Eine wahre Geschichte erlebt von Paul Kirchens Tei
von
JES
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Teil III
Besuch aus Köln - Meine Arbeitsstelle - Angriff auf Sankt Vith - Eine gestörte Eisenbahnfahrt
- Der Rückmarsch.
Im Jahre 1943 wurde uns ein Brief zugestellt,den ein ehemaliger Kriegskamerad meines
Vaters geschrieben hatte.Mein Vater hatte bis zu dem Zeitpunkt nie mehr etwas von ihm
gehört.Es handelte sich um einen gewissenStefan Lingscheidt aus Köln, der zusammen mit seiner Gattin eine eigene Wäscherei am Gereonswall betrieb.
Nun waren sie ausgebombt und brauchten Hilfe. Beide stammten aus der Gegend von illesheim, wo sie auch eine vorläufige Bleibe gefunden hatten. Das Ehepaar Lingscheidt besuchte uns in Afst für mehrere Tage. Eines Tages fragte mich Frau Lingscheidt, ob ich keine Lust hätte, einmal nach Köln zu fahren. Begeistert sagte ich sofort zu.
Wir fuhren mit dem Zug bis zum Vorgebirge, übernachteten dort bei Bekannten von Frau Lingscheidt und fuhren Ein paar Tage später waren wir reisefertig. am anderen Tag mit der Nahverkehrsbahn bis Köln. Dort angekommen, bot sich uns ein grausames Bild. Alles lag in Schutt und Asche. Solch' einen Gräuel der Verwüstung hatte ich noch nie gesehen. Es war in dem Ruinenfeld kaum ein Haus erkennbar, das nicht beschädigt war. Hie und da sah man eine abgestützte Mauer, die einzustürzen drohte.
Allerdings schien der Dom wenig beschädigt zu sein; die Türme ragten gespensterhaft himmelwärts. An Schutthalden vorbei gingen wir zu ihrem total zerstörten Haus. Wir stiegen
in den Keller hinab, und wo vorher die Einkochgläser gestanden hatten, waren nur noch ein paar Glasklumpen zu sehen. Die Hitze der Phosphorbomben hatte die Gläser zum Schmelzen
gebracht. Als Frau Lingscheidt diese Verwüstung sah,weinte sie bitterlich.
Das Ganze hat mich tief ergriffen.Was haben die Menschen in den Bombentagen und Nächten doch Alles durchleiden müssen!
Eine Stelle bei der Fa. Meurer in St. Vith
Nach dem Besuch der Handelsschule in Eupen riet man mir, ich sollte mich bei der Fa. Meurer in St. Vith melden, denn dort suche man einen kaufmännischen Lehrling.
Bereits Anfang Juli konnte ich meine neue Stelle antreten. Meurer war damals Großhändler in Eisenwaren, Holzhandel und Fliesen. Es war die Ankaufstelle für Schmiede (Klempner),
Schreiner und Fliesenleger, die hier das von ihnen benötigte Material einkauften.
Die Fa. Meurer hatte damals schon einen Bahnanschluss, wo Waggons mit dem diversen Material einliefen. Zu Dritt wurden die Waggons so schnell wie möglich entladen,
damit keine unnötige Standgebühr zu zahlen war. Die Pakete von Nägeln, Schlaufen und Schrauben waren mit einem schwarzen Graphitpulver bestreut, damit die Pakete leichter
von Hand zu Hand weitergereicht werden konnten. Es dauerte manchmal mehrere Stunden,bevor der Waggon leer war.
Ein kleiner LKW brachte immer wieder die Ware zum Lager
der Firma. Es war unglaublich, wie umfangreich die Ladung eines Waggons war.
Meine Arbeit bestand hauptsächlich aus Büroarbeit und kleineren Lagerarbeiten. Hierzu gehörte auch Holzvermessung.
Meine Chefin war Frau Martin Jacobs, geb. Buschmann aus
Wiesenbach. Sie war eine kompetente, gutmütige, ruhige Frau. Es wurde damals an allen Enden gespart. Von jedem eingegangenen Geschäftsbrief wurde das Kuvert aufgeschnitten
und an einem eigens hierzu bestimmten Nagel aufgehangen. Wir können die noch gebrauchen,umGeschäftsanweisungen vorzuschreiben", hieß es.
