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Kategorien > Romane > Anderes

Email für mich? (1)

von Klara H

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Sie fiel ihm schnell auf- aber wem nicht?
Er saß wie an fast jedem Tag auf seinem unbequemen Stuhl hinter der Kasse und schob einen Artikel nach dem anderen vor sich über den Scanner. Es war ein öder Job, aber er brachte ihm Geld ein und das war ja wohl die Hauptsache, oder?
Fast jeden Tag saß er hier, in diesem stickigen kleinen Supermarkt, an der Kasse. Wenn er vor ein zwei Jahren gewusst hätte, dass er hier enden würde...nichts hätte ihn in diese Großstadt gebracht. Doch er hatte nun mal einen Traum gehabt (wie pathetisch das schon klang...wenn er sich das schon denken hörte- er hätte wissen müssen, dass solche Träume nur in kitschigen Schnulzen erfüllt wurden, in großen Hollywoodfilmen, in denen nur die gutaussehendsten Leute mitspielen dürfen, Hauptsache es ist möglichst weit von der Realität entfernt...
Alle Leute guckten solche Filme und lasen ebensolche Bücher und es war absolut bescheuert zu meinen er sei der einzige, der gerne ein Happy End haben würde.) Wie viele Menschen in dieser Stadt wohl genauso enttäuscht worden waren wie er?
Benedikt stöhnte auf, als er die lange Warteschlange vor seiner Kasse entlang blickte (sie war gefühlte 50 Meter lang), verabschiedete sich freundlich und mit einem aufgesetzten Lächeln von dem Kunden, der gerade bezahlt hatte und begrüßte automatisch, ohne aufzusehen, den nächsten.
Er schaute erst auf, als er bemerkte, dass die Kundin vor ihm scheinbar rasend war vor Wut und Empörung war- sie telefonierte mit jemandem und schien nicht zu bemerken, dass der ganze Laden zuhörte: Was für ein Freak!
Überrascht schaute Benedikt auf. Vor ihm stand eine junge Frau, schätzungsweise 20 Jahre alt, mit langen braunen Haaren, die sie immer wieder hastig zurückstrich, damit sie ihr nicht ins Gesicht fielen, und großen grünen Augen mit ausgeprägten Ringen darunter. Sie wirkte gestresst, wühlte mit einer Hand in ihrer übergroßen Tasche herum, packte mit der anderen die gekauften Sachen in dieselbe große Tasche (Platz war ja genug da) ein, die eine Schulter hochgezogen, damit weder Tasche noch das kleine Handy herunterfielen.
Während der Arbeit versuchte er meist, die Geräusche um sich herum auszuschalten. Sie waren alle nur lästig: Das unentwegte Surren der Kühlregale, das Klingeln irgendwelcher Handys, das Murren der Kunden, man solle sich doch bitte ein bisschen mehr beeilen, es sei nicht ewig Zeit, das ungeduldige Hupen der Autofahrer draußen auf der Straße,...- Doch jetzt konzentrierte Benedikt sich plötzlich wieder auf alle diese Geräusche, in dem Fall besonders die der Frau vor ihm, wahrscheinlich auch genau wegen ihr. Ein guter Streit konnte jeden Tag spannend machen- solange der Streit nicht um einen selbst ging oder man daran beteiligt war.
Ihre Stimme war weder besonders hoch, noch besonders tief, vielleicht ein wenig rau vom vielen Schimpfen. Sie warf dem Anrufer Beleidigungen und Vorwürfe an den Kopf, und das alles in einem beeindruckenden Tempo!
Man sah ihr an, dass sie sauer war: Ihre Augenbrauen waren mal tief zu den Augen, mal so hoch gezogen, dass sie schon fast in dem fransigen Pony zu verschwinden drohten. Wenn sie nicht redete (sie redete aber so gut wie immer), war ihr Mund entweder vor Entrüstung weit geöffnet oder sie kaute nervös auf ihrer Unterlippe.
