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Kategorien > Melancholie > Nachdenkliches

Elisabeth

von Mia

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~1~

„Elisabeth! Sag doch endlich was!“
Schweigen.
„An dir ist ein Stummer verloren gegangen.“
Dr. Jefferson verzweifelt. Das war die vierte Sitzung. Viele gute Therapheuthen und Professoren hatten sich an ihr versucht – und sind gescheitert.
Doch er hatte in der letzen Sitzung eine Antwort erhalten. Die Frage lautete : ‚was ist dein Problem?’ und die einfache, präzise Antwort war ‚Er’. Damit konnte er jedoch nicht viel anfangen. Mehr hatte sie in der Sitzung nicht gesagt.
„Wieso sagst du nichts? Elisabeth?“
Schweigen.
“Wer ist ‚Er’?“
Schweigen.
Was klammert er sich auch an einem einzigen Wort fest? Andersrum ist es eine Chance, eine Chance auf Reichtum und Ansehen. Der Ehrgeiz überwiegt. Er muss es schaffen! Er muss!
„Wo ist ‚Er’?“
Schweigen.
Es bringt eh nichts. Er gibt auf. Dann hört er Gemurmel aus ihrer Richtung. Konnte er es doch schaffen? Mit einiger Mühe hört er heraus, was sie sagt. Es sind leise, geflüsterte Worte die sich langsam zu einem Satz mit gewissem Sinn bilden:
„Neben mir, er ist neben mir.“
Erleichterung.
„Was macht ‚Er’?“
Kurzes Schweigen dann, erneutes Geflüster:
„Sprechen, er spricht mit mir.“
„Was sagt ‚Er’?“
„Er... er sagt ich solle ihm helfen.“
„Wobei?“
„Bei der Welt.“
‚Was meint sie damit? Merkwürdig, dieses Mädchen.’, denkt er.
„Wie, mit der Welt?“
„Mit der Welt. Ich soll ihm helfen die Welt zu verbessern. Ich soll mit ihm kommen.“
„Wie sieht er aus?“
„Weiß. Völlig Weiß:“
Er denk nach. Sie fällt zurück in ihre scheinbar ausweglose Trance. Sie senkte den Kopf Er sieht ein, dass es keinen Sinn mehr hatte. Ein Wink mit der Hand, zwei Pfleger treten ein und bringen sie zurück.

~2~

„Wo ist sie?“
„Vor einer Stunde war sie noch da. Wirklich! Sie müssen uns glauben, Dr.!“
„Ihr seid solche Deppen! Wie kann man ein achtjähriges Mädchen verlieren?!“
Insgeheim ist er traurig; Was macht ein Achtjähriges Mädchen hier, in der Psychiatrie?
„Tut uns Leid, Dr.! Sie ist uns wohl entwischt“!
„Stimmt, kann ja mal passieren, dass ein kleines Mädchen aus einer dreifachgesicherten Zelle ausbricht!“
„Tut uns wirklich Leid !“
„Redet nicht sucht sie! Sie darf nicht verschwinden!“
‚Sch***! Dieses Mädchen regt mich auf! Wie konnte das passieren? Jetzt sitze ich tief im Schlamassel.’, das sind seine Gedanken, für die er sich nachher noch schämen wird.
„Dr. Jefferson, Dr.! Das haben wir in ihrer Zelle gefunden:“
„Wow, ein Zettel! Also echt! Ihr sollt SIE suchen und keine Zettel! Gib her!“
Es ist ein wundervolles, kunstvolles, geschwungenes Zeichen, welches er nicht beschreiben kann. Es weckt auf seltsame Art warme Gefühle in ihm, so warm, dass es schon fast zu Explodieren droht. Er fühlt sich plötzlich so... fröhlich und so ... frei, so ... leicht, ohne eine Sorge. Er liebt alle Welt. Dann fliegt ihm das Blatt aus der Hand und schwebt quer durch den Raum, von einem nicht vorhandenem Luftstrom gepackt und ihm wird wieder kalt, eisig kalt.
Was war das für ein seltsames Zeichen, welches seine Gefühle so beeinflussen kann? Er wird aus seinen Gedanken gerissen, als einer der Pfleger durch die Psychiatrie schreit:
„Dr., wir haben sie! Wir haben Elisabeth!“
„Na endlich! ... und wo ist sie?“
‚sie ist da, er ist gerettet!’, waren seine Gedanken in dem Moment.
„Das ist jaaa das Proobleeem! ... Sie sitzt oben auf dem Dach.“
‚Wie kommt sie schon wieder dorthin?’, denkt er
„Dann holt sie runter!“
„Ähhh, Chif und ich haben Höhenangst.“
„Muss man denn alles selber machen?!“
‚Dieses Mädchen schafft es immer wieder! Und übermorgen wird sie schon wieder abgeholt. Er muss sich beeilen.’
„Bringt mich zu ihr !“
„Wir gehen aber nicht AUFS Dach, oder Dr.?“
„Ihr nicht, ICH schon. Ich habe ja auch nicht vor Allem und Jedem Angst.“
Sie laufen durch endlose Gänge bis sie an einer Treppe ankommen sind. Dr. Jefferson steigt auf der Treppe nach oben. Dort sitzt Elisabeth mit den Armen um die Knie gelegt. Es ist dunkel und es regnet. Der Mond scheint.