In dieser Zeit des Mangels wurden die LKW's mit Holzgas angetrieben. Benzin und Öl wurden kräftig gespart. Die hierfür benötigten Holzklötze wurden von der Firma zubereitet. Trockenes Buchenholz wurde zunächst in Scheiben von 8 bis 10 cm Dicke durch die Kreissäge zersägt. Dann kamen die Scheiben zur Spaltmaschine.
Russische oder polnische Gefangene mussten diese Arbeit verrichten. Sie bedienten die Spaltmaschine mit einem Fußpedal. Sie schoben die Scheiben hin und her... und die Klötze fielen nur so zu Boden. Das ging Alles so schnell. Ich dachte immer: Die hacken sich noch die Finger ab.
Angriff auf St.Vith !
Dann kam der 9. August 1944. So um halb zehn Uhr morgens hatte ich von meiner Chefin den Auftrag bekommen, im Eisenlager eine Bestandsaufnahme für die Nachbestellungen zu machen. Auf ein Mal war ein lautes Dröhnen von Flugzeugmotoren zu hören. Ich schaute zum Fenster heraus und traute kaum meinen Augen. Mehere Jabo's flogen im Tiefflug über die Loks, die auf den Gleisen abgestellt waren. Es handelte sich meistens um Rangierloks.
Bekanntlich war St.Vith ein bedeutender Eisenbahnverkehrsknotenpunkt. Manchmal standen 7 bis 8 Lokomotiven auf den Schienen.
Die Jabo's flogen so tief - ich glaube noch keine 200 Meter hoch, sonst hätte ich sie nicht durch das kleine Fenster beobachten können. Das Eisenlager befand sich an der Stelle, wo heute die Verkaufstheke ist.
Auf einmal sehe ich, wie die Lokführer aus ihren Maschinen heraussprangen und in Deckung gingen. Ich überlegte: "Hier kanst du nicht bleiben..." Schnell lief ich zum Holzlager, wo man viele Stapel von Eichenholz zum Trockenen errichtet hatte. Ich suchte mir den größten Stapel aus, in der Hoffnung, dass da keine Splitter durchgingen, und legte mich eiligst unter den Stapel. Dann prasselten auch schon die Bordwaffenpatronen durch das Wellblechdach. Es war nur ein Zischen za hören. Dann vernahm ich ein lautes Flöten. Ich wusste sogleich: Das sind Bomben, die abgeworfen werden. Dann dröhnten die Bomben mit ohrenbetäubendem Lärm, links und rechts von mir herunter. Da dachte ich, dass es das Ende sei. Wie komme ich nochmals mit lebendigem Leib hier heraus?
Nach etwa einer halben Stunde war der Spuk zu Ende. Ich raffle mich auf und lief in das Eisenlager zurück. Unter dem Eisenlager befand sich das Fliesenlager. Ich stieg herab und begegnete meinem Seniorchef Theodor Meurer, der da den Bombenangriff überlebt hatte. Gemeinsam gingen wir zu dem etwa 200 Meter entfernt gelegenen Büro. Jetzt sahen wir, dass die Kirche lichterloh brannte. Der Kirchturm brannte wie eine große Fackel. Und auf ein Mal fiel der Turm in sich zusammen. Bei diesem ersten Angriff auf
St. Vith hat es auch zahlreiche Todesopfer gegeben. Zudem hatten die Kampfflugzeuge auch noch Bomben mit Zeitzünder abgeworfen. So kam es immer noch zu Nachexplosionen, die Schäden anrichteten.
Eine gestörte Eisenbahnfahrt!
Nach diesem schrecklichen Angriff konnte sich das Leben in St.Vith nicht mehr so richtig normalisieren. Die Verwüstungen, besonders an der Vituskirche, hatten einen tiefen Schock bewirkt. Meistens fuhr ich am Wochenende mit dem Autobus nach Hause. Es muss so Ende August 1944 gewesen sein, dass ich an einem Freitag bereits nach Hause konnte.
Aus einem unbekannten Grunde fuhr der Bus nicht, sodass ich den Zug über Weismes bis Losheim nehmen musste. Als wir in der Gegend von Born angelangt waren, (ich glaube, wir hatten die von Korff-Brücke schon passiert) griffen plötzlich Jagdbomber unseren Zug an. Das war eine schlimme Attacke. Überall hörte man das Zischen der
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