Eine bessere Zukunft
von
Frank Schramm
1
2
3
4
nicht sagen können, wie lange er nun schon mit dem Zündschlüssel in der Hand in seinem Wagen gesessen hatte. Unfähig, diesen ins Zündschloß zu stecken, den Motor zu starten und sich endlich auf den Heimweg zu machen.
Der Anblick dieser bedauernswerten jungen Frau; wie sie blutleer mit geöffneten Pulsadern im Bad dieser menschenunwürdigen Behausung gelegen hatte.
Dieser Anblick wollte ihn jetzt einfach nicht mehr loslassen. Schien sich förmlich vor seinem inneren Auge eingebrannt zu haben.
Hatte er um ihre Mundwinkel herum tatsächlich etwas wahrgenommen, das man ansatzweise hätte als Lächeln bezeichnen können?
Oder war das nur Einbildung gewesen? Entsprungen aus dem Wunsch, daß...
Es war erst wenige Wochen her gewesen.
Auf dem US Hwy 101 Richtung Santa Barbara hatte es einen schrecklichen Verkehrsunfall gegeben. Er selbst war eher zufällig an diesem Tag ebenfalls die Strecke gefahren.
Als er die Unfallstelle passierte, wimmelte es dort nur so von Polizei- und Krankenwagen. Wie es in der Natur eines guten Polizisten liegt, hatte er angehalten und seine Hilfe angeboten.
Die Frau hatte, eingehüllt in eine Decke, in einem der Rettungsfahrzeuge gesessen, während zwei Sanitäter verzweifelt versuchten, sie zu beruhigen. Völlig aufgelöst hatte sie geweint und ständig den Namen ihres Jungen gerufen.
Soweit er sich erinnern konnte, hatte sie bis auf einen gebrochenen Arm und einige Prellungen noch Glück gehabt.
Was man von ihrem Sohn leider nicht sagen konnte, denn den hatten sie mittlerweile in einem dunklen Plastiksack abtransportiert.
O'Leary war selbst stolzer Familienvater einer achtjährigen Tochter und eines sechsjährigen Sohnes und glaubte daher eine Vorstellung davon zu haben, wie es um diese Frau bestellt sein mußte.
Aus einem inneren Zwang heraus war er zu der mobilen Ambulanz gegangen und hatte seinerseits versucht, ihr Trost zuzusprechen. Doch wahrscheinlich hatte sie nicht einmal mitbekommen, wie er dagestanden und die Hand ihres unverletzten Armes gehalten hatte.
Trotzdem hatte er ihr seine Karte gegeben, mit dem Hinweis, sie sollte ihn anrufen, wenn er irgend etwas für sie tun konnte. Selbstverständlich würde sie das nie tun, aber er hatte sich danach, wenn auch nur geringfügig, besser gefühlt.
Nachdem er sich ihre Adresse besorgt hatte, war er zwei- oder dreimal abends auf dem Nachhauseweg an ihrer Wohnung vorbeigefahren. Er war dann aber doch nicht zu ihr raufgegangen und nach einer Zigarettenlänge jedesmal wieder gefahren. Was hätte er ihr auch sagen sollen?
Und jetzt war es dafür zu spät.
O'Leary fuhr sich mit den Fingern über die etwa 5 cm lange Narbe an seiner rechten Wange.
Er hatte sie einem Schlichtungsversuch bei einer ehelichen Auseinandersetzung zu verdanken, zu der er bei seinem ersten Einsatz nach der Polizeischule mit seinem Partner gerufen worden war. Der Ehemann war mit einem Messer erst auf seine Frau und dann auf ihn losgegangen, bevor sie ihn hatten überwältigen können.
Jetzt verspürte er an dieser Stelle wieder ein leichtes Brennen, das sich immer dann einstellte, wenn er innerlich unruhig war.
Endlich startete O'Leary den Motor. Vielleicht war es wenigstens für die Drinks noch nicht zu spät.
Er war ein sehr gläubiger Mensch und felsenfest davon überzeugt, daß es diese bedauernswerte Frau dort, wo sie jetzt war, besser hatte.
1
2
3
4
Kommentare
http//:www.top3-suche.de schrieb am 2010-04-05 14:52:34:
Werbung
Top3 Suche - Einfach nur das Beste finden!
Schnell und sicher nur solide und zuverlässige Online-Anbieter finden - www.top3-suche.de -
Kommentar hinzufügen