futter). Unverkennbar. Meine wundervolle Wolle (he, ich kann ja sogar im Alltag reimen!).
Die Frau sah auf und fragte ihre Mann irgendwas. Seine Antwort versatnd ich wieder nicht.
Mensch habe ich leider nie gelernt zu sprechen. Aber dafür Schnecke, Hund und Floh. Letzteres ist praktisch bei einem Haarwuchs wie meinem.
Der Bauer setzte mich in einen Korb mit einer Decke. Ich schlief schnell ein, da ich sehr vom Tag war. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, stand ein mit frischen, saftig grünem Gras gefüllter Napf vor mir, und es duftete nach leckeren Dingen. Ich lebte von dem Tag an beim Bauern und seiner Frau Epais. Ich ähnelte immer mehr einer Kugel und lebte glücklich und froh, wie der Mops im Haferstroh.

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Kommentare

ilona + lydier schrieb am 2008-12-05 18:25:30:
Vielen dank für eure lieben Kommentare :-) Du hast Recht Tina, wir haben das Wort "müde" vergessen!!!
Kelly schrieb am 2008-11-28 13:16:29:
Die Geschichte ist sehr amüsant und drollig geschrieben!

Liebe Grüsse
Tina schrieb am 2008-11-25 22:33:06:
Die Geschichte ist sehr süß geschrieben. Ich selbst schreibe auch gerne aus der Tier-Perspektive (siehe "Montecore"). Aber eine Stelle irritierte mich ein bisschen: "Ich schlief schnell ein, da ich sehr vom Tag war." Ich glaube, da fehlt das Wort "müde". Oder?

Grüße von Tina

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