Ein ganz normaler Freitag Abend - wirklich ?
von
Christian Schulz
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Ein ganz normaler Freitag Abend - wirklich ?
Freitag Abend, 19.30...endlich Feierabend für Hasi! Sein Chef hatte ihn nämlich dazu verdonnert, den alten Mercedes heute unbedingt noch fertigzumachen. Sechs Stunden hatte er seinen Kopf mehr unter der Motorhaube als an der frischen Luft gehabt. So strömte er schließlich eine interessante Geruchsmischung von frischem als auch angetrocknetem Schweiß sowie den leicht muffigen Geruch seiner Kleidung, der fettigen Haare und einem gehörigen Schuss Motoröl aus, als er die Werkstatt verließ. Na, beide Autofenster während der Nachhausefahrt aufgemacht, das würde ihn wohl schon wieder ein bisschen frisch machen.
So brauste Hasi einem schönen Wochenende entgegen, das heute erst mal zuhause mit einer Kiste Bier und seinen beiden Mitbewohnern eingeläutet werden sollte : mit Börni und Kühli.
Hasi hatte heute Mittag schon 2 Kisten gekauft - und die hatten jetzt den ganzen Tag im Kofferraum seines VW Polo vor sich hingeköchelt, denn der Wagen hatte in der prallen Sonne gestanden. Um so besser, denn Hasi trank sowieso lieber warmes Bier. Börni sowieso, denn ein kaltes Bier würde ihm zu viel Umstellung von seinem Lieblingsgetränk, das er immer in Reichweite stehen hatte, abverlangen: schön heißem Rüdesheimer Kaffee.
Hasi freute sich außerdem schon auf die Bandprobe am Samstag – nach dieser würde er noch ein bisschen in der Stadt bleiben und mit seinen Kollegen einen trinken gehen –
ein Glück, denn fünf Tage am Stück mit Börni und Kühli waren wirklich genug.
Als er nach Haus kam, stand Kühli gerade vor dem Haus und goss die verwelkten Blumen – ein sinnloses Unterfangen – sie waren längst eingegangen. Mit gelben Zähnen, die aus dem dichten schwarzen Vollbart hervorstachen, grinste er seinem Freund Hasi zu.
„Kühli, ich sag dir doch schon seit drei Tagen, dass das keinen Sinn mehr hat! Wenn man die vier Wochen gar nicht gießt, kann man das in drei Tagen nicht wieder gutmachen. Außerdem hast du nasse Füße!“
Kühli stand mit seinen alten Sandalen in einer riesigen Wasserpfütze, und auch seine fleckigen Socken waren gut durchgetränkt. Als Antwort erhielt Hasi nur ein Lächeln, und Kühli wandte sich wieder dem unter Wasser stehenden Blumenbeet zu.
Das konnte ja wieder ein Abend werden! Also, schnell ein paar Bier runterspülen, dann sah die Welt schon wieder besser aus. Und freuen auf morgen!
„Wieder zurück, Hase ?“, fragte Börni von seiner alten Ledercouch aus – ein durchgesessenes Prunkstück in seinem Zimmer. Jeder hatte selbstredend ein eigenes Zimmer – Küche und Bad allerdings dienten der Gemeinschaftsnutzung.
„Bring ma die Kisten Bier rein, Hase. Dafür saufen wa heute abend auch in meinem Zimmer!“, grinste Börni. Aber zuerst doch ein wenig frischmachen, dachte Hasi, denn der Schweiß rann ihm mittlerweile von der Stirn in die Augen und brannte.
Klares, kaltes Wasser war da noch am besten. Eine Handvoll ins Gesicht geklatscht und am alten Handtuch trockengerubbelt. Das Ding könnte auch mal wieder gewaschen werden.
Überhaupt, dass sie zuletzt gewaschen hatten, war auch schon lange her. Wenn in dem Wäscheberg dahinten nicht schon Schimmel und Ungeziefer war. Hasi hatte jetzt schon seit drei Wochen sein letztes T-Shirt an.
Da hörte er ein Quietschen und Quatschen.
Der hilfsbereite Kühli kam mit den 2 Kisten Bier übernander gestapelt in die Wohnung, dabei hinterließen seine Füße eine lange Spur von Wasser und Erde.
„Kühli, wenn wir morgen wieder die Ameisen hierdrinhaben!“ wetterte Hasi.
„Machich morgen wieder weg“, grinste Kühli.
