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Kategorien > Familie > Schmerz

Elternstreit

von Silberhorn

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Kurzgeschichte: Elternstreit
von Viktoria Egelseer


Ihre Eltern hatten gestritten, ihretwegen, wie sie glaubte.
Es war Abend. Karins Handy klingelte. Es war ihre Mutter.
„Hey Karin, wie war dein Tag?“, klang ihre Stimme durchs Telefon.
„Danke gut!“
„Und was habt ihr gemacht?“
„Ihr? Ich war allein!“
„Allein? Wo war den Papa?“ Eine kurze Pause trat ein. Sollte sie es ihrer Mutter wirklich sagen, dass er bei seinem Bruder Marco war? Karin entschied sich für die Wahrheit. Anlügen wollte sie ihre Mutter nicht.
„In Wr. Neustadt bei Marco im Haus mithelfen!“
Eine Stille entstand. Karin wusste, wie ihre Mutter auf dieses Thema reagierte. Schließlich nahm ihre Mutter die Stimme wieder auf.
„Dieser Mensch wird wohl nie schlau! Wenn ich daran denke, was sie uns schon angetan haben! Schleicht ihnen schon wieder in den Hintern!“
Karin hörte an ihrem Unterton, dass ihre Mutter wütend war. Ablenkend fuhr sie ihr Gespräch fort.
„Wo bist du?“
„Gerade auf dem Heimweg. Ich bin schon in Ternitz!“ Noch immer klang dieser Unterton nach.
„Dann bist du ja bald da. Ach ja, Papa hat uns Pizza von der Pizzeria mitgenommen.“
„Schön, na dann, wir sehen uns.“ Das Handy gab ein piepsendes Geräusch von sich. Ein Zeichen, dass sie aufgelegt hatte.
„Könntest du den Tisch decken?“ dröhnte eine Männerstimme aus dem Wohnzimmer. Ohne eine Antwort, ging Karin in die Küche und holte das Besteck aus der Schublade. Aus dem Wohnzimmer klangen jubelnde Geräusche aus dem Fernsehen. Papa hatte ihn angemacht, weil heute ein Fußballspiel zu sehen war. Rapid gegen W. Tirol. Wie Karin den Tisch deckte, wagte sie einen Blick ins Spiel. Es stand 1:3 für Rapid.
Die Pizzen gaben ihren herrlichen Geruch von Mais, Tomatensauce und Schinken preis. Karin lief das Wasser im Mund zusammen und begann sofort zu essen.
Ein Motorgeräusch erklang. Ihre Mutter war wieder zu Hause. Karin ging in den Vorraum, um ihre Mutter zu begrüßen. Sie gab ihr einen lieben Kuss auf die Wange und umarmte sie kurz. „Wie war dein Tag?“
„Anstrengend wie immer!“
Eigentlich brauchte sie nicht zu fragen. Sie erhielt stets immer dieselbe Antwort. Ihre Mutter arbeitete in einem Pflegeheim in Neunkirchen. Sie war Diplomkrankenschwester und hatte anstrengende Tage hinter sich. Morgen würde sie einen Nachtdienst haben. Noch etwas, was Karin nicht verstand. Ausgerechnet am Ostersonntag!
Während sie sich wieder im Wohnzimmer befand, aß sie weiter mit ihrem Vater an der Pizza. Ihre Mutter stellte das Thema von dem Handygespräch sofort zur Rede. Ihr Vater verschluckte sich fast an ein Stück Pizza. Ihm stieg vor Wut die Röte ins Gesicht.
„Da hast du`s wieder! Warum hast du ihr erzählt, dass ich bei Marco war? Jetzt hast du Ostern verdorben!“
„Was hätte ich denn sonst sagen sollen?“, rechtfertigte sich seine Tochter.
„Zumindest etwas anderes! Du solltest es ihr nicht auf die Nase binden, denn du weißt genau, wie sie darauf reagiert!“
„Hätte meine Tochter lügen sollen?“, meldete sich ihre Mutter mit erhobener Stimme ins Gespräch. „Außerdem bist du dann auch immer so anders, wenn du von diesen A….. kommst! Wegen denen geraten wir immer in Streit!“
