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Kategorien > Leben > Wahrheit

Eine Geschichte

von Upsich

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Eine Geschichte…

Patrick war der personifizierte Sonnenschein. Wenn er lachte ging die Sonne auf. Alle mochten ihn, besonders Kinder. Er war immer fröhlich und glücklich. Wir lernten uns auf einer Geburtstagsparty kennen. Er war, wie sollte es anders sein, umringt von Menschen. Er sah mich und kam zu mir. Da begann unsere Geschichte… Wir haben uns verliebt, sind kurz danach zusammen gezogen. Er war ein wundervoller Mann, liebevoll und verständnisvoll. Doch irgendwann hatte ich den leisen Verdacht, dass etwas nicht stimmen kann mit ihm. Jeden Dienstag verschwand er für 2 Stunden und wenn er wiederkam, war er nicht mehr ganz er selbst. In meinem Urlaub machte ich dann eine schreckliche Entdeckung: In unserer Garage waren 5 große Müllsäcke, voll bis obenhin mit leeren Alkoholflaschen. Oh mein Gott, dachte ich. Patrick, mein Sonnenschein, ist Alkoholiker…. Da ahnte ich noch nicht, dass mich etwas viel Schlimmeres erwartete… Ich konfrontierte ihn mit den Müllsäcken und ich erfuhr eine ganz schlimme Wahrheit. Patrick war krank. Generalisierende Angst… Deswegen war er jeden Dienstag weg. Er war in einer Therapie.

Ihr habt ja sicher schon oft davon gehört...Menschen mit Depressionen oder irgendwelchen imaginären Ängsten vor zu engen Räumen, Spinnen oder was auch immer.
Aber Generalisierende Angst ist wohl das schlimmste, was einem passieren kann. Es kommt plötzlich, unerwartet und dann wie ein Schlagbohrhammer!
Ohne besonderen Grund, ohne irgendwelche Motivation oder äußere Umstände. Egal in welcher Situation, das kann grad beim kochen oder Fernsehschauen, beim Autofahren und sogar beim spazieren gehen kommen.

Kennt ihr das Gefühl, Angst zu haben? Ich meine richtige Angst! Wo man um sein Leben fürchtet. Wo man glaubt keine Luft mehr zu bekommen, das Herz so laut schlägt, dass man es von außen hören kann, man erstarrt und alles im Körper auf totale Anspannung ist. Solche Momente erlebt man normalerweise nur sehr selten und dann auch sehr kurz. Nun stellt euch vor, dieses Gefühl geht aber nicht weg! Es bleibt. Permanent! Angst zu haben ist der Normalzustand und die kurzen Augenblicke in denen man Angstfrei ist sind der Himmel auf Erden! Wenn die Attacken kommen, dann ist das Angst hoch 10!!! Das schlimme daran: Der Betroffene weiß gar nicht warum. Es gibt ja keinen Grund. Es ist einfach so da! Und man kann wirklich nichts dagegen machen.

Außer, dass man in den ganz schlimmen Phasen Alkohol zu sich nimmt. Dann wird die Angst etwas betäubt und so etwas, wie Normalität stellt sich ein für die Dauer des beschwippst seins.
Mit dieser Erkenntnis musste ich erst mal klar kommen. Patrick war schwer krank und ich hatte niemals etwas bemerkt. Mit der neuen Erkenntnis bemerkte ich aber auch, wie unser gesamtes Leben sich verändert. Die Tatsache, dass ich wusste, dass er krank war, trieb seine Krankheit voran.

Könnt ihr euch so was vorstellen? Was das für ein Gefühl sein muss? Ich habe eine sehr große Lektion erhalten, was es für einen Menschen bedeuten kann, so etwas aushalten zu müssen. Angst zu haben... über Stunden, oder sogar Tage hinweg... ohne merklichen Grund immer auf vollen Touren...Das ist unmenschlich und wahrscheinlich die größte Strafe, die man sich nur vorstellen kann. Keine Folter, auch wenn die noch so schmerzhaft ist, kann auch nur ansatzweise so schlimm sein, wie dieses schlimme Gefühl im Körper!

Oft hat ich sich ins Schlafzimmer gelegt, alles dunkel gemacht und dort nur gelegen und gewartet, das irgendwas passiert. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als ihn in den Arm zu nehmen und ihn fest zu halten. Manchmal hat er geweint und sogar vor Wut um sich geschlagen. Natürlich hatte er auch diese Tabletten... doch die machten aus ihm einen Zombie. Einen Seelenlosen Roboter, der ohne jede Gefühlsregung sein Tagwerk verrichtete. Außerdem kamen nach der Wirkung der Tabletten die Attacken um ein vielfaches heftiger. Wie ein Jojo Effekt. Darum verzichtet er darauf.

Er konnte seiner Arbeit nicht mehr nachgehen und war nur noch zu Hause. Dieses machte ihn dann noch verzweifelter und er versuchte sich das Leben zu nehmen. Ich war verzweifelt. Spürte diese riesengroße Last auf meinen Schultern und fragte mich, ob ich es wirklich aushalten würde, ein Leben lang mit dieser Situation klar zu kommen. Doch konnte ich es wagen, ihn, der mich auf Händen trug, für immer zu verlassen? War das nicht unmenschlich??? War ich ein Monster, weil ich den Gedanken in mir trug, ihn zu verlassen?

Ja. Ich war ein Monster. Ich habe ihn verlassen, ihn genau so allein gelassen, wie seine Familie. Ich war schwach. Viel zu schwach und zu feige um mich dieser Situation zu stellen. Und Patrick, was machte er? Flehte er mich an, bei ihm zu bleiben? Hat er mich am gehen gehindert? NEIN! Er sagte mir mit einem Lächeln im Gesicht, dass er weiß, dass es für mich besser wäre, zu gehen. Er zeigte Verständnis, auch wenn ich ihm das Herz brach! Er dachte nicht an sich, dass ich ihn allein lasse. Er machte sich statt dessen Gedanken darüber, was er mir Schlimmes zugemutet hat.

Während ich das hier schreibe, muss ich weinen. Es ist so grausam, dass man sich als Außenstehender das überhaupt gar nicht vorstellen kann. Ich habe nie wieder etwas von Patrick gehört. Nie wieder habe ich mich bei ihm gemeldet und gefragt, wie es ihm geht. Nicht, weil ich ihn nicht geliebt habe und nie an ihn gedacht habe. Nein, ich habe das gemacht, weil ich mich für mein Verhalten schäme! Ich weiß nicht, wie es ihm geht, wo er jetzt wohnt, was er macht, ob er überhaupt noch lebt… Ich bin immer noch zu feige, um mich meinem eigenen Verhalten zu stellen. Ich hoffe nur, es geht ihm gut und das Leben hat es gut mit ihm gemeint hat.

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Kommentare

DanniSahne schrieb am 2008-10-06 16:21:16:
Du solltest ein bisschen auf Rechtschreibung & Co. achten, aber ansonsten: Alle Achtung! Die Geschichte ist so rührend geschrieben, ich war den Tränen nahe! Weiter so!

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