Ein Unglück kommt selten allein...
von
Steffi Ludwig
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Kapitel 1
Sie rannte und rannte. Der Wind blies ihre Haare umher. Die Regentropfen schlugen ihr ins Gesicht. Die Äste um sie herum trafen sie und zerfetzten ihre Kleidung. Sie hatte Angst, sehr große Angst. Der Boden war matschig und rutschig. Bei jedem Schritt versank sie tief in der Erde. Die Bäume um sie herum deckten auch noch das letzte Licht ab, das die Sonne noch durch die dichten Wolken warf.
Es war dunkel, sehr dunkel. Und es war kalt. So kalt, dass es bei jedem Atemzug in ihrer Lunge brannte. Doch sie lief und lief und stoppte nicht. Sie fühlte diese Schmerzen kaum noch. Alles was sie wollte, war, nach Hause zu kommen.
Doch ihr Verfolger machte es ihr nicht leicht. Sie hörte die Schritte ihres Verfolgers langsam immer näher kommen. Hinter sich hörte sie raschelndes Laub und das knacken vieler kleiner Äste.
Doch sie wusste nicht wo sie war. Sie konnte nicht mehr. Ihr Atem stockte. Der Mann, der sie verfolgte, schien aber noch sehr wohl zu können. Denn dieser war ihr immer noch auf den Versen.
Was konnte sie noch tun? Was hatte sie diesem Mann getan? Sie kannte ihn doch gar nicht!
Mit einem riesen Satz und ohne weitere Überlegungen sprang sie mit ihrer letzten Kraft ab und landete hinter einer alten schlammigen Baumwurzel. Sie robbte durch die Matsche am Boden, um sich so zu positionieren, dass sie nicht gesehen werden konnte. Nun nährten sich die Schritte des Mannes unaufhörlich.
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals hoch und sie hatte Angst, dass der Mann ihr Herz schlagen hören konnte. Ihre Angst wurde fast unerträglich. Als der Mann bei ihr angekommen war hielt sie abrupt den Atem an. Doch der Mann hörte sie nicht und lief an ihr vorbei.
Nun war sie wieder ganz allein, allein in diesem großen schwarzen Wald – Das dachte sie zumindest.
Erst jetzt bekam sie zum ersten Mal eine richtige Chance sich ihre Umgebung mal richtig anzusehen. In dem Wald war es sehr düster. Fast alles um sie herum war schwarz. Man konnte gerade noch seine Hand vor Augen sehen. Die Bäume um sie herum waren alle, bis auf ein Paar Ausnahmen, abgestorben und streckten ihr ihre bedrohlich wirkenden, dürren Äste entgegen. Der Waldboden war überall matschig und aufgeweicht. Sie war bei ihrem Sprung knietief im Schlamm versunken.
Aber das schlimmste war, dass sie keine Ahnung hatte warum sie hier und wie sie hierher gekommen war. Auf einmal war sie da. Das einzige an das sie sich erinnern konnte, war ein gleißendhelles Licht. Und kurz darauf war sie in diesem Wald. Schon komisch und irgendwie unheimlich. Sie wollte wieder nach Hause, so schnell wie möglich.
Ihre Klamotten waren nass und sie war am frieren. Sie fragte sich wann jemand sie hier finden würde. Vielleicht nie? Oder schon sehr bald? Die Gedanken machten sie irgendwie sehr müde. Sie schlief sehr bald ein, obwohl sie sich vorgenommen hatte sofort weiter zu gehen.
Doch sie merkte nicht, dass der Mann der sie verfolgt hatte, sich langsam und unauffällig näherte. Da sie schlief hörte sie nicht das bedrohliche, schnelle Atmen des Mannes. Er versuchte leise zu sein, doch unter seinen Füßen knackten die Äste und das Laub raschelte. Langsam, sogar sehr langsam, ging er auf sie zu. Bei ihr angekommen, blickte er sie ganz verträumt an und beugte sich tief über sie. Er blickte ihr Gesicht an… und auf einmal schreckte sie plötzlich hoch uns sah diesem entsetzlichen Mann direkt ins Gesicht. Er war ganz in schwarz gekleidet. In seinem Gesicht konnte man nur diese durch Blut und Mark dringenden dunklen Augen sehen, die sich in ihrem Gehirn fest brannten. Die obere Partie seines Gesichtes war total vernarbt und wies viele Verbrennungen auf.
