Eine kleine persönliche Notiz über Wahrheit, das S
von
Michael Behofsics
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Eine kleine persönliche Notiz über die Wahrheit, das Schreiben und Will Shakespeare.
Ich weiß nicht was es mit dem Schreiben auf sich hat.
Ich weiß ja nicht einmal man das was ich tue wirklich schreiben nennen kann. Manchmal kommt es mir vor als wäre jedes Wort das ich schreibe, der reinste Mist. Dann sehe ich einen Typ der eine meiner Stories in seinen fetten Händen hält, eine Zigarette im Mundwinkel und das Gesicht verzieht bevor er das Papier zusammenfaltet und in den Mülleimer segeln lässt.
Aber was soll’s, das kann mich nicht abhalten. Ich schreibe nicht aus einer Laune heraus, sonder aus Notwendigkeit. Es ist als würde mein Hirn immer wieder wie ein Vulkan ausbrechen, und erst dann erlöschen wenn ich was zu Papier bringe. Aber ein Ausbruch a la Pompeii war noch nicht dabei. Ich hab wohl nicht das Zeug dazu einen großen Roman zu schreiben. Das werde ich wohl auch nie haben. Ehrlich gesagt lege ich es auch nicht darauf an. Die Vorstellung so „gehyped“ zu werden wie Dan Brown oder J.K. Rowling, da läuft mir ein kalter Schauder über den Rücken. Okay ich versteh es schon, bei der guten alten J.K. jedenfalls, immerhin hat sie die Kinder wieder zum Lesen gebracht. Applaus dafür, ganz ehrlich. Das Problem ist nur. Kaum eines dieser Kinder wird jemals ein anderes Buch als Harry Potter lesen. Wie Dan Brown das geschafft hat war ja eigentlich ein Geniestreich. Dreimal dasselbe Buch schreiben und dann gemütlich abkassieren. Da wird mir schlecht.
Nachdem ich diese Frechheit gelesen habe, wusste ich auch schon dass eines der Bücher verfilmt werden würde. Wobei es egal war welches. Und ich wusste auch dass der Film zum kotzen sein würde. Fuck, ich könnte mich tagelang über so was auslassen. Nichtigkeiten.
Aber die machen das Leben aus.
Ab und zu kam mir schon der Gedanke, ich sollte vielleicht lieber für Filme schreiben. Drehbücher und so. Aber ich konnte mich, ehrlich gesagt nicht dafür verantwortlich sehen, die Menschheit weiter dumm zu halten. Natürlich, mit dem was ich schreiben nenne unterhalte ich die Menschen ja auch bloß. Aber man kann eine klare Linie ziehen zwischen dem was uns im Fernsehen geboten wird, und dem was man in einem anständigen Bücherladen findet. Manchmal frage ich mich ob Salinger wohl Catcher in the rye auch dann geschrieben hätte wenn er stattdessen Big Brother hätte sehen können. Oder ob Shakespeare wohl Hamlet aufgeführt hätte, wenn er stattdessen auch Triple X hätte machen können.
Na gut Shakespeare ist eine andere Geschichte, der wäre wohl eher beim Krimi oder Thriller gelandet, mit den ganzen Morden und Intrigen. Der gute alte Willy.
Ich mach mir eigentlich wenig Gedanken darüber ob irgendjemand in fünfzig oder hundert Jahren noch mal etwas von mir lesen wird. Dann ist die Erde wahrscheinlich sowieso schon komplett im Arsch.
Versteht mich nicht falsch, ich bin kein hoffnungsloser Pessimist.
Ich bin mir nur ganz einfach sicher, dass irgendwann in dieser Zeitspanne einer den roten Knopf drückt. Einfach so. Und ich glaube dass Shakespeare sich einen auf seine Stücke runtergeholt hat. Der sah sich bestimmt schon Zehn Meter hoch und aus Gold inmitten von Williamsburgh oder Shakespearburyvillageshire oder so.
Die Beweggründe würden mich Interessieren. Warum schrieb er das?
Ich wüsste es wirklich gern. Manchmal schreib ich einfach drauf los, und nach einer Stunde hab ich eine Story. Und manchmal geh ich mit Plan an die Sache. Ich wüsste gerne wie der gute Alte Willy das gemacht hat.
Schon seltsam. Wie einen das Schreiben verändern und beeinflussen kann. Oft begreife ich Dinge auch erst wenn ich sie schreibe. Ich meine jetzt so etwas wie persönliche Wahrheiten und dergleichen. Ebenso faszinierend ist es wenn man eine persönliche Wahrheit entdeckt die jemand völlig anderes geschrieben hat. Nur ein kleiner Moment, aber ist dieser so voller Freude und Erkenntnis das man ihn nicht mehr loslassen möchte. Es ist fast wie sich verlieben. Vielleicht liegt es daran das uns nur noch Lügen entgegen geschmettert werden. Oder auch daran das niemand mehr die Wahrheit kennen möchte, am aller wenigsten über sich selbst. Es ist auch viel einfacher das zu glauben was einem eingebläut wird, anstatt die Pforten der Wahrnehmung aufzustoßen und sich auf eine Reise in sich selbst zu begeben. Mit Sicherheit kann es beängstigend sein, sich selbst zu kennen. Aber noch beängstigender ist es sich nicht zu kennen, sondern sich darauf zu verlassen dass andere wissen was das Beste für einen ist. Man sieht ja wozu es kommt, wenn man sich auf Religion und Staatsformen einlässt. Zum Kotzen.
Und trotzdem versucht jeder dem Anderen seine Meinung und seinen Glauben auf zu zwingen. Versteht mich nicht Falsch, ich freue mich wie jeder andere wenn ich jemandem begegne der mit mir einer Meinung ist, und genauso freue ich mich wenn ich jemandem begegne der nicht einer Meinung mit mir ist. Dann versuche ich seinen Standpunkt zu verstehen und alles aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Aber ich versuche nicht mein Gegenüber zu etwas zu machen was er nicht ist. Viel zu oft war das schon Grund genug für Kämpfe und Kriege, und den Tod von unzähligen Menschen. Das sind natürlich auch Wahrheiten, aber das sind Wahrheiten die schon so zerkaut und durchgemangelt sind das sie jegliche Bedeutung verloren haben. Und es wird schlimmer. Niemand hat mehr den Mut aufzustehen. Den Mut zurück zu schlagen. Vielleicht ist es auch gut so, wer bin ich das universelle Gefüge in Frage zu stellen.
Ich bin nur froh hier sitzen zu können, den Whiskey und die Zigaretten zu schmecken, die Finger über die Tastatur wandern zu lassen und zu wissen das DU das hier lesen wirst.
Ob es dir gefällt oder nicht, vielleicht entdeckst du ja eine kleine persönliche Wahrheit. Und wenn dem so ist, dann halte den Moment fest solange es geht.
Bald ist nämlich alles vorbei.
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Kommentare
Gimliy schrieb am 2008-11-01 20:44:30:
Hi. Also du hast wirklich gute Ansichten und es ist wirklich spannend und bringt einen zum nachdenken, an deinen Gedanken teil zu haben. Ich bin eben der Meinung, dass gute Arbeit belohnt wreden soll, doch es stimmt eben wirklich, dass das meiste nur aus den von dir genannten Gründen geschrieben wird. Da haben wirs als No-Name-Autoren besser, was? Wir können wirklich noch das schreiben, was wir fühlen und denken.
hoffe bald wieder von dir zu lesen, gruß: Gimliy
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