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Kategorien > Kurzgeschichte > Historisch - Fantasie

Eine Wintergeschichte

von Janina Beckmann

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Eine Wintergeschichte


Nach zwei Tagen musste sich Karl eingestehen, dass er sich verirrt hatte und das tat er weiß Gott nicht gerne. Er war der beste und schnellste Bote im ganzen Reich, seine Kenntnisse des Wegenetzes waren legendär und sein Orientierungssinn galt als untrügbar, aber all das half ihm im Moment so gar nicht weiter, da das Land seit Wochen in eine dicke Schneedecke gehüllt war. Wenn bekannt würde, dass er mit den Befehlen für die königlichen Truppen vom Weg abgekommen war... Die Folgen für seinen Ruf wollte er sich lieber nicht ausmalen. Innerlich verfluchte er die elenden Franzosen, wegen deren unglaublicher Sturheit er mitten im Winter von Potsdam nach Paris musste. De Gedanke an die Männer an der Front verlieh ihm neue Kraft und er kämpfte sich entschlossen weiter durch den hüfthohen Schnee. Dabei dachte er etwas wehmütig an sein treues Pferd, welchem er am Morgen die Kehle durchgeschnitten hatte, da es vor Erschöpfung zusammengebrochen war. Sein Magen begann zu knurren, aber er hatte seit Stunden weder Bäume, noch Sträucher gesehen, ganz zu schweigen von Höhlen (oder einem Wirtshaus), in deren Schutz er sich ausruhen konnte. Gezwungener Maßen begann er, mit blanken Händen ein Loch in den Schnee zu buddeln, in dem er seinen Mantel ausbreitete und sich darauf nieder ließ. Seufzend holte er die letzte Portion Dörrfleisch aus seinem durchweichten Beutel (vielleicht hätte er sein Pferd doch noch mitnehmen sollen oder wenigstens einige Teile von ihm) und nahm ein einsames Mahl zu sich (seinen Selbstmitleid ertränkte er in dem letzten Schluck Bier). Nach dem Essen fühlte sich Karl satt und aufgewärmt (sofern man das in seinem Zustand überhaupt noch sagen konnte) und unendlich müde. Daher beschloss er, sich einige Minuten auszuruhen, auch wenn er vorsichtig sein musste, da er nicht einschlafen durfte. Dafür hatte er keine Zeit. Erschöpft bettete er seinen Kopf auf seinen Knien, schloss die Augen...
...und schlief nach wenigen Sekunden tief und fest ein.

Ein unerträglich helles Licht weckte Karl am nächsten Morgen: Die Sonne, die hell und warm vom Himmel schien, nur nicht warm genug um die scheinbar unendlichen Schneemassen zu schmelzen. „Sind sie endlich wach?“, fragte eine spöttische Stimme. Nachdem seine Umwelt wieder klare Konturen angenommen hatte, schaute Karl direkt in die himmelblauen Augen einer jungen Frau. „Sie sollten aufstehen Karl, denn wir müssen jetzt gehen.“ „Was??“, fragte der alte Mann verständnislos. „ Wohin gehen? Woher kennen sie meinen Namen und wer sind sie eigentlich?“ Karl wollte noch weitere Fragen stellen, aber die blieben ihm im Halse stecken. Seltsam! Er hätte jeden Eid geschworen, dass er sich auf einer verschneiten Weide niedergelassen hatte, aber er lag mitten auf einem Waldweg. Und auf was für einem!!! Das Schneegewand der Bäume glitzerte in der Sonne, wie tausend Edelsteine. Der Weg selbst war in einen dünnen Nebelschleier gehüllt, sodass man sein Ende nicht erkennen konnte, nur die gleißende Helligkeit dort. Die junge Frau deutete darauf: „Dorthin müssen wir. Da ist schon ein schönes und vor allem warmes Plätzchen für dich reserviert.“ Karl fand ihr Wortwahl seltsam, aber nach einigen Augenblicken ging ihm auf, wer die Fremde war. Einen Moment lang sah er sie traurig an, denn er hatte gehofft, sie noch nicht so bald zu treffen, aber dann nahm er die ihm angebotene Hand. Was hatte er schon für eine Wahl?
„Hab keine Angst!“, meinte die junge Frau mit einem ermunternden Lächeln, dann ging sie voraus und Karl folgte ihr ohne ein weiteres Wort.

Erst der Frühling zwang den Schnee, des Königs Boten Karl wieder frei zu geben. Ein junger Schäfer fand seine angetaute Leiche auf einer riesigen Viehweide. Er hatte seinen Kopf auf den Knien gebettet, seinen Beutel im Arm...
..und ein friedvolles Lächeln auf dem Gesicht. Es schien, als würde seine Hand noch immer etwas halten.


Von Janina Beckmann


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Kommentare

Marion schrieb am 2008-02-11 17:46:36:
Wunderschön!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Super, weiter so!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Klara schrieb am 2007-12-07 15:54:39:
Voll cooole Geschichte.
Diese Geschichte wird mir bei der Schularbeit sehr helfen!!!!
Thx~~
Karyl schrieb am 2007-12-07 13:47:00:
Echt super *daumenhoch*
vor allem das mit dem Waldweg 8D
Katja schrieb am 2007-12-07 12:56:05:
Ich finde die Geschichte hammer gut und ne gute Wortwahl und so hast du auch getroffen...ich fand sie spannend und hab sie gerne gelesen...Liebe Grüße

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