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Kategorien > Aus dem Leben > Sozialkritik

Ein Tag im Leben des Willi S,

von Ike Lepi

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Ein Tag im Leben des Willi S. 11.01.2001
Gutgelaunt setzt sich Willi S. in sein Auto und fährt zur Firma. Wie jeden Tag hat er sich gewisse Arbeiten vorgenommen, die er zu erledigen gedenkt.
Gerade auf dem Parkplatz angekommen, ruft Dietmar, der Lagerist. „Eh, hörma, watt hasse denn da da ausgezogen; Verschraubung 2“! Damit kann ich gar nichts anfangen. VA, verzinkt oder watt?
Willi kann nur erwiedern: Ich war das nicht, das war der Konstrukteur, der das ausgezogen hat. Darauf Dietmar: Bis du der Projektleiter, oder wer?
Oben im Büro angekommen überfällt ihn der Konstrukteur Erich. Ej Willi, wenn du mir nicht sofort das Maßblatt der Schieber besorgst, dann kann ich nicht mehr weiter arbeiten. Sag mir dann bitte, wo ich die Wartezeit in der Stundenerfassung eintragen soll. Außerdem mußte ich die Pumpen auf die andere Seite stellen; der oberste Chef war hier. Die zusätzlichen Arbeitsstunden verursachen eine Bugetüberschrei-tung. Wie soll ich weiter vorgehen?
Willi kann nur erwiedern: Ich war das doch nicht, der das veranlaßt hat. Darauf Erich: Bis du der Projektleiter, oder wer?
Kaum hatte Willi auch diese Geschichte verkraftet, klingelt das Telefon. Zacharias aus der Abteilung Beschaffung. Zacharias: Willi, du hast gestern einen Materialzettel `runtergegeben. Du weist doch wohl, das Materialzettel bis spätestens Mittwoch bei mir seien müssen. Leider kann ich den Zettel nunmehr erst für nächste Woche bearbeiten.
Willi ist mittlerweile kurz vor der Explosion. Dann müssen wir eben die Baustelle stillegen. Außerdem: Ich war das doch nicht, sondern der Monteur, der so spät die Materialanforderung gestellt hat. Darauf Zacharias: Bis du der Projektleiter, oder wer?
Tatsächlich wurde das Material nicht zusammengestellt und die Montage wurde eingestellt. Diese Information erhielt, schneller als jemand laufen kann, der Projektmanager Christoph, der unverzüglich Willi S. aufsuchte.
Christoph: Was erlauben sie sich? Wie können sie die Montage stoppen? Das paßt nun absolut nicht mehr in meinen Struktur- und Bauzeitenplan! Wissen sie eigentlich, was das für uns für Konsequenzen hat? Ich bin drauf und dran, sie abzumahnen. Was sagen sie dazu?
Willi S. schlottern bei dem Begriff „Abmahnung“ die Knie.
Willi kann nur erwiedern: Ich war das doch nicht, der das veranlaßt hat. Darauf Christoph: Bis du der Projektleiter, oder wer?
Mittlerweile wurde es Mittag und Willi S. setzte Kaffee auf und packte seine Brote aus. Da kam doch, wie so oft, die Kauffrau Siegried. Willi du ich hab`nur eine kleine Frage. Willi verwies auf seine Mittagspause, was Siegried absolut nicht verstand. Sie hatte ja bereits ihre Mittagspause hinter sich. Willi S. ließ sich, wie immer erweichen und sagte: Ja watt hasse denn für`n Problem. Siegried: Sag mir doch `mal, ob diese Schrauben, gemäß Lieferschein, schon geliefert wurden.
Willi S. betrachtete den Lieferschein und entdeckte 2500 Schrauben in den unterschiedlichsten Größen, Längen und Stückzahlen. Willi packte zum zweiten Mal die Wut.
Bin ich Hellseher, oder watt? Wenne willst, fahr ich zur Anlage und überprüf das! Desweiteren:
Ich war das doch nicht, der die Schrauben angenommen hat. Darauf Siegried: Bist du der Projektleiter, oder wer?
Willii S. wischte sich den Schweiß von der Stirn, als der Chef `reinkam. Gleich mit der Bemerkung:
Sagen sie mal, haben sie schon `mal auf die Uhr gekuckt; ihre Mittagspause ist bereits seit 10 Minuten um. Diese Zeit holen sie mir aber nach. Außerdem, warum haben sie beim Projekt Erzgebirge nicht die zugesagten Termine eingehalten?
Darauf Willi S.: Ja, ich hatte noch dieses und jenes und dieses und jenes zu tun, und außerdem habe ich die Terminzusagen nicht gemacht, das waren die Herren X. und Y.! Zudem kommt, daß ich mittlerweile 3 Problemprojekte zu bewältigen habe, und mehr als arbeiten kann ich doch nicht.
Der Chef: Papperlapapp! Diese Ausreden höre ich doch von allen ständig. Außerdem sollten sie nicht Leute beschuldigen, die sich nicht verteidigen können, weil sie nicht mehr hier sind.
Sind sie der Projektleiter, oder wer?
Willi S. fährt deprimiert und mit Selbstzweifeln und schlechtem Gewissen nach Hause. Zu Hause angekommen, macht ihm seine Lebensgefährtin ein Geständnis. Sie sagt: Willi, ich habe vergessen einzukaufen, heute gibt es nur Knäckebrot.
Darauf Willi: Dafür gibt es keine Entschuldigung; bist du der Projektleiter, oder wer?

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