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Eleanore

von Hermione

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Es begann alles an einem trüben, regnerischen Tag, der für London üblich war.
Ich wusste schon damals, als er mich mit seinen dunklen, eiskalten Augen so ansah, dass es etwas auf sich haben musste mit diesem Mann.
Es überraschte mich nicht, als mein Vater mich in sein Arbeitszimmer riefen ließ und mir mitteilte, dass er Besuch für heute abend empfing.
Denn Vater hatte schon oft Kollegen von ihm zum Abendessen eingeladen, ich nahm es zur Kenntniss und machte einen kleinen Knicks, bevor ich sein Arbeitszimmer verließ.
Ich lebte nur mit Vater und meinen um acht Jahre älteren Bruder in einem großen Anwesen, das ein wenig abgelegen von London lag.
Der Park des Anwesens war so groß, dass ich mich auch jetzt noch verirren konnte, obwohl ich schon seit meiner Geburt hier lebte.
Überall im Park standen weiße, marmorne Figuren von Frauen oder Männern oder auch Tieren, und im Sommer blühten viele verschiedene Blumen.
Es klang so wundervoll, und optisch wirkte es auch so, aber irgendetwas hatte mir schon immer Angst vor dem Haus gemacht - vielleicht lag es aber auch nur daran, dass es in dem Park auch einen kleinen Familien - Friedhof gab, und dass meine Mutter dort auch ihre ewige Ruhe gefunden hatte.
Nachdem ich mit Vater gesprochen hatte, zog ich es vor, mich in mein Zimmer zurückzuziehen.
Ich hatte keine Lust dazu, in die Bibliothek zu gehen, obwohl mich mein Bruder immer dazu drängte, Bücher über Odysseus oder von Homer zu lesen.
"Allgemeine Bildung ist wichtig", pflegte er dann immer rechthaberisch zu sagen, "besonders in solchen Zeiten. Da müssen auch Frauen gebildet sein, wenn sie einen guten Mann heiraten wollen." Und ich stimmte ihm immer gelangweilt zu.
Das sollte allerdings nicht heißen, ich sei dumm und interessierte mich nicht für Bücher - das tat ich schon - aber nicht für langweilige Lektüren.
Deshalb führte ich ein Tagebuch - man konnte alte Einträge lesen, die schon längst vergessen zu schienen, und für mich war das immer spannend.
Als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, seufzte ich leise. Der Regen trommelte gegen die hohen Fenster, so als ob er das Glas einschlagen wollte.
Es regnete bereits seit zwei Tagen so fürchterlich, und das Wasser schien ein wenig gestiegen zu sein. Und bei einem solchen Wetter wollte jemand hierher kommen?
Ich ließ mich in einen von den beiden schönen, cremefarbenen Ohrensesseln fallen, die ihren Platz vor dem Kamin hatten, der noch nicht entzündet worden war, und sah zu, wie der Regen weiterhin wütend auf die Fenster einschlug.
Ein leises Klopfen jedoch lenkte meinen Blick auf die Tür, die daraufhin einen Spalt breit geöffnet wurde.
"Eleanore? Elli?", die weiche Stimme meines Bruders erklang, und es gab nur ihn, der mich so nannte.
"Ja, ich bin hier. Ich werde gleich in die Bibliothek gehen und lernen, nur noch einen Augenblick", fügte ich rasch hinzu, um den möglichen Vorwürfen meines Bruders zu entkommen.
Raoul trat ein. Er war schon jetzt festlich gekleidet; er trug einen einfachen, samtenen schwarzen Wams mit goldenen Knöpfen, eine schwarze Hose.
Er war eben ein Mensch, der sein Geld nicht gerne zum Fenster hinaus warf. Ich übrigens auch nicht.
Ihm wurden teure, extravagante Anzüge geschneidert, und er war immernoch für diese altmodischen, grauen Lockenperücken.
Raoul hielt ein weißes, breites Packet in den Händen, um das eine schwarze Schleife gebunden worden war.
"Es ist für dich", erklärte er, "Vater sagt, dass du es tragen sollst."
Er durchquerte den Raum und überreichte mir das Packet. "Ich rufe dir eine Magd."
Mit diesen Worten verließ er eiligst mein Zimmer, er schien nervös zu sein. Warum auch immer.
Ich zog an der Schleife, und sie löste sich locker. Dann hob ich den Deckel hoch, und ließ meine Finger über den blütenweißen Moiré Stoff gleiten.
Ohne irgendetwas zu sagen nahm ich das Kleid heraus, dass aus einem Casaquin und Rock bestand, mit einer edlen Tüllstickereispitze und kleinen Diamanten bestickt worden war.
Und zu meiner Freude musste ich kein Korsett tragen.
Ich legte das Kleid beiseite und wendete meine Aufmerksamkeit einem Brief und einem weiteren kleinen Päckchen, dass sich neben dem Kleid befunden hatte, zu.
Meine Neugier war nun kaum noch zu Bremsen, doch ich entschied mich, mich selbst zu zähmen und zuerst den Brief zu öffnen-
"Miss?" Doch die Magd hinderte mich an meinem Vorhaben.
"Ja, bitte?", fragte ich ungewollt barsch.
"Entschuldigen Sie bitte, Mr. Cadigan schickte mich zu Ihnen, um Ihnen beim Ankleiden zu helfen", antwortete das Mädchen, dass so alt sein musste wie ich, ein wenig eingeschüchtert.
Ich hatte vollkommen darauf vergessen, und nickte kurz.
Während mir das Dienstmädchen half, mich anzukleiden, und mir danach mein rotbraunes, wellig gelocktes Haar zu einer ansehnlichen Frisur hochsteckte, drehte ich den Brief mit dem blutroten Siegel, der den Brief verschlossen hielt, nervös in meinen Händen.
Ein solch schönes Kleid hatte ich von keinem Herren, der je bei uns zu besuch gewesen war, bekommen.
Als das Mädchen seine Arbeit beendet hatte, schickte ich sie mit einem leisen "Danke" hinaus.
Nun konnte ich meine Neugier nicht mehr zurückhalten, und ich öffnete den Brief vorsichtig.
Dann faltete ich den Brief vorsichtig auf und begann zu lesen.

