Eine Träne, mein Wächter
von
Millionflame
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Es war ein heller, sonniger Tag. Die Sonne sandte ihre volle Kraft auf die Erde. Kein Wind wirbelte den trockenen Sand des kleinen Tals auf, in dem sich die kleine Gruppe schwarzgekleideter Gestalten angefunden hatte. Die sieben vermummten Gestalten wirkten wie stumme Statuen in der kargen Landschaft, dem Vorgebiet einer Wüste. Sie standen sich in einem Kreis gegenüber. Stumm, regungslos. Die Sonne brannte weiterhin unerbittlich auf sie nieder, heizte die schwarze Kleidung der Gestalten unbarmherzig auf, doch keine Regung war zu erkennen.
Langsam zog die Sonne ihre Bahn über die Stummen hinweg, die in ihrer schwarzen Gewandung wie stehende Schatten aus schwarzem Basalt gemeißelt wirkten. Sie reagierten nicht, als sich eine kleine Echse aus dem heißen Sand grub und mit schnellen, abgehackten Bewegungen über eine kleine Düne lief und in dem heißen Meer aus Sand verschwand. Sie reagierten auch nicht, als eine gekrümmte Gestalt langsam über einen Hügel auf sie zu ging. Schwer stützte sich der alte Mann auf den knöcherigen Stock, als er behutsam den Hügel herunter wanderte. Seine Augen leuchteten aufgeregt, als er den Gestalten immer näher kam, die immer noch regungslos dastanden. Die Kleidung hing in Fetzen von der faltigen Haut und den alten, dünnen Gliedern, zu denen seine jungen und wachen Augen einen scharfen Kontrast bildeten.
Schließlich kam der alte Mann vor einer der schwarzen Gestalten zum stehen. Neugierig stupste er sie mit seinem Wanderstock an, befummelte mit seinen von Rheuma gekrümmten Fingern den feinen schwarzen Stoff und beschnupperte ihn. Schließlich stupste er ein weiteres Mal mit dem Finger an die Schulter der Gestalt, welche sich weiterhin nicht rührte und nicht einmal zu atmen schien. Freudig grinste der Alte und entblößte dabei seinen fast zahnlosen Mund. Vor Freude in die Hände klatschend wanderte der Greis in die Mitte des Kreises.
Die zittrige, jedoch kraftvolle Stimme verriet jedoch nichts von der Freude.
"Hier habe ich sie also vor mir stehen. Die Wächter."
Langsam und leicht aufstöhnend setzte sich der alte Mann nieder. Aus einem kleinen Beutel zog der Greis umständlich eine alte und vergilbte Pergamentrolle. Schnaufend wanderten seine Augen über die jahrhundertealte Schrift.
"Ja, hier stehen sie. Die Wächter. Geschaffen aus Sand und durch die Götter zum Leben erweckt. Unzertrennbar und dienen nur Ra und dem Einen. Unkäuflich, ohne Gewissen und Skrupel wachen sie über den Ritualführer. Ja, ja, ja..."
Nickend überflog der alte Mann die Worte der alten Schrift und bewegte stumm die Lippen. Nach einer kleinen Unendlichkeit stand er langsam auf.
"Nun haben wir uns schließlich wiedergefunden."
"Wie lautet Euer nächster Befehl, Ritualführer?"
Die Worte kamen von einer schwarzen Gestalt hinter dem Greis. Am Gürtel der Gestalt hingen ein Streitkolben sowie ein mächtig wirkender Rabenschnabel. Bei genauerer Betrachtung war dies das einzige Merkmal, was ihn von den anderen unterschied. Die Waffen an den Gürteln glichen sich im Aussehen genauso, wie die Gestalten. Den schnörkellosen Krummsäbeln sah man jedoch nicht an, in wie vielen Kämpfen sie eingesetzt wurden.
Langsam drehte sich der Greis zu dem Sprecher um und lächelte ihn an.
"Ihr habt lange gewacht, meine Wächter. Wir wurden getrennt, dennoch habt ihr nie die Suche aufgegeben."
"Euch zu dienen ist unsere Aufgabe, Ritualführer."
"Ja, ja. Das weiß ich. Auch, wenn ihr nicht die Empfindungen habt, die normale Wesen haben, habt ihr dennoch viel Leid gesehen und mußtet selbiges ertragen. Wie lange wandert ihr bereits unter den Menschen?"
"289 Jahre, 4 Monate und 12 Tage, Ritualführer."
Der Greis nickte. "Ja, das ist fürwahr eine sehr lange Zeit." Die wachen Augen des alten Mannes blickten in den Himmel und verfolgten die Bahn der untergehenden Sonne. "Sammelt Feuerholz, meine Wächter und tragt es hierher."