Daraufhin murmelte ihr Vater etwas und ging angespannt aus dem Raum zu seinem Auto in den Keller und fuhr wütend davon. Dies zumindest vermutete Karin, als ihre Mutter ohne ihn wieder die Stiegen herauf kam, als sie ihn gefolgt war. Man sah es ihr an, dass ihre Mutter vor Wut überkochte. Ihr Atem ging schnell und schnaubend. Sie war kurz vor dem Explodieren. Ihre Adern am Hals spannten sich gänzlich an. Den Versuch, einen Bissen in den Mund zu bekommen, ließ sie los. Den Tränen nahe, schmiss sie die Pizza zurück in den Karton und rumpelte den Teller mit dem Besteck zur Durchreiche, dass das Besteck klirrend auf der anderen Seite zu Boden fiel.
Der Teller landete unsacht im Waschbecken, als ihre Mutter das Geschirr wegräumte. Das Brummen des Fernsehers war immer noch zu hören.
„Stell diese verdammte Klotze ab oder es fliegt durch die Luft!“
Karin forderte ihre Mutter lieber nicht heraus. In diesem Zustand traute sie ihr alles zu. Gehorsam stellte sie den Fernseher ab. Als sie wieder zu ihrer Mutter ging, stand diese bereits in Reiterstiefel und Jacke vor ihr, in der Hand einen kleinen Sack mit Karotten.
„Du gehst zur Finette?“
„Ja!“, gab sie ihr barsch zur Antwort, eher sie die Haustür hinter ihr zuknallte und losstürmte. Karin bemerkte, dass sie ihr Handy in der Küche liegengelassen hatte.
„Warte, du hast dein Handy vergessen!“, schrie Karin ihr hinterher.
„Brauch ich nicht!“, erklang ihre Stimme in der Dunkelheit der Nacht. Ihr Auto setzte sich ebenfalls in Bewegung.
Karin dachte darüber nach, ob es ihre Schuld gewesen war. Ihre Mutter anlügen wollte sie nicht. Jetzt aber bekam sie den Zorn ihres Vaters zu hören, als dieser schlagartig die Tür zu ihrem Zimmer öffnete. Karin war gerade dabei, ihr Referat weiter zu schreiben. als er plötzlich im Zimmer stand.
„Du hast einen Keil zwischen uns getrieben!“, brüllte er Karin an. „Warum hast du davon erzählt?“
„Was hätte ich den sonst sagen sollen?“, wiederholte sie ihre Frage, die sie ihm einige Minuten zuvor schon gestellt hatte.
„Hat sie dich etwa danach gefragt?“
„Ja!“
„Hat sie etwa ihre Frage so gestellt: wo war dein Vater den ganzen Tag?“
„Genau so!!!“, erwiderte sie und spürte, dass ihr Vater nichts mehr entgegnen konnte.
„Gut!!!“ Hinter ihr knallte die Tür zu. Doch sogleich wurde sie wieder geöffnet.
„Gerade zu Ostern, Karin. Na vielen Dank auch!“, brüllte er wieder und schmiss die Tür erneut zu.
„Soll das heißen, dass es meine Schuld war?“, schrie Karin jetzt durch die verschlossene Tür. Sie sprang wieder auf.
„Was denn sonst!!!“
Als ihr Vater sich wieder ins Wohnzimmer begab, war Karin den Tränen nahe. Wie konnte er ihr nur vorwerfen, dass es ihre Schuld war. Sie hatte doch nur die Wahrheit gesagt. Doch wie es schien, war die Wahrheit nicht immer für jeden einzusehen. Karin beschloss, ihren Tränen nicht klein beizugeben. Sie blieb hart.
Auch wenn sich ihre Eltern bei diesem Thema „Marco“ immer heftig stritten, wusste Karin, dass es auch wieder vorbei gehen würde. Denn beide vertraten unterschiedliche Meinungen dazu. Ihre Mutter wollte mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben. Nichtsdestotrotz war es immer noch Papas Bruder, den er ja nur gelegentlich bei der neuen Wohnung half, oder besser gesagt, der Haushälfte. Doch ihre Mutter verband Marco immer noch mit ihren alten Problemen, zum Beispiel als sie sich Geld ausgeborgt hatten, es aber nie zurückgaben. Oder als sie die Cousine von ihrer Mutter „weggenommen“ hatten, so wie sie glaubte. Doch alles konnte sie ihnen nicht verzeihen. Sabrina, die Ehefrau von Marco, hatte zwar versucht, Frieden mit ihrer Mutter zu schließen, aber sie wollte durch ihren Stolz und dem Schmerz, den sie ihr zugefügt hatten, nicht klein beigeben. Bis heute weicht sie ihnen aus und will nichts mehr damit zu tun haben. Wie lange, dass konnte Karin nicht sagen. Schon immer hatte sie sich

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