Liebe Ms. Cadigan,

es ist mir eine große Ehre, Sie und Ihre Familie kennenlernen zu dürfen, und es würde mich freuen, wenn Sie das Kleid tragen würden, dass ich Ihnen geben ließ - übersehen Sie nicht das kleine Päckchen.
Ich freue mich schon darauf, Sie kennenlernen zu dürfen.
Wir sehen uns.

Hochachtungsvoll, Ihr C.P.

Die Schrift war geschwungen, und leicht leserlich.
Es freute mich ungemein, dass mir ein Freund meines Vaters eine Nachricht beilegte - und es war nicht ausgeschlossen, dass mir der Fremde einen Heiratsantrag mit diesen Geschenken machen wollte.
Bisher hatten das alle Besucher versucht, doch ich vertröstete sie darauf, ihnen eine Antwort per Brief zu schicken, doch dieser würde nie ankommen.
Doch Vater drängte mich dazu, einen von ihnen zu heiraten, denn langsam kam in seinem Hause Geldmangel auf, und seine Bank schien auch nicht mehr richtig zu laufen - doch warum sollte ich einen alten Mann mit Geld heiraten?
Vermutlich war es wieder ein alter Mann, der vergebens auf mein Jawort wartete.
Ich legte den Brief beiseite auf die Kommode mit dem Spiegel.
Das kleine Päckchen war seltsam leicht - fast wie eine Feder - was mich dann irritierte, als ich es öffnete.
Ein sündhaft teures, mit passenden Diamanten besetztes Collier und die dazugehörigen Ohrringe waren in ein Samtkissen gebettet.
Mein Mund öffnete sich vor Erstaunen, und ich nahm den Schmuck nach und nach heraus.
Als ich ihn angelegt hatte, betrachtete ich mich im Spiegel, der mir zeigte, dass auch ich - obwohl ich mich immer für hässlich und unveränderlich gehalten hatte - einmal hübsch sein konnte.
Nun hielt mich nichts länger mehr auf in meinem Zimmer, und ich hatte den Drang, Raoul all das Schöne

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Kommentare

zOe schrieb am 2007-10-20 13:34:18:
soo jetzt bin ich fertig... einfach toll, wirklich! einfach die sache mit dem schlafwandeln, da kann ich black rose zustimmen. der zusammenhang ist nicht ersichtlich... aber vielleicht muss es ja keinen geben!
liebe grüsse zOe
zOe schrieb am 2007-09-09 15:57:00:
huhuu da bin ich! ich habe die geschichte noch nicht ganz fertig gelesen, da ich noch nicht dazu gekommen bin, aber ich will auf jeden fall wissen, wie sie ausgeht! sehr packend und einfach wunderbar geschrieben, wie immer...
liebe grüsse
*zoe*
BlackRose schrieb am 2006-10-10 18:40:10:
konstucktive Kritik *g* interessant , schreib nochmal solche langen texte ich hab fest gestellt das ich ein fan von dir bin *zu jubel* ich verschlinge deine geschichten förmlich ( meine Mappe - ich kann auf der arbeit auchfür mich privat drucken- läuft über )
Hermione schrieb am 2006-09-25 16:07:42:
Danke für deine konstruktive Kritik =)
Scheinst meine Geschichten ja wirklich zu mögen.
Aber jetzt zu "Eleanore": Diese Geschichte habe ich mit sehr viel Leidenschaft verfasst, hatte aber kein Konzept von ihr- ich habe einfach das niedergeschrieben, was mir eingefallen ist.
Zuerst war es nämlich so gedacht, dass C.P. tatsächlich böse ist (das Ende der Geschichte wurde von mir überarbeitet).
Dann fand ich es aber wieder besser, ein eher überraschendes Ende zu schreiben, da man ja am Anfang schon merken konnte, dass Constantin mysteriös ist.
Deshalb kann ich einige Teile der Geschichte selbst nicht erklären und weiß, dass dies dumme Fehler sind - allerdings habe ich weder Zeit noch Geduld, um dies auszubessern - eher wohl das Zweitere.
BlackRose schrieb am 2006-09-21 17:05:33:
soooooo, jetzt aber , ich habe mir gestern deine geschichte ausgedruckt (22 Seiten!!!!!!) [und ich dachte ich würde mit 14 oder 15 seiten viel schreiben ] naja also was ich zu deiner geschichte zu sagen hab ist das sie echt der hammer ist nur solltest du das mit der krankheit des bruders schon ein bisschen früher ins bild rücken, zu dem warum hat Eleanore diese träume hat das mit C.P. zu tun ? aber echt total schön lieben gruß und bussy . BlackRose

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