Wie auf ein stummes Kommando hin nickten die Gestalten gleichzeitig und zerstreuten sich. Nach ein wenig mehr, als zwei Stunden, wurde ein Haufen aus Holz, der von alten Bäumen aus dem Rand der Wüste stammte, zu einem Lagerfeuer aufgetürmt. Die glühende Scheibe hatte mittlerweile den Himmel verlassen und dem Mond platz gemacht, der mit seinem blassen Licht das kleine Tal in einen silbrigen Schein tauchte. Eine der schwarzen Gestalten entfachte das Feuer. Mit einem lauten Ächzen ließ sich der Greis am Feuer nieder und spießte ein Stück Fleisch, das er aus seinem Beutel zauberte auf einen Stock und briet es.
"Haltet wache. Du bleibst hier." Der Alte zeigt auf einen der Wächter, während sich die anderen wie ein Mann bewegten und sich um das Feuer herum, außerhalb des Flammenscheins postierten.
"Ihr wünscht, Ritualführer?"
"Setze dich zu mir und erzähl mir von euren Reisen."
Die nächsten Stunden erklang nur die Stimme des Wächters. Der alte Mann hörte aufmerksam zu, nickte zwischendurch, ohne den Wächter jedoch zu unterbrechen. Irgendwann war der Wächter fertig und verstummte. Der Alte schaute ihn lächelnd an und nickte sachte.
"Gut. Geh zu den anderen und halte wache."
Wortlos stand der Wächter auf und nahm, wie die anderen Wächter zuvor auch stumm die Wachposition ein. Der Alte hingegen kramte erneut in seinem Beutel herum und brachte mehrere Phiolen zum Vorschein, die er fein säuberlich vor sich aufreihte. Ebenso holte er einen kleinen verbeulten Kessel hervor, der über und über mit Runen und Ornamenten verziert war. Er nahm die Phiolen in einer bestimmten Reihenfolge und goß unterschiedliche Mengen von den verschiedenfarbigen Flüssigkeiten in den Kessel. Dann nahm er etwas Sand und streute diesen Ebenso in die Flüssigkeit hinein. Nebenbei murmelte der Greis alte Worte. Er öffnete seinen Mund. Feiner rauch strömte aus ihm und vermengte sich mit der Flüssigkeit in dem Kessel. Dann schob er den Kessel in den Rand des Feuers und stand behutsam auf. Er taumelte leicht, fing sich aber jedoch schnell wieder.
"Stellt euch auf, meine Wächter."
Lautlos stellten sich die schwarzen Gestalten vor dem alten Greis auf und blickten ihn aus kalten und emotionslosen Augen an.
"Tja, meine Wächter. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ihr habt lange den vorangegangenen Ritualführern und Ra gedient. Das seltsame Leben, das euch aufrecht erhält, scheint nie versiegen zu wollen. Ihr habt die Aufgaben immer ohne zu zögern erledigt und ihr könnt stolz auf euch sein. Ra ist es. Er will euch durch mich dafür belohnen."
Der Greis umwickelte seine Hand mit einem Stück Stoff und holte den kleinen verbeulten Kessel vom Feuer. Sorgsam, daß er nicht zuviel vergießt, schüttete er einige Tropfen um die einzelnen Wächter herum. Dann gab er jedem einen Schluck aus dem Kessel zu trinken. Schließlich stellte er sich vor sie und breitete die Arme aus.
"Nun sollt ihr eure Belohnung erhalten, meine Wächter! Ich werde euch freilassen und euch den Göttern übergeben!"
Dann trat eine Regung durch die Reihen der Wächter. Sie schauten einander fragend an.
"Wir werden…frei sein?"
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Kommentare
Lexa schrieb am 2006-11-25 02:05:53:
Du dauerst mich. LG Lexa
Millionflame schrieb am 2006-11-23 19:45:37:
Ersteinmal danke für die Kommentare. Freut mich, daß es soweit gefällt.
@ Verena:
Da hast du völlig recht. Es ist eher nur lückenfüllend, da diese Geschichte eine Hintergrundgeschichte eines Charakters darstellen soll. Deswegen ist es im Endeffekt nur ein "mittendrin" und Spannung o.ä. habe ich da bewußt ausgelassen. Die andere Geschichte (an welcher ich noch fleißig schreibe ;)) zeigt eine andere Geschichte dieser Wächter.
Beste Grüße
Millionflame :)
verena schrieb am 2006-11-23 16:20:44:
ich finde die Geschcihte sehr gut geschriben aber i-wie ist diese geschcihte nicht spannend oder unterhaltsam sonderne eher nur lückenfüllend.
Bone1979 schrieb am 2006-11-23 14:40:35:
Eine sehr gute Einführung.
Bin gespannt wie es weitergeht.
Gruß Alexander
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