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Kategorien > Mysterie > Unheimliches

Ein eisiger Hauch

von MiaSophie

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Es war ein kalter Sonntagmorgen, ich öffnete meine Augen einen kleinen schlitzweit und räkelte mich. Ich war noch nie ein besonders langer Schläfer. Aber nach dem Tod meiner Frau Bettina, war es ganz schlimm. Nachts plagten mich Albträume und ich wurde ständig zwischen durch wach. Ich hatte seit dem, keine ruhige Nacht mehr erlebt.
Ich lag also in meinem Bett und starrte noch etwas die Wand an, ich konnte an diesem Morgen einfach keinen klaren Gedanken fassen.
Wahrscheinlich lag es daran, dass ich die halbe Nacht mal wieder wach gelegen habe, und über das Leben nachgedacht hatte.
Meine Frau war nun schon 6 Jahre Tod, doch ich kann das einfach nicht verarbeiten. Ich denke immer noch sehr oft an sie, und manchmal denke ich dass sie grade bei mir ist. Der Gedanke macht mir manchmal etwas Angst, doch oft spüre ich ihre nähe noch. So ein eiskalter Hauch huscht dann an mir vorbei.
An diesem morgen brühte ich mir wie immer meinen Kaffee auf und las dabei die Zeitung. Und da war er schon wieder dieser eiskalte Hauch.
Ich dachte schon wieder an Bettina und versuchte es zu verdrängen. Plötzlich blies ein heftiger Windstoß in den Raum und die Zeitung blätterte sich wie von Geisterhand um. Ich erschrak, vor lauter erschrecken, ließ ich meine Tasse Kaffee fallen. Ich sah total verwirrt auf das Fenster, was sich auf einmal zuschlug.
Mein Blick wich zu der Zeitung, und ich erschrak erneut, der Windstoß hatte die Zeitung auf die Todesanzeigen geblättert. Ich überflog die Seite kurz, plötzlich fiel mein Blick erneut auf etwas, als ob Jemand meinen Blick dahin drängen wollte.
Mir fiel dieses Bild auf, diese Kette die das Mädchen trug. Diese Kette ähnelte dieser meiner Frau, die sie unserer gemeinsamen Tochter zum Abschied geschenkt hatte.
Kurz nach dem Tod meiner Frau, musste ich unsere Tochter ins Heim geben, ich kam einfach mit der neuen Situation nicht mehr zurecht.
Ich war alleine mit meiner damals 11 jährigen Tochter Sophie. Ich fiel in ein tiefes Loch, und es schien für mich aussichtslos.
Ich sah das junge Mädchen an und über mich kam ein unruhiges und aufwühlendes Gefühl, ich musste mehr über ihren Tod erfahren. Es drängte mich förmlich dazu, zum Hörer zu greifen und anzurufen, ich las die Namen der Angehörigen und versuchte bei der Auskunft Informationen zu bekommen.
Ohne nachzudenken ließ ich mich schließlich direkt verbinden. Ich dachte mir in der Zeit wo ich wartete nur: „ Rolf, was tust du da bloß, du bist völlig verrückt.“ Aus Angst, dass meine Tochter mich hassen würde, weil ich sie damals in der schweren Zeit nicht unterstützen konnte, wollte ich keinen Kontakt zu ihr haben.
„ Horn“ dröhnte plötzlich aus dem Hörer.
„ Guten Morgen Frau Horn, mein Name ist Rolf Hermann und ich weiß grade selber nicht wieso ich das tue, aber ich las die Todesanzeige ihrer Tochter“, ich redete mit zitternder Stimme, ich hatte Angst die Frau würde mich für einen verrückten halten.
„ Bitte denken Sie nicht, dass ich verrückt bin.“ Die Stimme am Hörer atmete sehr schwer, und erwiderte dann, „ Nein, Herr Hermann, ich freue mich über Ihren Anruf“.
„Ich habe das Foto ihrer Tochter gesehen, und sie trägt eine Kette, die der meiner verstorbenen Frau ähnlich sieht.“
