Ein ungewöhnlicher Wunsch Teil 5
von
malli
1
2
„Was möchtet ihr denn?“, ein schlaksiger Junge mit Hautproblemen stand einen halben Meter vom Tisch entfernt und starrte Sybilla an. Caleb hatte ihn gar nicht bemerkt und fuhr hoch.
„Ich nichts – Danke.“, Sybilla gönnte dem Jungen ein Lächeln und sah dann Caleb an.
„Also, ich hätte gerne das englische Frühstück.“, Caleb wählte das erste auf dem Menü und befreite den Jungen von seinen Qualen, dieser hastete jetzt in die Küche.
Sybilla lachte, als die Küchentür aufging und ein dicker Koch seinen Kopf durch die Tür steckte und zu Sybilla herüber sah. Das Bistro war mittlerweile leer geworden und eine junge Frau, die gerade herein kam, machte auf dem Absatz wieder kehrt.
„Ich wusste nicht, dass du so abschreckend auf Menschen wirkst.“, murmelte Caleb und sah sehnsüchtig zur Küche, aus der der Geruch von gebratenem Ei und Speck herüber wehte.
„Normalerweise ist es auch nicht so schlimm, bei Männern ist es meistens genau anders herum; sie trauen sich zwar nicht mich anzusprechen – zum Glück! – aber sie gaffen mich ständig ungeniert an.“, erzählte Sybilla gelangweilt und sah aus dem Fenster.
„Das nervt sicher.“, antwortete Caleb, der all seine Befürchtungen weit von sich geschoben hatte. Jetzt wo sie unter Menschen waren, in der normalen Welt, schien das Problem, das Sybilla darstellte, in weite Ferne gerückt zu sein. Hier in dem Bistro waren die beiden nicht Vampir und Werwolf – sie waren Caleb, ein schwarzhaariger, großer Mann und Sybilla, eine blasse, etwas gespenstige Schönheit.
„Ich bin selten unter Menschen.“, antwortete Sybilla auf seine Frage und beobachtete die ungelenken Bewegungen des Kellners, der jetzt mit einem Teller in der Hand auf sie zu steuerte.
„Bitte…Guten Appetit.“, murmelte der Junge und warf Sybilla einen ängstlichen Blick zu.
Caleb fing sofort an zu essen, er hatte großen Hunger und Sybilla sah ihm interessiert zu.
„Was passiert, wenn du normales Essen zu dir nimmst?“, fragte Caleb, sah aber nicht von seinem Teller hoch.
Sybilla streckte angewidert die Zunge aus: „Es schmeckt einfach nicht. Ich mag nur Blut.“
Gedankenverloren nickte Caleb, dann wischte er sich den Mund ab: „Ich hab immer noch Hunger. Meinst du der Typ überlebt es, wenn ich ihn noch mal hierher bitte?“
Sybilla lächelte und es war schon wieder ein echtes Lächeln, ein Gefühl, dass nur Caleb in ihr auslöste. Wärme, sagte Sybilla sich, das Wort heißt Wärme.
Caleb bestellte noch einmal das Gleiche.
„Wie kommt es, dass du dich an nichts erinnerst? Ich meine deine Verwandlung zum Vampir…“, fragte Caleb, als der Kellner außer Hörweite war.
Sybilla schloss die Augen. Da war Schwärze. Erschrocken öffnete sie die Augen, sie wollte sich nicht erinnern. Die Freiheit ihres neuen Lebens hatte über den Schmerz hinweg geholfen, den sie am Anfang gespürt hatte.
Sie schloss wieder die Augen: „Es ist Nacht. Ich stehe an der Bushaltestelle und ich warte. Als ich ein Geräusch höre, bin ich plötzlich ganz aufgeregt und möchte gehen, aber ich weiß nicht wohin. Dann überlege ich mich unbewusst einen Fluchtweg, aber ich weiß, dass ich nicht wegrennen kann. Ich sehe ihn, er steht ganz plötzlich auf der anderen Straßenseite und starrt mich an. Ich bleibe einfach stehen.“
Caleb blieb der Mund offen stehen und sah Sybilla an, er erkannte, welche Überwindung es sie kostete darüber zu reden. Unwillkürlich griff Caleb über den Tisch und nahm ihre Hand, er spürte die Kälte die von ihr ausgeht. Bei seiner Bewegung machte Sybilla die Augen auf.
„Es ist nicht schön darüber zu reden.“, mit der freien Hand fuchtelte Sybilla in der Luft herum, als wollte sie die Gedanken wie eine Fliege vertreiben; dann sah sie auf Calebs Hand, die einen Kontrast zu ihrer bleichen Haut darstellte. Sybilla spürte die Kraft, die in dieser Hand steckte und ahnte, dass ein Werwolf sehr stark war.
