Eine kleine Geschichte über die Zeit
von
Alucard
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Die Sonne verlieh der ganzen Halle einen goldenen Glanz, wie sie so durch die riesigen Fenster schien, die an der Decke eingelassen waren. Die riesige Halle schien ganz aus weißem, strahlenden Marmor zu bestehen. Dieser reflektierte das Sonnenlicht noch zusätzlich.
Als Jack langsam durch die große Pforte schritt und die marmornen Tore sich hinter ihm geräuschlos schlossen, dachte er, er sei in den Himmel geraten. Die einzigen Farben die dominierten waren Weiß und Gold.
Vor ihm erstreckte sich eine mindestens 100 Meter lange Halle, von der Breite eines Kirchenschiffes. Jedoch sah die Halle mehr aus wie ein griechischer Tempel. Besonders die weißen Säulen, die im Abstand von jeweils fünf Metern an den beiden Wänden angebracht waren, erinnerten sehr an die griechische Epoche.
Etwa 30 Meter über ihm an der Decke erstreckte sich der Himmel, der durch die riesigen Fenster zu erkennen war. Dies war die einzige Lichtquelle der Halle.
„Es ist keine Halle! Es ist ein Tempel!“, Jacks Führer war schon einige Meter vorausgeeilt und hatte anscheinend erst jetzt bemerkt, das sein Schützling zurück geblieben war.
„Können sie etwa meine Gedanken lesen?“, Jack war irritiert. Doch statt zu antworten drehte sich die Kuttengestalt herum und schritt weiter in die Halle hinein.
Die beiden Personen trotten langsam aufs andere Ende des Tempels zu. Noch konnte Jack nicht erkennen was ihn erwarten würde am anderen Ende. Es schien als würde sich das Ende des Tempels seinem Blick entziehen und er konnte nicht sagen wie das möglich war. Alles schien verschwommen, obwohl es nur noch etwa 24 Meter waren. Doch darüber würde er sich später Gedanken machen. Im Moment interessierten ihn mehr die wunderschönen Mosaike, die sich unter ihm entfalteten.
Er musste aufpassen, dass er nicht wieder stehen blieb und ihn die Kuttengestalt zu Recht weisen musste.
Die Mosaike strahlten in den wunderschönsten Farben die man sich nur vorstellen konnte. Jack hatte solche Farben noch nie gesehen. Vielleicht lag das aber auch nur an dem Lichteinfall.
Kurz blickte er an die 30 Meter entfernten Fenster an der Decke, doch musste er den Kopf wieder senken. Das Sonnenlicht war einfach zu grell. Doch er hatte gesehen, dass keine Wolke am Himmel stand. Jack konnte zwar nicht sagen warum, aber irgendwie verunsicherte ihn der wolkenlose Himmel und die grelle Sonne.
Sein Führer lächelte: „Die Sonne scheint größer geworden zu sein, seit sie hier herein spaziert sind. Finden sie nicht?“
Nun waren es nur noch zehn Meter, jedoch schien die hintere Wand noch immer unförmig und verschwommen. Doch konnte er nun eine art Altar ausmachen. Jack hielt den Atem an. Je näher er dem Altar (In Kirchen oder Tempeln stehen meistens Altäre) kam, desto deutlicher wurden dessen Umrisse und Konturen und je schlechter wurde ihm. Es schien als würde eine Macht an ihm zerren. Doch weil er als Mensch diese Macht nicht begreifen konnte, überkam ihm langsame Übelkeit.
Die Kutte lachte: „Sie haben Recht. Sie können diese Dimension, vor der sie stehen nicht begreifen, da sie nur ein Mensch sind und das schlägt sich bei ihnen in Übelkeit aus. Aber kommen sie, es ist nicht mehr weit.“
Schon wieder hatte sie seine Gedanken gelesen.
Nun standen sie direkt vor dem Altar und Jack war sich nun sicher: Es war ein Altar.
Doch das verwunderlichste an dem Altar war die große, gläserne Kuppel, die den ganzen Tisch einnahm. Der Altar selbst hatte die Größe wie dessen Verwandten in einer katholischen Kirche.
Die Kuttengestalt lief auf den Altar zu und berührte das Glas der Kuppel.
„In diesem gläsernen Gefäß ist etwas eingeschlossen, dessen Macht so unbeschreiblich ist, dass ihr bemitleidenswerten Menschen es nicht erfassen könnt, denn euch fehlt das Sinnesorgan um diese Macht zu verstehen und wahrzunehmen.“, die Kutte lachte.
Jack war verwirrt: „ Aber…“
Die Gestalt unterbrach ihn mit einer herrischen Geste: „Sch…! Schweig und lass mich erklären: Dieser Tempel wurde von uns Wächtern errichtet, damit wir etwas gefangen nehmen konnten. Und ich rede von nichts geringerem als der Zeit selbst!“
Jack brauchte einige Sekunden, bis das eben gehörte, in seinem Gehirn zu Verständnis verarbeitet worden konnte. Doch er verstand überhaupt nichts. Egal wie lang er auf die Erkenntnis hoffte.
„Wie kann man Zeit fangen und wieso eigentlich?“
Die Kutte lachte und wischte mit seinem Ärmel über die Glasglocke. Erst jetzt bemerkte Jack, dass die Kuppel beschlagen war.
Als er das erblickten was in der Kuppel lag, musste er schallend loslachen. Die Kutte blickte nur verächtlich auf den lachenden Jack.
