Eine Liebesgeschichte: Schicksal (5)
von
BSK
1
2
Langsam näherte sich Julia ihrem Freund von hinten, hielt ihm die Augen zu und gab ihm einen Kuss. Glücklich umarmten sich die beiden. „Oh man, ich bin heute so guter Laune!“ rief Julia aus. „Das liegt natürlich nur an mir! Ohne mich wärst du hoffnungslos verloren!“ scherzte er und Julia knuffte ihm liebevoll in die Seite. „Schau mal was ich für dich habe“ flüsterte er und drückte ihr eine rote Rose in die Hand. Glücklich strich Julia über die saftigen und weichen roten Blätter und sog den wundervollen Duft ein. Als Dankeschön erhielt Martin eine lange Umarmung und einen zärtliches Küsschen. Händchenhaltend gingen sie durch die vielen kleinen Gässchen und den Park. Sie redeten viel über lustige und traurige Erlebnisse und kamen sich nach und nach immer näher. Die Zeit, die sie miteinander verbrachten war immer schön. Oft unternahmen sie auch etwas mit Freunden oder sahen sich einfach nur, Arm in Arm, einen Film an. In dieser Zeit waren Kummer und alle Sorgen vergessen und es gab nichts was den beiden ihr Glück zu Grunde gehen lassen könnte. Jedenfalls dachten sie das...
17. August 2005
Liebes Tagebuch!
Nun sind wir schon zwei Monate zusammen und es haben auch schon seit längerer Zeit die Sommerferien begonnen. Doch habe ich Veränderungen an unserer Beziehung bemerkt. Martin ist in der letzten Woche sehr still geworden und hat nur noch selten Zeit für mich. Vor allem meidet er oft meine Blicke und wenn ich ihn frage was los sei, behauptet er fest es ist alles in bester Ordnung. Ich mache mir Sorgen, obwohl ich nicht glaube, dass ein anderes Mädchen eine Rolle an seinen Veränderungen spielt... nein es ist irgendetwas anderes, was ihn schrecklich bedrückt, er mir aber nicht anvertrauen will. Es muss sehr schwerwiegend sein, denn normalerweise versucht er immer seine Probleme zu lösen. Aber ich spüre, dass seine Ausstrahlung, die normalerweise immer fröhlich und humorvoll ist, durch irgendetwas geschwächt wird. Ich bin in letzter Zeit echt ratlos. Susi ist leider im Urlaub und jemand anderem möchte ich dies nicht anvertrauen. Was ist es, dass ihm so Sorgen macht und dass er zwischen uns eine Art unüberwindbare Mauer aufbaut? Ich glaube ich muss noch einmal mit ihm reden und ihn darauf ansprechen, weil es gibt für jedes Problem eine Lösung oder einen Ausweg und er hat mir versprochen immer ehrlich zu mir zu sein...
Schon an seiner Haltung und Gangart sah Julia, dass sich Martins Befinden nicht geändert hatte. Seine dunklen und schönen Haare fielen in sein braunes Gesicht, mit dem er zu Boden blickte. Sein gut gebauter Körper war etwas nach vorne gebeugt und als er sie erblickte schlurfe er langsam auf Julia zu. Er umarmte sie kraftlos und erwiderte ihren Kuss nicht richtig.
„Martin! Kennst du das Sprichwort von Charlie Chaplin? Es heißt
Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag. Was ist los mit dir, dass du in letzter Zeit das Lachen vergessen hast?“ fragte sie ruhig und liebevoll. „Du kannst mir alles anvertrauen und das weißt du doch genau! Egal was es ist ich werde hinter dir stehen und es wird nichts an meiner Liebe zu dir ändern!“ flüsterte sie und als Martin nur gleichgültig mit den Achseln zuckt lehnte sie sich auf seine Schulter und sagte: “Und es gibt noch ein Sprichwort von Jakob Bosshart:
Leute mit leichtem Gepäck kommen am besten durchs Leben! Ich kann dir dein Gepäck nicht abnehmen, aber es hilft schon allein wenn du über dein Problem redest und ich dir vielleicht helfen kann es leichter zu machen. Bitte wage doch diesen Schritt und vergiss dabei nicht, dass auch meine Gefühle verletzbar sind und ich mich schrecklich fühle, wenn ich nicht weiß warum du so traurig bist.“ Julia hob ihren Kopf und blickte Martin an. Erschrocken stellte sie fest, dass er Tränen in den Augen hatte. Noch nie hatte sie ihn weinen sehen. Was war es, was ihm im Leben solch schweres Gepäck gab? Langsam drückte sie seinen Kopf an sich und streichelte ihm über sein wirres Haar. Plötzlich gab er ihr einen schnellen Kuss, flüstere „Ich liebe dich!“ und verschwand schnellen Schrittes aus ihrem Blickfeld. Wie erstarrt stand Julia da und begriff, was sich gerade abgespielt hatte. „Ich liebe dich“ waren die einzigen Worte gewesen, die er über die Lippen gebracht hatte. Sonst nichts... er hatte geweint... erschöpft lief Julia zu ihrem Lieblingsplatz im Park, um in der Stille darüber nachdenken zu können.