„Und ich weiß wie ich schon sagte nicht warum, aber es drängte mich, mehr über ihre Tochter zu erfahren“.
Bevor er weiter reden konnte sagte die Frau mit einer verheulten Stimme: „ Meine kleine Sophie war etwas ganz besonderes.“
Als ich den Namen Sophie hörte, fiel mir alles aus dem Gesicht. Ich dachte kurz an meine kleine Sophie, die ich damals im Stich ließ, doch das konnte nicht sein, und ich verdrängte den Gedanken schnell.
Ich fragte was Sophie denn passiert sei. Die Frau erzählte mir dass ihre Tochter bei einem Autounfall ums Leben kam. Es tat mir sehr Leid für sie, da ich wusste wie es ist einen Menschen zu verlieren, den man liebt. Ich unterhielt mich mehrere Stunden mit ihr, es kam mir vor als ob wir uns schon Jahre kennen.
Doch als sie mir erzählte dass sie Sophie mit 12 Jahren adoptiert hatte, und Sophies leibliche Mutter verstorben war, sie aber nicht mehr wüsste, über ihre leiblichen Eltern, blieb mein Herz fast stehen, mir wurde übel.
Ich konnte an nix mehr anderes denken, es war also wahr, das Mädchen in der Todesanzeige war meine Tochter.
Ich stotterte nur noch, zuerst wollte ich es ihr nicht erzählen, doch irgendwie teilte ich ihr Leid nun. Ich fühlte mich unheimlich schlecht, mich überkam ein Schuldgefühl.
Ich hasste mich dafür dass ich damals so handeln musste. Ich hätte sie nicht bei mir haben können, sie hätte kein schönes Leben bei mir gehabt, was sollte sie schon mit einem Depressiven Vater machen.
Ich erzählte ihr also alles, und sie fing an zu weinen,
„Damals ging es ihr so schlecht, es hat lange gedauert, bis sie wieder einen Klaren Gedanken fassen konnte“. Ich erzählte ihr auch warum dass alles so gekommen war. Und das ich mir das nie verzeihen kann, nur ich keine andere Wahl hatte.
Ich versuchte sie zu trösten, doch ich war den Tränen selber nahe, ich konnte es immer noch nicht fassen.
Im gleichen Moment, fühlte ich es wieder, diesen eisigen Hauch.
Ich dachte an Bettina und Sophie, wie wir mit ihr im Garten gespielt hatten, es war alles so Harmonisch und da war die Welt noch in Ordnung.
Ich hörte ihr lachen, und dies zauberte auch ein kleines lächeln auf meine Lippen.
Wir unterhielten uns noch den ganzen Nachmittag, die Zeit verging wie im Fluge.
Als wir auflegten, ging es mir auf eine komische Art und Weise gut. Ich hatte das erste Mal seit dem Tod von Bettina mein Leid anderen erzählt, ich war bei vielen Therapeuten, doch so wirklich öffnen konnte ich mich nie.
Aber bei Sophies Adoptivmutter spürte ich etwas warmes, ich konnte mich öffnen und ihr alles erzählen.

Es verging eine Woche und fast jeden Abend hatte ich mit Sophies Adoptivmutter telefoniert. Nun war es Freitag und Sophies Beerdigung fand statt.
Ich war mir nicht sicher ob ich hingehen sollte, schließlich wollte ich damals keinen Kontakt, und sie nie wieder sehen.
Doch ich beschloss zu gehen, und mit allem Abzuschließen.
Nachdem, lebte ich wieder, ich suchte mir wieder einen Job und heiratete auch wieder.
Ich denke immer noch manchmal an Bettina und Sophie doch der Gedanke an die Beiden, macht mich jetzt Glücklich und gibt mir Kraft.
Ich weiß jetzt das was an diesem Tage passiert ist, war bestimmt kein Zufall.
Ich denke, dass der eisige Hauch, den ich spürte daran schuld war.

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