„Du musst das nicht erzählen.“, sagte Caleb leise und zog seine Hand wieder zurück, die Nähe zu einem Vampir war ihm unangenehm.
„Ich habe es auch noch nie erzählt.“, sie flüsterte fast und Caleb spürte den Schmerz dahinter.
Sybilla sah aus dem Fenster: „Das Schmerzvollste ist der Übergang vom Alten ins Neue Leben – und die Erinnerung daran.“
Caleb nickte und aß jetzt weiter, Sybilla hatte sich wieder gefasst. „Das liegt daran, weil unsere Sinne so viel schärfer sind, wir spüren jede Einzelheit, jeden Schmerz so viel deutlicher.“ Lächelnd lehnte sie sich zurück, sie wusste, dass Menschen es so machten; jetzt begann sie mit ihrem Fuß zu wippen, zu zwinkern und regelmäßig zu atmen – Sybilla wollte auf einmal etwas menschlicher sein. Dann stockte sie jedoch, sie kam sich lächerlich vor, wie sie diese unsinnigen Bewegungen machte.
„Ist es eigentlich okay, wenn du so unter Menschen bist? Ich meine, hast du keinen Durst?“, fragte Caleb und biss von einem Brötchen ab.
„Es lässt sich ertragen, ich kann meinen Durst unterdrücken. Vor allem habe ich nicht das Bedürfnis meine Zähne in unreine Haut zu schlagen.“, Sybilla lachte, sie hatte seit Ewigkeiten keinen Witz mehr gemacht. Caleb lachte ebenfalls mit.
„Im Club war es schon schwieriger, weil alle so schwitzten. Das Blut geriet in Wallungen. Die Hitze. Die vielen Menschen. Die Enge.“
Caleb stutzte: „Wieso warst du eigentlich dort?“
Sybilla schaute auf die Tischplatte – Wie sollte sie das sagen? Sybilla hatte ja selbst nicht gewusst, welches Gefühl sie an dem Abend dazu verleitet hatte in den Club zu gehen.
„Es war am späten Nachmittag, ich hatte gerade ein wenig nördlich gespeist und wollte eigentlich weiter ziehen, aber dann fesselte ein Plakat meinen Blick; es war Werbung für den Club. Als ich es las, dachte ich gar nicht weiter darüber nach, ich wusste einfach, dass ich dorthin musste! Also lieh ich mir ein Kleid und ging hin; den ganzen Abend hatte ich das Gefühl auf etwas zu warten…“, Sybilla warf Caleb einen hektischen Blick zu – Hatte er ihren Wink verstanden? In der Tat zog Caleb die Augenbrauen hoch und räusperte sich dann, er wich Sybillas Blick aus.
Caleb hatte diesen Abend schon lange vorher mit seinen Freunden geplant; sie wollten mal so richtig einen drauf machen. Als er auf den Parkplatz des Clubs gefahren war, hatte er Sybilla schon gerochen, aber sofort bemerkt, dass etwas anders war. Jetzt viel es ihm wieder ein! Sybillas Geruch unterschied sich ebenfalls von dem anderer Vampire! Während die Vampire im Norden, seine Feinde, nach den dreckigen Löchern stanken in denen sie sich tagsüber versteckten und zudem eine Hauch Tod mit sich brachten, den Menschen nicht wahrnahmen, hatte Sybilla nach Wald und Frühling gerochen.
„Gehst du oft in Clubs?“, Sybilla riss Caleb aus seinen Gedanken; sie sah ihn neugierig an.
Caleb schüttelte den Kopf: „Die andern machen das öfter mal, aber ich mag die Musik nicht.“
Sybilla riss plötzlich die Augen auf und fauchte, sie duckte sich und starrte aus dem Fenster, dann sprang sie auf und riss Caleb von der Sitzbank hoch. „Schnell.“, zischte sie und beide rannten aus dem Bistro, der Junge am Tresen atmete
1
2
Kommentare
Tiriki schrieb am 2009-03-22 17:59:22:
Ich hab jetzt grade die ganze Geschichte gelesen und muss sagen ich find sie einfach super
lg Tiriki
malli schrieb am 2009-03-16 17:00:59:
Ja, stimmt! Ist mir gar nicht aufgefallen! Danke :)
Und Danke auch für deine Treue beim Lesen, schreibe quasi nur für dich weiter; mir liegt die Geschichte aber auch sehr am Herzen.
lg malli
Kyouyama schrieb am 2009-03-15 11:24:34:
haach mal wieder ganz toll
da hast du eine wiederholung drin des würd ich ändern:
"Mit quietschenden Reifen raste sie wieder auf die Straße und raste mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit die Landstraße entlang."
will unbedingt mehr lesen is richtig spannend gemacht mit der plötzlichen Wendung. fabelhaft... =)
glg Kyouyama
Kommentar hinzufügen