Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Beziehungen > alltag

Eine völlig unerwartete Bekanntschaft

von Michael Reißig

1 2

überraschend. Eine größere Menge war eilends zusammengelaufen, um dieser „außerplanmäßigen Theateraufführung“ gratis zu folgen . Während er weitere Schimpfkanonaden von sich gab, reagierten einige schockiert, andere lachten spöttisch auf und klatschten sogar höhnisch Beifall. Da wurde es auch dem Chef zu bunt. Hastig riss er die Tür seiner Nobelkarosse auf, schwang sich ans Steuer, und brauste davon.
Björn und Anja waren innerlich so aufgewühlt, dass sie sich in der immer größer werdenden Menschentraube aus den Augen verloren.

In der Nacht hatte Björn kein Auge mehr zugedrückt. Wellen der Angst durchfluteten seinen Körper. Schweissgebadet wälzte er sich von einer Seite auf die andere, während sein Herz vollends aus dem Takt geriet.
Dabei sollte doch eigentlich in dieser Nacht das Feuer der Leidenschaft so richtig entflacht werden. Doch Anja war längst nicht mehr in seinem Gedächtnis vorhanden.
Nach Sex war ihm sowieso nicht mehr zumute.
Björn hatte sämtliche Gedankenfäden in seinem Gehirn zusammen gesponnen.
„Der wird mich doch hoffentlich nicht feuern ?“ Diese Frage stellte er sich immer wieder.

Am nächsten Morgen schlich sich Björn in sein Büro. Vorsichtig nahm er in seinem Schreibtischsessel Platz. Als die Tür geöffnet wurde, drohte Björns Herz fast zu zerspringen, der ganze Körper vibrierte wie ein Presslufthammer, Angstschweiss perlte von der Stirn, die Adern pulsierten und schossen das Blut bis in den Kopf, der sich hochrot färbte.
Geschwungenen Schrittes ging der Chef auf Björn zu und begrüßte ihn routinemäßig mit einem festen Handschlag und einem „Guten Morgen“ was sich ganz gut anhörte. Natürlich spürte er die Nervosität seines Stellvertreters, doch, zu Björns allgemeiner Überraschung, schwieg er eine ganze Weile bedächtig. Vielleicht wollte er auch nur, die für diesen Tag kurzzeitig anberaumte Teambesprechung, abwarten. Björn sollte Recht behalten.
„Komm doch bitte mal mit in mein Zimmer!“, forderte der Chef ihn mit angehobener Stimme auf.
„Jetzt kommt der große Knall“, mutmaßte Björn, dessen Herz vor Aufregung wieder deutlich lauter in seiner Brust hämmerte.
Björn sank in den Sessel, den der Chef ihm großzügig zurecht gerückt hatte.
Was jetzt kommen würde konnte sich Björn denken.
„ So etwas wie gestern passiert mir nicht noch einmal!“, raunzte der Vorgesetzte ihn an.
Björn sah, dass seine Gesichtszüge härter wurden, besonders die Furchen von der Nase zum Mund wurden noch tiefer.
Dem Chef waren die Eskapaden seiner Tochter schon längst ein Dorn im Auge. Er fürchtete um seinen guten Ruf in der Firma, denn der Buschfunk ist ja bekanntlich überall präsent. Aber was sollte er nur machen? Schließlich konnte er seine extrem umtriebige Tochter nicht wie einen Hund an die Kette zerren, um diese von den Bedürfnissen der Männer fernzuhalten.
„ Ehrenwort, ich..., ich lasse die Finger von Anja“, stotterte Björn.
„ Das will ich auch hoffen“, antwortete der Chef dessen Miene sich jetzt wieder deutlich aufhellte.
„ Entschuldige bitte das Gebrüll: ich bin eben auch mal voll aus der Haut gefahren. Meine Nerven haben mir halt einen Streich gespielt – ist aber auch kein Wunder bei meiner chaotischen Tochter. Ich weiss doch, dass du die Zuverlässigkeit in Person bist.“
Björn hörte Steine plumpsen. Das Blut zirkulierte nun wieder deutlich langsamer in seinen Adern. Er durfte das Zimmer verlassen. Im Gang wartete auf ihn eine Überraschung:
„Mensch Björn!“ „Was machst du denn hier Agnita? Björn staunte nicht schlecht – es war Agnita seine Jugendliebe. Spontan legte er seinen Arm um ihre Schulter und hauchte ein Küsschen auf ihre Wange. Zwanzig Jahre hatten sie sich nicht mehr gesehen. Agnitas Beziehung war vor einem Jahr in die Brüche gegangen. Der Arbeit wegen war sie hier her gezogen und schaffte heute den ersten Tag im Büro. Björn konnte sein Glück kaum fassen. Die schönsten Erinnerungen hatte er für immer in sein Gedächtnis eingegraben und jetzt noch einmal ausgepackt und im Zeittreffertempo abgespult, besonders ihr unvergessliches erstes Mal, umgeben vom sanften Rauschen der Meeresbrandung im romantischen Licht der untergehenden Sonne. Da war es wieder, diese Engelsgesicht mit den schulterlangen blonden Haaren, den leuchtenden rehbraunen Augen und diese freundlich-warme Stimme. Björn und Agnita hatten sofort Feuer gefangen und gleich einen ersten Date miteinander vereinbart. Die Frau sah – obwohl mittlerweile zwanzig Jahre älter - genau noch so chick aus wie früher. Sie fühlte sich immer noch an wie ein Jungbrunnen, aus dem Björn noch viele Freudenbecher schöpfen kann. Im Überschwang der Gefühle merkten die beiden nicht mal , wie der Chef schelmisch grinsend an ihnen vorbeigeschlichen kam.
Es war wie in einem Märchen: Björn hatte sich das zweite Mal im Leben in ein- und die selbe Frau verliebt – und das nach über zwanzig Jahren.

„ Ich glaube, ich habe das gute Gefühl, dass du endlich die Frau gefunden hast, die du zum Leben wirklich brauchst, da kannst du endlich die Finger von diesem albernen Kücken lassen, frotzelte der Chef am nächsten Morgen. „Woher weisst du, dass ich eine neue Bekanntschaft habe?“, fragte Björn, nicht ohne zu staunen. Im Gang habe ich mich an euch vorbeigezwängt. Ihr wart so was von verliebt, da wollte ich nicht noch stören.“ Hast du richtig gemacht“, antwortete Björn. Beide lachten sich in den Bauch hinein und schlossen von nun an wieder Frieden.




1 2

Kommentare

Nacht schrieb am 2008-10-11 05:27:59:
Sehr schöne Geschichte. Es bestätigt sich immer wieder "Alte Liebe rostet nicht. Und eine zufällige Begegnung entzündet das Feuer oft heftiger und neu. Wenn du die Hauptperson bist, dann viel Glück.
Grüße Nacht

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.