„Was soll das heißen, da lief nichts? Sarah hat dich gesehen! Wenn du mir mal wieder einer deiner Geschichten andrehen willst...Nein Collin, ich werde dieses Gespräch jetzt nicht weiterführen. Ich stehe hier gerade mitten im Supermarkt. Du siehst also ich habe Besseres zu tun als mir deine Lügengeschichten anzuhören.“ Sie stellte ihre Tasche auf dem Laufband ab, nahm das Handy in die Hand und klappte es genervt zu.
Gestresst stand sie da so vor ihm, bis er sich räusperte. Nicht weniger genervt als vorher schaute sie jetzt ihn an.
„Was ist? Keine Geduld, wie?“, fragte sie und ihre Stimme schwoll vor lauter Verachtung nur so an. Benedikt war so perplex, dass er sie nur völlig erschrocken ansah.
Dann schüttelte sie plötzlich ihren Kopf, als wollte sie etwas besonders störendes loswerden, und lief puterrot an.
Was eine Irre!
Wahrscheinlich die merkwürdigste Kundin, die jemals vor ihm stand. Sie zeigte in einer Minute so viele verschiedene Gefühle, wie manche Leute in ihrem ganzen Leben.
Jetzt streckte die Verrückte ihm einen Geldschein entgegen.
Unglaublich!, dachte er nur, nahm ihr stumm den Geldschein aus der Hand und hielt ihr das Restgeld hin. Die Frau nahm es vorsichtig, lächelte kurz und entschuldigend, und verließ dann hastig den kleinen Supermarkt. Er wandte sich dem nächsten Kunden zu. Manchmal kam es ihm so vor als sei diese ganze verdammte Großstadt voll von Verrückten, die Frau und er eingeschlossen.
Um sechs Uhr war seine Schicht dann zu Ende. Benedikt ging in den kleinen stickigen Raum hinten im Laden und nahm das kleine verblichene Namensschild ab, das ihn als „B. Kreuzner“ auswies.
Er verabschiedete sich noch schnell von seinen Kollegen, dann verließ er schnell den Supermarkt und trat hinaus an die Luft (diese Luft als „frisch“ zu bezeichnen wäre eine unglaubliche Lüge). Er schloss die Kette von seinem Fahrrad auf, das er neben dem Laden abgestellt hatte. Eigentlich war es völlig überflüssig diesen Schrotthaufen abzuschließen, er tat es nur noch aus Gewohnheit.
Benedikt beobachtete die dicht befahrene und zugeparkte Straße, die überfüllten Bürgersteige und beschloss kurzerhand doch nicht mit dem Rad nach Hause zufahren, sondern es lieber nur zu schieben. Und so ging er los. Die Sonne schien zwischen den großen Häusern durch auf die Straßen und blendete Fußgänger und Autofahrer.
Er ging langsam durch die mit Menschen gefüllten Straßen und engen Gassen. Jetzt hatte er den restlichen Tag frei, so ließ er sich Zeit. Dazu kam noch, dass er keine besondere Lust hatte in seine kleine Wohnung zu gehen. In die leere Wohnung, dachte Benedikt verbittert. Vielleicht ging er noch ein bisschen in den Park...
Es war der bisher heißeste Tag in diesem Jahr, die Studenten hatten Semesterferien und die ersten Touristen drängten sich in die Stadt.
Park ist eine gute Idee, entschied er und drehte sich abrupt um, wobei er sein Fahrrad aus Versehen gegen einen ahnungslosen Passanten stieß. Doch außer einem bösen Blick in Benedikts Richtung gab der Mann nichts von sich.
Im Park setzte Benedikt sich auf eine Bank vor dem kleinen See und ließ sich die Sonne auf das Gesicht scheinen.
Es waren nur wenige Leute mit ihm im Park und dadurch war es angenehm ruhig. Benedikt sah einen Mann mit seinem Rauhaardackel an der Bank vorbeilaufen und folgte den beiden mit seinem Blick. Es hatte sich zu so etwas wie sein ganz persönliches Hobby entwickelt: Leute beobachten... Schon als kleiner Junge hatte er es gerne gemacht und schon seit dieser Zeit reagierten die Leute merkwürdig auf seine Angewohnheit.
Und wie auch erwartet warf der Mann ihm einen herablassenden Blick zu. Benedikt entschied, doch lieber nach Hause zu fahren (oder zu gehen). Dort war er zwar alleine,

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