Ein Versprechen
von
Kat
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Ich zog mir meine Kapuze tiefer ins Gesicht, um meine Tränen zu verbergen. Der Trauerzug schritt langsam voran. Schuldgefühle nagten an mir.
Ich hätte es verhindern können, ich hätte sie retten können. Doch ich hatte versagt.
Ich war die Letzte in der Reihe. Das war auch gut so, denn ich wollte nicht, dass die anderen bemerkten, dass ich überhaupt nicht zur Familie gehörte, sondern mich nur heimlich dazugeschlichen hatte. Aber ich hatte es als meine Pflicht angesehen, dem armen Mädchen die letzte Ehre zu erweisen. Obwohl ihr das nun auch nicht mehr half.
Ich hatte das kleine Mädchen oft auf dem Spielplatz gesehen, wie es lachte, voller Lebensfreude. In meinem sonst so düsteren Leben waren Kinder für mich etwas sehr Wertvolles.
Warum ausgerechnet ich? Warum wurde mir so eine Last auferlegt?
Ich konnte schon lange nicht mehr gut schlafen und wenn ich doch das Glück hatte, in der Nacht Ruhe zu finden, dann quälten mich meine Visionen. Bis jetzt hatte ich sie nie ernst genommen. Obwohl sich schon oft gezeigt hatte, dass sie wahr wurden, hatte ich mich geweigert an sie zu glauben. Ich hatte sie für dumme Zufälle gehalten.
Mein Gott, ich hätte so viele Unglücke verhindern können!
Ich stapfte durch das hohe, nasse Gras und versuchte in dieser dichten Nebelsuppe etwas zu erkennen. Meine Schuhe waren voller Matsch, bei jedem Schritt schmatzte der Boden und ich sank immer tiefer in den Schlamm. Meine Socken waren total durchweicht.
Na toll, dachte ich, das ist also meine Strafe. Das war demütigend. Konnte mich nicht wenigstens der Blitz treffen? Nein, wahrscheinlich hatte ich den Tod gar nicht verdient.
Nach einiger Zeit, hatten wir die alte Kirche erreicht und schritten hinein. Der Sarg wurde auf den Altar gestellt und ein Singsang begann. Erschöpft ließ ich mich auf einer Bank nieder. Natürlich auf der hintersten. Der Gottesdienst fing an.
Und meine Gedanken schweiften ab. Ab jetzt würde ich nie wieder eine meiner Visionen vergessen. Ich würde jedem das Leben retten, den ich in meinen Träumen sah, egal wie schwer es sein würde. Das war ich dem kleinen, toten Mädchen schuldig und allen anderen auch.
Erneut keimten Schuldgefühle in mir auf und Tränen füllten erneut meine Augen.
Kein Leben mehr vergeuden, schwor ich mir. Ich kniff die Augen zusammen, um zu verhindern, dass meine Tränen flossen. Doch somit kamen die Bilder der Todesvision hoch und mein Kopf drohte zu platzen.
Ein Lachen. Blonde Locken und rosa Wangen. Das tote Mädchen. Plötzlich. Ein schwarzer Mercedes. Zu schnell. Ein wegrollender Ball. Die Straße. Ein gellender Schrei. Meine Ohren schmerzten! Krachen. Tiefrotes Blut.
Ich presste mir die Hände auf den Kopf und unterdrückte ein Schluchzen.
Meine Schuld, meine Schuld, meine Schuld!
Dieses Mantra schwirrte in meinem Kopf herum und brachte mich fast um den Verstand. Ich wollte weglaufen, mich verstecken, aber es ging nicht.
» Ruhe in Frieden. « Die Stimme des Pfarrers ließ mich zusammenschrecken. Die schwarzen Gestalten erhoben sich und gingen auf den Sarg zu. Legten die Hand darauf. Ein letztes Mal das geliebte Kind berühren. Ich zögerte, doch schließlich stand auch ich auf und strich über das glatte Mahagonieholz.
» Es tut mir Leid «, flüsterte ich, » aber ich verspreche dir, ab jetzt wird niemand mehr sterben. « Ich trat zurück und der Sarg wurde angehoben und zum Ausgang getragen.
Der Nebel war immer noch da, doch als ich hinauf zum Himmel blickte, versuchte die Sonne sich einen Weg durch die Wolken zu bahnen. Die Kälte war nicht mehr so drückend, dass ich dachte mein Herz würde erfrieren, sondern das Licht ließ das Eis schmelzen. Die Konturen der nebelverhangenen Hügel traten nun stärker hervor. Der Nebel lichtete sich.
Und mein Herz wurde leichter, als die Sonne den Schatten durchbrach.
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Kommentare
Celbration schrieb am 2009-03-01 11:43:37:
Sehr gut geschrieben,
man kann es sich wirklich bildlich vorstellen....
Es erinnert mich ein bisschen an die Sendung "Medium", die du vielleicht kennst....wegen den Visionen!
Kat schrieb am 2009-02-27 22:36:16:
Ach ja.. um auf Nicole zurückzukommen.. ich bin 14^^
Ansonsten: Danke für die Kommentare!
Nicole Schwinghammer schrieb am 2009-02-27 17:09:17:
ähm.. KAT
vielleicht, bist du ja so nett und hinterlässt deine Meinung in meinen Geschichten.
Würde mich rießig freuen...es sind die Geschichten von DeaVita.
Kyouyama schrieb am 2009-02-27 15:41:56:
Ja guter Schreibstil
man kann es sich gut vorstellen gute idee die ganze geschichte
gut gelungen
Nicole Schwinghammer schrieb am 2009-02-27 08:04:12:
Sehr gut geschrieben!
Liest sich sehr gut!
Gerne würde ich mehr erfahren, z.B. wie es jetzt mir Ihren Visionen weiterging??
Also nach deinem Schreibestil scheinst du mir Erwachsen zu sein, du schreibst sehr reif.
Vielleicht kann ich mich ja auf eine Fortsetzung von dir freuen :)
TJ Omar schrieb am 2009-02-26 18:21:41:
Hey. das ist eine tolle Geschichte. Trauriges Thema, sehr guter Schreibstil. Ich konnte es mir Bildlich vorstellen. Mach weiter so.
MfG TJ Omar
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