Zehn Minuten später saßen sie in Börnis Zimmer und öffneten wie immer auf Drei gleichzeitig ihr Bier. Die Korken flogen dann immer in die hinterste Zimmerecke, dort befand sich schon eine schöne Sammlung auf dem Boden.
„Und, was habter so getrieben heute ?“, fragte Hasi.
„Du, ich sitz hier schon seit fünf und trinke meinen Rüdesheimer Koffee, du! Da wird dat jetzt auch ma Zeit für so’n kleines Bierchen!“, meinte Börni und schluckte gierig.
Kühli hatte bereits die halbe Flasche geleert, jedoch schäumte das Bier bereits auch durch seinen wolligen Bart und floss über seine Hose bis in den alten Sessel von Börni.
„Kühli, willst du dich hier total einweichen ?“, fragte Hasi kopfschüttelnd.
„Bei dem Sessel gehst du aber nachher mit’n Fön bei, das sag ich schomma, ne ?“, meinte Börni verärgert.
„Ich war heute spaziern!“, erzählte Kühli. „Dreimal.“ – „Warum denn dreimal ?“, wollte Hasi wissen. „Dreimal, weil der Weg so kurz war, dass ich schon nach 5 Minuten wieder zuhause war. Da bin ich den noch mal gegangen. Und weil ich immer noch Lust hatte, bin ich noch ein drittes Mal.“ – „Aha.“, meinte Hasi stirnrunzelnd. – „Ich trinke jetzt mein Bier weiter.“, äußerte Kühli achselzuckend.
„Hasi, tust du deim alten Kumpel nen Gefallen ?“, meinte Börni nach dem dritten Bier. „Setzt du schomma nen guten Kaffee inner Küche auf für mich ? Ich muss jetzt erstma das Bier wegbringen.“, meinte er und schlurfte davon Richtung Klo. Eigentlich wollte Hasi ja noch das Musikvideo, das grad auf MTV lief, zuende gucken, aber...na, okay. Ab in die Küche.
Und das Bier mitnehmen. Irgendwie nervte ihn hier mal wieder alles an. Besonders Kühli.
Zuletzt hatte der wohl vor 5 Jahren gearbeitet, dachte Hasi voller Ärger, und dabei auch an seine 10 Stunden in der Werkstatt heute. Nicht ohne Stolz vernahm er den feinen Geruch von Motoröl, der von seiner Hose aufstieg.
Schon kam Börni in die Küche. „Gib ma den Korn!“, freute er sich und füllte seinen alten Kaffeebecher zu einem Drittel damit. Innerlich strahlte er, als Hasi den frisch gebrühten Kaffee dazugoss. „Ah, ein echter Rüdesheimer Koffee! Und du keinen ?“, wunderte er sich.
„Ne, du, ich bleib bei meinem Bier.“
Beide vernahmen ein lautes Rülpsen aus Börnis Bude – Kühli schien es zu schmecken.
Als die beiden anderen schließlich wieder zurückkamen, trauten sie ihren Augen nicht.
Der Fernseher stand auf dem Boden – und Kühli mixte sich den Inhalt von zwei Bierflaschen in einem Weizenbierglas. Riesige Pfützen auf dem Tisch.
„Kühli, was machst du mit meine Bude?“, donnerte Börni und verschluckte sich dabei fast an seinem Kaffee.
„Ich dachte, wir stelln den Fernseher einfach mal woanders hin. Außerdem kann ich so besser gucken, wo ich hier grad am Mixen bin!“
„Aber was mixt du da ? Du gießt einfach nur zwei Bier innenander! Dat is doch ein- und datselbe, ker!“, schrie Börni. „Mach das hier wieder so wie vorher!“
„Aber auf einem Bier stand’n anderes Haltbarkeitsdatum. Mal gucken, ob das jetzt was bringt!“, erklärte Kühli lächelnd. – „Ich bring dir gleich auch was, nämlich die Flötentöne bei! Stell sofort den Fernseher wieder ins Regal!“, keifte Börni mit sich überschlagender Stimme.
„Erst wenn ich fertig mit Mixen bin!“, meinte Kühli in aller Seelenruhe und plätscherte weiter. „Ooooh, Hase, hol den Korn! Heut brauch ich hier nen besonders starken Rüdesheimer Koffee, du!“, stieß Börni Hasi an und hauchte ihm seinen warmen Kaffeeatem ins
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