~3~

„Elisabeth, komm runter, bitte!“
Er bemerkte zum ersten Mal das er dieses kleine, aber dennoch so verzweifelte Kind mochte. Ja, Tomas Jefferson hat sich zum ersten Mal an einen Menschen gebunden.
Sie kommt nicht.
Er ging zu ihr hin, hielt sie sanft, sehr sanft am Handgelenk, sie bleibt starr sitzen.
„Bitte komm!“
Keine Bewegung.
„Du willst hier bleiben, nicht?“
Sie nickt leicht:„Ja“ Sie spricht es leise , fast vorsichtig aus.
„Na gut, noch eine Viertelstunde, dann komme ich wieder.“
Er geht langsam runter und muss erst mal nachdenken: Was bedrückt dieses Mädchen so sehr, Wieso mag er sie so, obwohl sie nur ein Patient ist und wieso war sie überhaupt hier ?weil sie leicht depressiv ist, weil sie so schweigsam ist, das sind doch keine Gründe?! Er weiß keine Antwort, er wird vermutlich auch nie eine finden.
Die 15 Minuten sind beinahe um, er geht wieder hoch.
Sie sitzt immer noch an der selben Stelle, sie wirkt jedoch schemenhaft, als ob sie verblasst. Er irrt sich sicherlich, es war ein langer Arbeitstag.
Es fängt an zu donnern.
„Komm, Elisabeth, du kannst nicht so lange bei dem Wetter hier oben sitzen.“
Sie nickt leicht, zeigt jedoch sonst keine Reaktion.
„Du möchtest hier alleine bleiben, nicht?“
Sie nickt wieder, diesmal deutlicher.
„Komm, morgen ist ein neuer Tag.“
Wieder ein Nicken, dann steht sie auf.
Sie gehen zusammen runter.

~4~

„Jack, Chif! Kommt! … Schnell!”
Sie eilen zu Raum 006. Er weiß nun was es mit dem merkwürdigem Zeichen auf sich hat. Und er weiß, dass es bedeutet ,dass er keine Zeit verlieren darf. Sie sind da.
„Ihr wartet hier! Wenn ich in einer Stunde nicht wieder hier bin, holt ihr mich.“
Das sagte er nicht ohne Grund. Er betritt den Raum.
Elisabeth steht an dem breiten, vergittertem Fenster. Sie bemerkt ihn und fängt an ihn mit ihrem ewig traurigem, sehnsüchtigem Blick zu durchdringen. Er zuckt zusammen.
„Elisabeth.“
Es ist ein leeres Wort, einfach in den Raum gestellt. Es hallt von den kahlen Wänden wieder. Sie fixiert ihn immer noch ohne eine Bewegung.
„Wieso hast du niemandem davon erzählt?“
Ein Echo. Immer noch ihr Blick.
„Sie wären zu traurig um mich.“
Ihr Blick hält seinem immer noch stand, fing jedoch an zu beben und verschwommen zu werden. Das Licht der Sonne bricht sich in ihrem Auge.
„Wer sind ‚Sie’?“
Sie zittert.
„Du, die Eltern und...niemand.“
‚Sie nennt mich Du?’
„Du weißt es, nicht?“
Ihm fällt das Schemenhafte an ihr auf. Wie neulich auf dem Dach. Als ob sie langsam , aber sicher verschwindet, aber er weiß nun auch, das dem so ist. Das erste Mal hatte er sich also auch nicht geirrt. Eine Träne rinnt langsam ihr kindliches Gesicht herunter. Sie ist erst acht, aber dennoch hat sie so tiefe und schlaue Augen, wie jemand der die Welt schon lange kennt.
„Ja, aber sei nicht traurig.“
„Wieso sollte ich es nicht sein? Thomas, ich werde sterben, also sag mir wieso ich nicht traurig sein soll?“
Er hätte sich gewundert, woher sie seinen Namen kennt, doch sie verwunderte ihn nicht mehr, und so akzeptierte er es

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