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Kategorien > Liebesbrief > Entscheidung

Eintagsfliege

von Schattenwort

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Du wirst dir vielleicht denken, dass ich so bin wie viele meines Alters und Geschlechts. Ein Windzug, der einen streift, ein kurzer Schauer, an den man sich am nächsten Morgen schon nicht mehr erinnern will, weil er so kalt war und wieder weg ist.
So einer zu sein, der verspricht dich zu lieben, dir treu zu sein, zu achten und zu ehren, bis dass... du kennst den Rest. Aber dann wird aus der erhofften Unendlichkeit eine Ewigkeit, aus der Ewigkeit eine Unewigkeit, aus der Unewigkeit etwas Endliches, dann weiß man, dass es endlich irgendwann vorbei ist.
Ich würde nichts versprechen ... doch bin ich auch kein flüchtiges Verfangen.
Ein flüchtiges Verfangen...
Eine Eintagsfliege, die morgen schon morgen nicht mehr da ist, weil sie vielleicht sogar starb oder einfach nur in den Tiefen der Weltgeschichte verschwand.
Ich wäre gerne eine Eintagsfliege, doch kann ich es nicht sein.
Ich wäre gerne eine Eintagsfliege, die sieben Jahre unvollkommen wartet auf eine kurze Zeit des Glücks.
Ich wäre gerne eine Eintagsfliege, doch kann ich es nicht sein.
Ich wäre gerne derjenige, der sieben Jahre auf das Glück wartet, von dir geliebt zu werden, um dann am nächsten Tag oder nur eine Woche später dich gehen zu sehen. Dich gehen zu sehen, nicht weil ich das bin, was vorgab nicht zu sein, sondern weil du vielleicht von dem Sog der Weltgeschichte mitgerissen wirst, selbst nur jemand bist, der einen wie ein flüchtiger Windzug streift.
Doch du wärst dann mehr, du würdest etwas hinterlassen, einen Mückenstich vielleicht. Doch nach sieben Jahren unvollkommenes Warten und einer kurzen Zeit des Glücks, da bleibt nicht nur ein Mückenstich, vielmehr ein Stich tief ins Herz, eine Narbe. Noch tiefer und größer und schmerzhafter als jene, die du in den sieben Jahren hinterlassen hast.
Doch selbst dieser Schmerz wäre es wert, sieben Jahre wie eine Eintagsfliege im fließenden Wasser zu liegen, sich nicht zu bewegen, darauf hoffend, dass man nicht von einem größeren Tier gefressen wird. Sieben Jahre leiden, wäre es wert, noch einmal von dir verletzt zu werden.
Wie du weißt, liege ich gerade noch in dem Wasser und warte darauf, dass die Zeit um ist. Um dann nur einmal kurz deine Nähe genießen zu können.
Wie du weißt, könntest du mir auch mehr versprechen oder gar geben – ich verlange es nicht mal.
Und wenn die Welt morgen untergeht, ich von einem größeren Tier gefressen werde, ist es trotzdem, wert gewesen, diese Jahre zu warten.

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