Eine Frau ein Hund
von
Armin Feuerriegel
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Eine Frau, ein Hund
Im dieser Gegend gibt es viele trostlos Städte. Auch wenn die Hauptstraßen neu gepflastert zu sein scheinen und die ihr anliegenden Gebäude schöne, helle Farben über dem alten und bröckligem Putz tragen- man durchschaut dieses Schauspiel sofort, auch ohne es wirklich zu wissen. Die meisten Gardinen die in den Fenstern hängen, wenn dort überhaupt welche hängen, sind alt, ausgeblasst und gelb. Sie Verraten die Trostlosigkeit und Resignation ihrer Besitzer Keiner macht sich mehr die Mühe sie zu recht zu zupfen oder sie gar zu waschen und auszutauschen. Doch dies ist nur ein ganz kleiner Anhaltspunkt, für aufmerksame Beobachter. Schon die Fahrt durch eine Nebenstraße oder der Blick in eine Seitengasse würde genügen- und jeder erkennt die Aussichtslosigkeit und die bedrückende Schwüle die in jeder Nische herrscht. Doch ein Haus sticht hierbei besonders hervor. Es ist ein kleines, einstöckiges, altes Bauerhaus.
Es läuft rechteckig am Rande des Grundstückes entlang, aus der Luft betrachtet hat es die Form eines L`s. Nur eine Seite des Grundstückes liegt offen. Der Hof ist groß und geräumig. Auf der rechten Seite befinden sich alte unbenutzte Kaninchenställe und einem dazugehörigem überdachter Holzschuppen. Vor dem Hof liegt keine eigentliche Straße, viel mehr ist es ein sehr breiter und unebener Trampelpfad an dem noch ein altes verlassenes Fabrikgebäude liegt. Alle Scheiben der Fabrik sind schon lange eingeschmissen wurden. Bewohnt wird nun dieses Haus von einer dreißigjährigen Frau. Wie sie zu diesem Hof kam oder was ihn mit ihr verbindet weiß schon niemand mehr, vielleicht hat es auch noch nie jemand gewusst. Die Frau lebt zurückgezogen und einsam, doch trotz ihres „alters“ muss man sich eingestehen, dass sie wunderschön anzuschauen ist, vor allem wenn man sie vor einem solch traurigen Hintergrund betrachtet. Sie hat dunkelblondes lockiges Haar und dunkelblau Augen. In ihrem Gang, bei dem ihre vollen gepflegten Haare so eigentümlich zu wehen beginnen liegt viel Sanftmut und Zerbrechlichkeit, doch der Blick verbirgt eine eigenartige Entschlossenheit und Stärke- in vielen Situationen wirkt dieser Blick sogar verachtend und herabschauend. Ihr Auftreten passt nicht zu ihrer Schönheit, ihre Schönheit nicht zum Hof. Anziehend und Bedrohlich wirkt dies alles, vor allem für junge Männer. Manchmal soll man sogar einen der Jungen Knaben des Dorfes nachts aus ihrem Haus schleichen gesehen haben. Doch im Grund wagt es niemand einen dauerhaften und beständigen Kontakt mit ihr zu pflegen. Ihre Blicke verraten diesen Wunsch nach Einsamkeit und Ruhe. Die junge Frau ist mehr toleriert als integriert, suspekt und doch auch spannend; eine Attraktion wie es sie nur in kleinen Dörfern gibt.
Eines Tages kam ein kleiner Hund an diesem Haus vorbei. Er sah vollkommen verwahrlost und abscheulich aus. Es war wohl ein Mischling, der von Mischlingen gezeugt wurde, man konnte, so sehr man sich auch anstrengte, keine Rasse in ihm erkennen. Sein Fell schien alle nur denkbaren Farben zu besitzen, doch man konnte sich nicht sicher sein ob es nun die eigentliche Farbe oder nur Schmutz war. Es war fransig und an vielen Stellen zeigten sich große Löcher. Taumelnd und träge kam er den Feldweg entlang. Direkt vor dem Haus legte er sich in ein Gebüsch und zeigte keine Regungen mehr, man hätte ihn wohl für ein totgefahrenes Tier halten können, dass man in den Straßengraben geworfen hat. Woher kam dieses arme gestrafte Geschöpf. War er einst ein glücklicher Welpe, der bei einer tollen Familie ein Heim gefunden hatte und der nur aus Dummheit und Naivität weggelaufen war? Hatte man ihn absichtlich auf einem Rastplatz ausgesetzt, weil für ihn kein Platz mehr in der „tollen“ Familie war oder ist er sogar dem Tod in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen, als ein verbitterter Bauer versucht hatte ihn im Fluss zu ertränken, es jedoch nicht geschafft hatte? Woher sollte er es wissen, er war ja nur ein Hund?