Sie war vor Angst wie gelähmt, konnte sich nicht mehr bewegen - nicht mehr schreien und nicht mehr reden. Das letzte was sie tat war in diese dunklen Augen zu gucken. Denn dann zuckte plötzlich der Arm des Mannes und ein Messer schnellte nach oben und durchborte den Hals des Mädchens. Das Blut lief ihr am Hals herunter. Der Waldboden färbte sich rot. Er schlitzte ihren Brustkorb auf und nahm ihr Herz heraus. Er hielt es nur in die Höhe und fing an in einem tiefen befriedigten Tonfall zu lachen.
Kapitel 2
Das klingeln des Weckers ertönte laut und schrill am Samstagmorgen. „8 Uhr! Noch so früh!“, dachte sie. Total übermüdet griff Cathy nach dem Wecker und fegte diesen mit einer leichten Handbewegung vom Nachttisch. „Das kann ja wohl nicht wahr sein!“, dachte sie. Ihre Eltern waren schon seit 6 Uhr unterwegs zum Sternbergersee in Italien. Sie würde jetzt 2 Wochen ganz auf sich allein gestellt sein. Bis auf ihren Hund Baxtor. Ja, Baxtor würde da sein und immer auf der Lauer. Das wusste sie genau. Grade nach der Trennung ihres langjährigen Freundes hätte Cathy gut Beistand gebrauchen können. Auch wenn sie mit ihren Eltern nie übermäßig viel zu tun hatte, musste sie sich doch eingestehen, dass sie sie brauchte.
Sie war noch total übermüdet als sie aus dem Bett stolperte. Mit mühsamen und schweren Schritten stapfte sie in Richtung Fenster. Einzelne Sonnenstrahlen fielen durch die kleinen, gleichmäßigen Löcher des alten Rollos. Mit ein Paar Bewegungen und einem leichten Kraftaufwand zog sie dieses hoch und sofort schien ihr die helle Sonne ins Gesicht. Das Licht war so hell, dass es sie blendete. Sie öffnete das Fenster und atmete tief die frische Morgenluft ein. Es roch nach Freiheit. Doch frei wollte sie im Moment nicht sein. Lieber hätte sie ein wenig Gesellschaft um sich abzulenken. Die Sonne stand noch nicht sehr hoch und der Himmel war noch leicht orange und rosa angehaucht. Eine leichte Sommerbriese glitt über ihr Gesicht und durch die Haare. Die Blätter der Buche, in dem nahe gelegenen Wald, bewegten sich sachte in dem leichten Wind. Auf dem Teich kräuselte sich das Wasser und die Blumen auf der Wiese öffneten ihre Blüten. Es war ein wundervoller warmer Tag und Cathy hatte das Gefühl, dass er noch viel schöner werden könnte wenn sie endlich mal über etwas anderes nachdenken würde. Eben ein Tag zum entspannen. Ein Tag, den sie nur für sich beanspruchen konnte. Ein Mal etwas genießen was sie gerne tat. „Ich könnte mal wieder etwas zeichnen.“, dachte sie bei sich. Schnell suchte sie ein Paar Sachen zusammen und zog sich um. Cathy ging aus ihrem Zimmer hinunter ins Erdgeschoss. Sie ging durch dieses alte Steingemäuer in einen kleinen Gang in Richtung Schwimmbad.
Das Bad war riesig. In dem Raum war es sehr dunkel. Nur die blaue Beckenbeleuchtung warf ein wenig Licht in den Raum. Die Wände hatten viele verzierte Kacheln, auf denen alte Schriftzüge und noch ältere Bilder zu erkennen waren. Überall an der Wand des Raumes standen wundervolle, große Palmen und eine Menge anderer exotischer Gewächse. Die Pflanzen gaben dem Raum das gewisse etwas. Sie strahlten eine Wärme aus und betonten sehr gut das klare, helle Blau des Wassers. Auf dem Boden des Beckens waren zahlreiche Hyroglyphen zu entdecken. Dieses Haus gehörte einmal einem reichen Antiquitätenhändler - Das hatte zumindest der
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