Bald schon faste sie einen Entschluss. Sie sprang von der Bank auf und lief in Richtung Hauptbahnhof, wo sich alle Busse trafen. Julia hatte beschlossen zu Martin nach Hause zu fahren und ihn noch einmal direkt zu fragen. Sie würde nicht eher ablassen bis er es ihr erzählen würde. Entschlossen strebte sie auf die Bushaltestelle zu und setzte sich nach hinten in die letzte Reihe des Busses. Sie spielte Eminem mit dem Lied „When I’m gone“ ab und legte sich schon einmal die Worte im Kopf zurecht, die sie nachher sagen wollte. Wieso gelang es ihr in letzter Zeit nicht diese Mauer zu durchbrechen? Wieso vertraute er sich ihr nicht an? Vielleicht wollte er sie vor etwas verschonen und genau deshalb beschloss sie ihm zu zeigen, dass sie mehr darunter leiden würde, wenn er ihr nicht erzählten würde was los war. Nach einer Viertelstunde stand sie endlich vor seinem Haus und murmelte: „Herr, gib mir Kraft“. Fest drückte sie auf die Klingel und trat einen Schritt von der Haustür zurück, die mit Blumen, die aus Papier gezaubert worden waren, beschmückt war. Sie dachte sich, dass dieses Werk wohl der kleinen Schwester von Martin zu verdanken war und beschloss ihr mal etwas Kleines mitzubringen. Sie hieß Manuela und war schon immer so freundlich zu ihr gewesen. „Irgendwann muss ich sie mal meiner Schwester Kathrin vorstellen. Sie würden sich bestimmt reizend verstehen, da sie am im gleichen Alter sind und sich auch etwas in ihrer Art ähneln.“ dachte sie und lächelte ein wenig.
Plötzlich ging die Tür auf und die Mutter Martins streckte den Kopf heraus. „Ach du bist es. Komm herein. Martin ist gerade noch weg, aber du kannst im Zimmer auf ihn warten. Ich freue mich echt für ihn, dass er so eine liebevolle Freundin hat, die sich um ihn kümmert.“ Verwirrt und etwas geschockt ging Julia in sein Zimmer. Sie war bisher erst einmal vor einem Monat bei ihm zu Hause gewesen und war erstaunt, wie sehr sich alles hier verändert hatte. Damals hatte sie eine fröhliche und frische Mutter begrüßt. Dieses Mal sah die Mutter einfach schrecklich aus; ihre Haare hingen ihr verfilzt ins Gesicht, ihre Klamotten waren von Fettflecken überseht und ihre Augen waren stark gerötet gewesen, als hätte sie geweint. Was bedrückte diese Familie? „Und was meinte sie mit: die sich um ihn kümmert?“
murmelte Julia. Plötzlich fiel ihr Blick auf einen Stapel Bücher, die auf dem hölzernen Schreibtisch gehäuft waren. Das war das Einzige unordentliche in Martins Zimmer, denn sonst war alles so aufgeräumt, wie es sich eine Mutter nur von einem Kinderzimmer erträumte. Zögernd nahm Julia eines der Bücher zur Hand und
1
2
Kommentare
vreni schrieb am 2008-08-02 00:15:40:
hey, wann gehts denn endlich weiter?? is jetz schon ein jahr her oda...
Kommentar hinzufügen