So lag er nun da. Nach allem was er wohl durchgemacht haben musste. Er wollte nicht mehr weiter, zu keinem weitren Schritt hätte er sich aufraffen können. Die Augen hielt er geschlossen. Man konnte nur das leichte Rauschen des Windes vernehmen, dass über den Feldweg zu streichen schien.
Doch dann, plötzlich überkam ihn ein Gefühl, dessen er sich kaum noch erinnerte- als würde ihm jemand sanft über sein Fell streicheln. Ungläubig öffnet er seine müden Augen. Und tatsächlich, die schöne Hausbesitzerin streichelte ihm, ohne jede Scheu oder den Ansatz von Ekel den Bauch. Sofort begann der Hund mit dem Schwanz zu wedeln und freudig die trockene Zunge herauszustrecken. Mit ihren schönen Augen musterte sie ihn vom Kopf bis zum Schwanz. Ihr sonst so kalt wirkendes Gesicht verströmte durch ein zaghaftes warmes Lächeln ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit. Blitzschnell sprang der Hund auf. Wie toll vor Freude rannte er vollkommen sinnlos hin und her und lief der Frau dabei einige Male durch die Beine. Jedes Mal wenn er das Tat lachte sie aus vollem Herz, so laut als würde es nach langer Zeit des eingesperrt seins, aus ihrem tiefsten inneren herausbrechen. Gemeinsam gingen sie über den Hof in Richtung der Eingangstür. Aufgeregt schaute der Hund zu ihr empor, während sie in ihrer Tasche nach dem Schlüssel suchte. Deutlich vernahm man das regelmäßige Hecheln und das Klimpern des Schlüssels. Sie hatte die Tür schon ein Stück weit geöffnet, als sie noch einen nachdenklichen Blick in Richtung des Hundes warf. Kurz zögerte die Frau, doch dann öffnete sie die Tür und gab dem Hund mit einer kurzen Kopfbewegung ein Zeichen, das man wohl als Einladung deuten konnte. Natürlich verstand er das nicht, er folgte ihr einfach. Wann hatte ihn schon jemand Einlass in sein Haus gewährt. Beide befanden sich nun im Vorraum. Er war überraschend geräumig; an der rechten Seite stand ein Schrank, in dem ein Spiegel eingefasst war, im gegenüber standen ein alter grüner Sessel, auf dem schon lange niemand mehr gesessen zu haben schien und ein kleiner Holztisch auf dem noch eine staubige rote Plastikpflanze stand. Die Frau ließ sich sichtlich erschöpft auf diesem Sessel nieder. Sitzend, hechelnd und mit dem Schwanz wedelnd schaute der Hund mit leicht geneigtem Kopf fragend zu ihr hinauf. Der Gesichtsausdruck der Frau verriet eine gewisse Unschlüssigkeit. Doch mit beiden Händen klopfte sie sanft auf ihren Schoß und wies ihm somit seinen Platz an. Der Hund zögerte kaum und sprang voller Eifer auf dem ihm zugewiesenem Stelle. Sofort legte er sich auf ihrem Schoß nieder und schloss die Augen. Entzückt betrachtet die Frau, dass nun völlig zur Ruhe gekommene Hündchen auf ihrem Schoß und begann ihn mit ihren kleinen, schönen zarten Händen zu streicheln. Er lag da, dort wollte er immer sein und nie wieder fortgehen. Wie konnte das sein? Wie konnte alles Bisherige auf einmal vergessen sein? Das alles würde niemals Sinn ergeben; und das musste es auch nicht- jetzt nicht.
In einem, fast schon der Hysterie
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