Als er sich von seinem größten Anfall erholt hatte fragte er mit noch tränenden Augen: „Was macht denn dieser kleine, goldene und sehr altmodische Wecker unter der Glaskuppel?“
Nun begann die Kuttengestalt leicht zu schmunzeln: „Das was du vor die siehst ist das Bild, was ihr Menschen euch von der Zeit gemacht habt. Ihr seid blind geworden und seht deshalb nur diesen Wecker. Wir jedoch können die Zeit fühlen, hören, schmecken und manchmal sogar sehen. Ihr seht immer nur die Auswirkungen, die die Zeit bei euch anrichtet. Zum Beispiel wenn ihr altert. Aber wir, wir fühlen sie in uns.“
Als die Kuttengestalt angefangen hatte zu reden, kamen hinter den Säulen weitere Gestalten. Sie glichen Jacks Führer aufs Haar genau. Alle trugen die gleiche dunkelblaue Kutte und hatten die Kapuze so tief ins Gesicht gezogen, dass man nichts erkennen konnte.
Nun sprach Jacks Führer erneut: „Auf jeden Fall müssen wir uns jetzt verabschieden von dir. Denn die Zeit ist sehr instabil und verschwindet leider sehr schnell, daher müssen wir uns immer wieder neue Zeit besorgen.“
Jack war verwirrt: „Wie bitte? Wieso braucht ihr Zeit und woher bekommt ihr sie?“
„So viele Fragen. Was ich an euch Menschen immer bewundere, ist euer Wissensdurst. Doch für uns seid ihr nicht mehr als Kühe, die wir melken. Das beantwortet schon einmal eine deiner Fragen. Wir nehmen uns die Zeit von den Menschen. Daraufhin lagern wir die Zeit in dieser Kuppel, die du hinter mir siehst.“
Jack war baff: „Ihr meint, ihr klaut sie euch.“ So viel hatte er zumindest schon verstanden, bis jetzt.
Die Kutte lächelte erneut in sich hinein: „Wenn du den gewaltsamen Diebstahl von Zeit als „klauen“ bezeichnest, dann hast du wohl recht.“
Jack wurde langsam klar in was für einer Gefahr er sich befand. Er verstand zwar immer noch recht wenig, aber es reichte aus, um ihn ins Schwitzen zu bringen.
„Aber wofür braucht ihr die Zeit? Jedem Lebewesen ist ein bestimmter Teil der Zeit gegeben, bis er dann verbraucht ist und das Lebewesen stirbt. Ist das bei euch nicht so?“
Nun begannen alle Kuttengestalten zu lachen. Der Anführer (Zumindest vermutete Jack, dass sein ehemaliger Führer, der Anführer dieser Zeugen Jehovas sei, da er nun die Arme erhob und die Menge schlagartig verstummten) sprach in leisem Ton weiter: „Natürlich haben wir unsere eigene Zeit. Aber diese reicht uns leider nicht aus. Wir wollen unsterblich sein. Verstehst
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Kommentare
Alucard schrieb am 2006-10-25 18:03:00:
Ja, momo kenne ich... und wenn ichs mir recht überlege hat diese Buch wahrlich einw enig mit eingewirkt^^ aber nur einw enig ;-)
Gruß´Raphael
Anariel schrieb am 2006-10-23 03:23:30:
Jetzt bin ich endlich dazugekommen diese Geschichte zu lesen.
Weißt du was, sie erinnert mich ein klein wenig an das Buch und den film "Momo". Kennst du?
Wenn nicht, unbedingt ansehen.
ansonsten wie immer, sehr bildreich geschrieben. Gefällt mir gut.
Versuche bald den zweiten Teil zu lesen.
Mit liebem Gruße
Anariel
Alucard schrieb am 2006-10-03 23:22:36:
Wie ist er wohl zu ihnen gekommen... das ist der Fantasie des Lesers überlassen. aber gekidnappt? Glaubst du wirklich? ansonsten würde er doch nicht seelenruhig hinter seinem Führer her trippeln.....
aber es freut mich das sie euch so gut gefällt
und lexa.. das mit den zeugen jehovas war ein riesiger Fehler von mir.... ich hätte ein anderes eispiel wählen sollen, sie zu beschreiben
Gruß Raph
Lou schrieb am 2006-10-03 18:20:14:
Wow, wieder eine faszinierrende Geschichte. Sie hat mich wirklich gefesselt und sehr beeindruckt.
Eine kleine Frage ist dennoch offen geblieben: Wie ist Jack zu den Wächter der Zeit gekommen? Haben sie ihn einfach gekidnapped oder ist er freiwillig zu ihnen gestoßen?
Ich freue mich schon auf deine nächsten Geschichten! :o) Hoffe du schreibst bald wieder!
Lieben Gruß, Lou
Lexa schrieb am 2006-10-03 13:32:17:
Deine Art, uns Lesern, auf phantastische Weise, eine mögliche, andere Sichtweise, als der bisher angenommenen, näher zu bringen, ist genial. Du verfügst über ein großes Potenzial an Fantasie, lässt einen erschauern und schmunzeln. Dies gelingt Dir in Form von Kurzgeschichten mit pep (also dem gewissen Etwas). Was mich allerdings irritierte, warum erwähnst Du in so einem Text die Zeugen Jehovas? Das schien mir etwas deplaziert, da sie andere Überzeugungen haben, außer dem ewigen Leben. Dennoch gut, mag Deine Geschichten sehr. LG Lexa
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